Kon­zern­be­triebs­rat im mehr­stu­fi­gen Kon­zern

Das Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz bestimmt nicht selbst, wann ein Kon­zern besteht und wel­che Unter­neh­men ihm ange­hö­ren. § 54 Abs. 1 BetrVG ver­weist viel­mehr auf § 18 Abs. 1 AktG. Maß­geb­lich für den betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Kon­zern­be­griff sind daher die Rege­lun­gen des Akti­en­ge­set­zes.

Kon­zern­be­triebs­rat im mehr­stu­fi­gen Kon­zern

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann in einem mehr­stu­fi­gen Kon­zern ein "Kon­zern im Kon­zern" bestehen, wenn das herr­schen­de Unter­neh­men ("Mut­ter") von sei­ner Lei­tungs­macht zwar in wesent­li­chem Umfang, aber doch nur teil­wei­se (etwa als Richt­li­ni­en­kom­pe­tenz) Gebrauch macht und einem abhän­gi­gen Unter­neh­men ("Toch­ter") noch wesent­li­che Lei­tungs­auf­ga­ben zur eigen­stän­di­gen Aus­übung gegen­über den die­sem nach­ge­ord­ne­ten Unter­neh­men ("Enkel") ver­blei­ben 1.

Ver­fügt die Toch­ter­ge­sell­schaft über einen wesent­li­chen Ent­schei­dungs­spiel­raum in mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen (per­so­nel­len, sozia­len und wirt­schaft­li­chen) Ange­le­gen­hei­ten in Bezug auf die ihr nach­ge­ord­ne­ten Unter­neh­men, ent­spricht die Bil­dung eines Kon­zern­be­triebs­rats dem Sinn und Zweck der §§ 54 ff. BetrVG, die die Betei­li­gung der Arbeit­neh­mer des Kon­zerns an den Ent­schei­dun­gen der Kon­zern­lei­tung sicher­stel­len wol­len. Mit­be­stim­mung soll dort wahr­ge­nom­men wer­den, wo unter­neh­me­ri­sche Lei­tungs­macht in per­so­nel­len, sozia­len und wirt­schaft­li­chen Ange­le­gen­hei­ten kon­kret ent­fal­tet und aus­ge­übt wird 2.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 23. Mai 2018 – 7 ABR 60/​16

  1. vgl. grund­le­gend BAG 16.05.2007 – 7 ABR 63/​06, Rn. 31; 14.02.2007 – 7 ABR 26/​06, Rn. 49, BAGE 121, 212[]
  2. BAG 27.10.2010 – 7 ABR 85/​09, Rn. 35, BAGE 136, 114; 14.02.2007 – 7 ABR 26/​06, Rn. 63, aaO[]