Kli­ma­schutz im Bau­ge­setz­buch

Zum 30. Juli 2011 ist die Ände­rung des Bau­ge­setz­bu­ches durch das „Gesetz zur För­de­rung des Kli­ma­schut­zes bei der Ent­wick­lung in den Städ­ten und Gemein­den“ in Kraft getre­ten, mit dem zuguns­ten des Kli­ma­schut­zes neue Rege­lun­gen ein­ge­führt wer­den, durch die der Hand­lungs­spiel­raum der Gemein­den erwei­tert wer­den soll:

Kli­ma­schutz im Bau­ge­setz­buch

Durch die in § 1a Abs. 5 Bau­GB ein­ge­füg­te Kli­ma­schutz­klau­sel soll der Kli­ma­schutz bei der Auf­stel­lung von Bau­leit­plä­nen in der Abwä­gung ver­stärkt berück­sich­tigt wer­den.

Der neue § 5 Abs. 2 Nr. 2 Bau­GB bie­tet nun den Gemein­den die Mög­lich­keit, die Aus­stat­tung des Gemein­de­ge­biets mit Anla­gen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen dem Kli­ma­wan­del ent­ge­gen­wir­ken­den Maß­nah­men im Flä­chen­nut­zungs­plan dar­zu­stel­len. Dies betrifft ins­be­son­de­re Anla­gen und Ein­rich­tun­gen zur dezen­tra­len und zen­tra­len Erzeu­gung, Ver­tei­lung, Nut­zung oder Spei­che­rung von Strom, Wär­me oder Käl­te aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en oder Kraft-Wär­me-Kopp­lung. Dar­über hin­aus besteht die Mög­lich­keit, im Flä­chen­nut­zungs­plan die Aus­stat­tung des Gemein­de­ge­biets mit Anla­gen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Maß­nah­men dar­zu­stel­len, die der Anpas­sung an den Kli­ma­wan­del die­nen. Als eine sol­che Maß­nah­me kommt bei­spiels­wei­se ein Sys­tem von Kalt­luft­schnei­sen in Betracht.

In § 9 Abs. 1 Bau­GB wur­de der Fest­set­zungs­ka­ta­log für Bebau­ungs­plä­ne kon­kre­ti­siert. So kön­nen jetzt etwa Flä­chen für Anla­gen und Ein­rich­tun­gen zur dezen­tra­len und zen­tra­len Erzeu­gung, Ver­tei­lung, Nut­zung oder Spei­che­rung von Strom, Wär­me oder Käl­te aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en oder Kraft-Wär­me-Kop­pe­lung nach § 9 Abs. 1 Nr. 12 Bau­GB fest­ge­setzt wer­den. Nach der neu­en Rege­lung in § 9 Abs. 1 Nr. 23 Buchst. b Bau­GB kön­nen bei der Errich­tung von Gebäu­den oder bestimm­ten sons­ti­gen bau­li­chen Anla­gen jetzt auch tech­ni­sche Maß­nah­men für die Erzeu­gung, Nut­zung oder Spei­che­rung von Strom, Wär­me oder Käl­te aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en oder Kraft-Wär­me-Kop­pe­lungs­an­la­gen fest­ge­setzt wer­den.

Auch die Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten des städ­te­bau­li­chen Ver­tra­ges in § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 Bau­GB wur­den im Hin­blick auf die Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gi­en erwei­tert, nun­mehr kann auch die Errich­tung und Nut­zung von Anla­gen und Ein­rich­tun­gen zur dezen­tra­len und zen­tra­len Erzeu­gung, Ver­tei­lung, Nut­zung oder Spei­che­rung von Strom, Wär­me oder Käl­te aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en oder Kraft-Wär­me-Kop­pe­lung Gegen­stand eines städ­te­bau­li­chen Ver­tra­ges sein. In einer neu­en Num­mer 5 wer­den dar­über hin­aus die Anfor­de­run­gen an die ener­ge­ti­sche Qua­li­tät von Gebäu­den kon­kre­ti­siert.

Für Bio­mas­se­an­la­gen erhöht § 35 Abs. 1 Nr. 6 Bau­GB den bis­he­ri­gen Grenz­wert von 0,5 Mega­watt instal­lier­ter elek­tri­scher Leis­tung auf 2,0 Mega­watt Feue­rungs­wär­me­leis­tung und das Äqui­va­lent von 2,3 Mil­lio­nen Norm­ku­bik­me­ter Bio­gas pro Jahr.

Mit der neu­en Rege­lung des § 35 Abs. 1 Nr. 8 Bau­GB wird die Instal­la­ti­on von Solar­an­la­gen in, an oder auf zuläs­si­ger­wei­se genutz­ten Gebäu­den im Außen­be­reich erleich­tert. Ab sofort sind Anla­gen zur Nut­zung sola­rer Strah­lungs­en­er­gie (Solar­ther­mie­an­la­gen und Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen) im Außen­be­reich pri­vi­le­giert zuläs­sig, sofern die Anla­ge dem Gebäu­de bau­lich unter­ge­ord­net ist.

Im Rah­men des Beson­de­ren Städ­te­bau­rechts wird durch die Neu­re­ge­lung des § 148 Bau­GB die Maß­nah­men­grup­pe „Anla­gen zur Erzeu­gung, Ver­tei­lung, Nut­zung oder Spei­che­rung von Strom, Wär­me und Käl­te aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en oder Kraft-Wär­me-Kopp­lung“ in den Kata­log der für eine Gebiets­auf­wer­tung /​‑anpas­sung rele­van­ten Bau­maß­nah­men auf­ge­nom­men.

Auch das The­men­feld „Anfor­de­run­gen an den Kli­ma­schutz und die Kli­ma­an­pas­sung“ wird in § 171a Bau­GB neu in den Kata­log städ­te­bau­li­cher Funk­ti­ons­ver­lus­te auf­ge­nom­men, deren Vor­lie­gen Vor­aus­set­zung und deren Besei­ti­gung Ziel von Stadt­um­bau­maß­nah­men ist. D.h. quar­tiers­be­zo­ge­ne Maß­nah­men zuguns­ten des Kli­ma­schut­zes und der Kli­ma­an­pas­sung kön­nen Zie­le von Stadt­um­bau­ge­bie­ten sein.

Mit der neu­en Bestim­mung des § 248 Bau­GB soll in Fäl­len nach­träg­li­cher Wär­me­däm­mung die gering­fü­gi­ge Über­schrei­tung des Maßes der bau­li­chen Nut­zung, der Bau­wei­se und der über­bau­ba­ren Grund­stücks­flä­che ermög­licht wer­den, eben­so auch bei der Errich­tung von Solar­an­la­gen in, an und auf Dach­flä­chen und Außen­wand­flä­chen.

Und schließ­lich wer­den mit dem neu in der Bau­ge­setz­buch ein­ge­führ­ten § 249 Bau­GB Rege­lun­gen zur Absi­che­rung des Repowerings von Wind­kraft­an­la­gen getrof­fen. Mit die­sen Rege­lun­gen für den Fall der Erset­zung alter Anla­gen durch neue, in der Regel leis­tungs­fä­hi­ge­re Wind­ener­gie­an­la­gen sol­len Rechts­un­si­cher­hei­ten im Hin­blick auf die Neu­aus­wei­sung von Gebie­ten für das Repowering besei­tigt wer­den.