OLG-Prä­si­dent in Koblenz

Das Aus­wahl­ver­fah­ren für die Stel­le des Prä­si­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz muss wei­ter­ge­führt wer­den, auch wenn die Lan­des­po­li­tik beab­sich­tigt, das OLG in Koblenz abzu­schaf­fen.

OLG-Prä­si­dent in Koblenz

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz gegen das Land Rhein­land-Pfalz – Minis­te­ri­um der Jus­tiz und für Ver­brau­cher­schutz – ein Zwangs­geld in Höhe von 10.000,– € für den Fall ange­droht, dass es der ihm durch Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts auf­er­leg­ten Ver­pflich­tung, über die Beset­zung der Stel­le des Prä­si­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz neu zu ent­schei­den, nicht bin­nen eines Monats nach­kommt.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat­te auf Antrag eines unter­le­ge­nen Mit­be­wer­bers die Ernen­nung des aus­ge­wähl­ten Bewer­bers auf­ge­ho­ben und das Land zur erneu­ten Ent­schei­dung über die Beset­zung unter Beach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ver­pflich­tet. In der Fol­ge­zeit hob das Minis­te­ri­um der Jus­tiz die erneu­te Aus­schrei­bung der Prä­si­den­ten­stel­le auf. Dar­auf­hin teil­te das Minis­te­ri­um dem unter­le­ge­nen Bewer­ber mit, dass sei­ne Bewer­bung nach Rück­nah­me der Aus­schrei­bung ohne Sach­prü­fung unbe­rück­sich­tigt blei­ben müs­se.

Der unter­le­ge­ne Bewer­ber stell­te dar­auf­hin beim Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz einen Antrag auf Voll­stre­ckung der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts.

Der Antrag hat­te Erfolg: Die Ent­schei­dung, dass die Stel­le des OLG-Prä­si­den­ten über­haupt wie­der besetzt wer­den sol­le, sei, so das Ver­wal­tungs­ge­richt, bereits im Vor­feld der ers­ten Aus­wahl­ent­schei­dung getrof­fen wor­den und wer­de von der Rechts­kraft der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts erfasst. Von daher füh­re die Auf­he­bung der Aus­schrei­bung nicht dazu, dass die Ver­pflich­tung des Lan­des aus dem Urteil ent­fal­le. Viel­mehr könn­ten Ein­wen­dun­gen in Zusam­men­hang mit dem etwai­gen Weg­fall der Stel­le als sol­cher nur mit­tels einer Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge gel­tend gemacht wer­den, die das Land aber nicht erho­ben habe.

Zudem lie­ge in der bis­lang poli­tisch nur beab­sich­tig­ten Auf­lö­sung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz auch kein sach­li­cher Grund für die Auf­he­bung der Aus­schrei­bung. Vor dem Hin­ter­grund des ver­fas­sungs­recht­lich ver­brief­ten Anspruchs auf den gesetz­li­chen Rich­ter sei eine Gerichts­auf­lö­sung nur dann als ein sach­li­cher Grund für die Auf­he­bung der Aus­schrei­bung einer Prä­si­den­ten­stel­le anzu­er­ken­nen, wenn die­se Auf­lö­sung bereits in Geset­zes­form beschlos­sen wor­den sei.

Dies gel­te in beson­de­rem Maße für die Stel­le eines OLG-Prä­si­den­ten, der eine her­aus­ge­ho­be­ne Funk­ti­on inne­ha­be. Er übe nicht nur Recht­spre­chungs­tä­tig­keit aus, son­dern lei­te auch eine Behör­de und habe über­dies durch sei­ne Stel­lung als Vor­sit­zen­der des Prä­si­di­ums kraft Amtes bei der Bestim­mung des gesetz­li­chen Rich­ters mit­zu­wir­ken. Vakan­zen in die­sem Amt dürf­ten allen­falls für eine kur­ze Über­gangs­zeit hin­ge­nom­men wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Beschluss vom 26. Juli 2011 – 2 N 572/​11.KO