Kir­cheglo­cken machen kei­nen Lärm

Lit­ur­gi­sches Läu­ten stellt kei­nen unzu­mut­ba­rem Lärm dar. Mit die­ser Begrün­dung wies das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg eine Nach­bark­la­ge gegen eine Kir­chen­ge­mein­de in Werl ab. Die Nach­barn des Kir­chen­grund­stücks hat­ten sich gegen das soge­nann­te lit­ur­gi­sche oder sakra­le Glo­cken­ge­läut zur Wehr gesetzt, wel­ches vor allem aus Anlass von Got­tes­diens­ten, Beer­di­gun­gen, Hoch­zei­ten oder ande­ren kirch­li­chen Fei­ern erklingt. Die Anwoh­ner, deren Gar­ten zum Glo­cken­turm hin aus­ge­rich­tet ist, hat­ten gel­tend gemacht, dass sich die Laut­stär­ke seit dem Ein­bau eines neu­en Geläuts deut­lich erhöht habe. Die damit ein­her­ge­hen­de Beein­träch­ti­gung sei unzu­mut­bar und habe bei ihnen zu gesund­heit­li­chen Schä­den geführt.

Kir­cheglo­cken machen kei­nen Lärm

Das Gericht folg­te die­ser Argu­men­ta­ti­on nicht. Es ver­wies auf die Rege­lun­gen der Tech­ni­schen Anlei­tung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm), die zur Beur­tei­lung der Zumut­bar­keit von Glo­cken­ge­läut grund­sätz­lich geeig­net sei. Die dar­in vor­ge­se­he­nen Spit­zen­pe­gel wür­den zwar teil­wei­se über­schrit­ten, wie Mes­sun­gen des Staat­li­chen Umwelt­am­tes im Bereich der vor dem Wohn­haus der Klä­ger gele­ge­nen Ter­ras­se, die ca. 30 m vom Glo­cken­turm ent­fernt ist, erge­ben hät­ten. Gleich­wohl sei das sakra­le Läu­ten den Klä­gern zuzu­mu­ten. Denn die TA Lärm las­se Abwei­chun­gen von den Grenz­wer­ten im Rah­men einer Son­der­fall­prü­fung zu. Eine sol­che Prü­fung sei hier gebo­ten, weil das sakra­le Glo­cken­läu­ten auf­grund des ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­ten Selbst­be­stim­mungs­rechts der Kir­chen und des Schut­zes frei­er Reli­gi­ons­aus­übung pri­vi­le­giert sei. In der Regel stel­le die­ses Läu­ten eine zumut­ba­re, sozi­al­ad­äqua­te und all­ge­mein akzep­tier­te Äuße­rung kirch­li­chen Lebens dar. Die Klä­ger sei­en nur gering­fü­gi­gen Über­schrei­tun­gen der Lärm­grenz­wer­te aus­ge­setzt, die sie hin­neh­men müss­ten. Nach den Ergeb­nis­sen der Mes­sun­gen wür­den die Spit­zen­pe­gel nach der TA Lärm nur beim Läu­ten der gro­ßen Glo­cke über­schrit­ten, die aber ledig­lich bei zwei Got­tes­diens­ten an den Wochen­en­den sowie bei kirch­lich bedeut­sa­men Ereig­nis­sen wie etwa Trau­er­fei­ern oder Hoch­zei­ten zum Ein­satz kom­me. Für das mehr­mals täg­lich statt­fin­den­de Gebets­läu­ten wer­de eine ande­re Glo­cke genutzt, deren Geräu­sche unter­halb der vor­ge­se­he­nen Spit­zen­pe­gel blie­ben. Soweit sich die Klä­ger auf gesund­heit­li­che Beschwer­den beru­fen hät­ten, sei ein ursäch­li­cher Zusam­men­hang mit dem sakra­len Läu­ten nicht hin­rei­chend belegt.

Das Urteil ist nicht rechts­kräf­tig. Über einen Antrag auf Zulas­sung der Beru­fung hät­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter zu ent­schei­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, Urteil vom 30. August 2007 – 7 K 2561/​06