Optio­nen – Kom­bi­na­ti­ons­ge­schäf­te – Ter­min­ge­schäf­te

Eine Opti­ons­ein­räu­mung ist auch bei Abschluss eines sog. Kom­bi­na­ti­ons­ge­schäfts kein Ter­min­ge­schäft.

Optio­nen – Kom­bi­na­ti­ons­ge­schäf­te – Ter­min­ge­schäf­te

Pri­va­te Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­te (§ 22 Nr. 2 EStG) sind gemäß § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­te von Wirt­schafts­gü­tern, ins­be­son­de­re bei Wert­pa­pie­ren, bei denen der Zeit­raum zwi­schen Anschaf­fung und Ver­äu­ße­rung nicht mehr als ein Jahr beträgt.

Zu den Wirt­schafts­gü­tern, die Gegen­stand eines Spe­ku­la­ti­ons­ge­schäfts sein kön­nen, zäh­len auch an der EUREX gehan­del­te Optio­nen 1. Wer­den ‑wie im Streit­fall- die vom Steu­er­pflich­ti­gen erwor­be­nen Opti­ons­rech­te durch Gegen­ge­schäf­te inner­halb der Ver­äu­ße­rungs­frist glatt­ge­stellt, ver­wirk­licht er ‑wie der BFH bereits im Urteil in BFHE 202, 351, BSt­Bl II 2003, 752, m.w.N. ent­schie­den hat- in Höhe der Dif­fe­renz zwi­schen der bei Abschluss des Eröff­nungs­ge­schäfts gezahl­ten und der bei Abschluss des Gegen­ge­schäfts ver­ein­nahm­ten Opti­ons­prä­mi­en den Steu­er­tat­be­stand des § 22 Nr. 2 i.V.m. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG. Denn das Gegen­ge­schäft, mit dem der Opti­ons­be­rech­tig­te sei­ne Posi­ti­on glatt­stellt, führt zu einer Ver­äu­ße­rung der Opti­on.

Die Ein­künf­te aus der Glatt­stel­lung der erwor­be­nen Opti­ons­rech­te kön­nen nicht dem Tat­be­stand des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG zuge­ord­net wer­den. Denn § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG ver­drängt als spe­zi­el­le­re Norm die Vor­schrift des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG über Ter­min­ge­schäf­te 2; Car­lé in Korn, § 23 EStG Rz 54.1; Werns­mann, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 23 Rz B 170 f.; a.A. Glenk in Blü­mich, § 23 EStG Rz 71 f.)).

Ter­min­ge­schäf­te sind pri­va­te Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­te (§ 22 Nr. 2 i.V.m. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG), "durch die der Steu­er­pflich­ti­ge einen Dif­fe­renz­aus­gleich oder einen durch den Wert einer ver­än­der­li­chen Bezugs­grö­ße bestimm­ten Geld­be­trag oder Vor­teil erlangt, sofern der Zeit­raum zwi­schen Erwerb und Been­di­gung des Rechts auf einen Dif­fe­renz­aus­gleich, Geld­be­trag oder Vor­teil nicht mehr als ein Jahr beträgt". Abwei­chend von § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG ver­zich­tet § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG auf die Tat­be­stands­merk­ma­le "Wirt­schafts­gut" und "Ver­äu­ße­rung" 3. Wenn ‑wie im Streit­fall- die erwor­be­nen Optio­nen durch Gegen­ge­schäf­te ver­äu­ßert wer­den, ist § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG vor­ran­gig anwend­bar, da die "Ver­äu­ße­rung" eine beson­de­re Been­di­gungs­form ist 4.

Ein­künf­te aus Leis­tun­gen sind nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BFH Ent­gel­te, die der Still­hal­ter als Ent­schä­di­gung für die Bin­dung und die Risi­ken, die er durch das Bege­ben des Opti­ons­rechts ein­geht, unab­hän­gig vom Zustan­de­kom­men des Basis­ge­schäfts allein für das Still­hal­ten erhält 5.

Der BFH trennt zwi­schen Eröff­nungs, Basis- und Gegen­ge­schäft 6. Des­halb bil­den das die Prä­mie aus­lö­sen­de Bege­ben einer Opti­on und das nach­fol­gen­de Geschäft (z.B. Glatt­stel­lung oder Basis­ge­schäft) kein ein­heit­li­ches Ter­min­ge­schäft. Der Opti­ons­ge­ber erhält die Prä­mie als Gegen­leis­tung für eine wirt­schaft­lich und recht­lich selb­stän­di­ge Leis­tung, näm­lich für sei­ne ver­trag­lich ein­ge­gan­ge­ne Bin­dung und das damit ver­bun­de­ne Risi­ko, in Anspruch genom­men zu wer­den. Er behält sie auch dann, wenn er aus der Opti­on nicht in Anspruch genom­men wird und ein Basis­ge­schäft nicht durch­füh­ren muss 7.

An die­ser Auf­fas­sung hält der BFH ‑wie er bereits im Urteil in BFHE 217, 566, BSt­Bl II 2007, 608, m.w.N. ent­schie­den hat- auch für die Rechts­la­ge nach Ein­füh­rung des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG fest 8: Die Still­hal­ter­prä­mie ist nicht zusam­men mit den ande­ren Opti­ons­ge­schäf­ten ein­heit­lich § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG zuzu­ord­nen, da die Tat­be­stands­merk­ma­le die­ser Vor­schrift nicht erfüllt sind. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG betrifft ledig­lich Optio­nen, die der Berech­tig­te erwirbt, nicht aber sol­che, die er ein­räumt 9.

Dies folgt bereits aus dem Wort­laut der Rege­lung. Denn der Zeit­raum "zwi­schen Erwerb und Been­di­gung des Rechts auf einen Dif­fe­renz­aus­gleich, Geld­be­trag oder Vor­teil" darf nicht mehr als ein Jahr betra­gen. Das Gesetz setzt damit den Erwerb (die Anschaf­fung) des dort umschrie­be­nen Rechts vor­aus.

Dem ent­spricht auch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Norm. Der Gesetz­ge­ber ori­en­tiert sich, indem er den Begriff des Dif­fe­renz­ge­schäfts durch den Begriff des Ter­min­ge­schäfts ersetzt 10, an den Rege­lun­gen in § 2 des Wert­pa­pier­han­dels­ge­set­zes (WpHG) i.d.F. der Bekannt­ma­chung vom 09.09.1998 11 und an § 1 des Kre­dit­we­sen­ge­set­zes i.d.F. der Bekannt­ma­chung von 9.09.1998 -BGBl I 1998, 2776- 12.

Ter­min­ge­schäf­te sind nach § 2 Abs. 2 Nr. 1 WpHG Fest­ge­schäf­te oder Opti­ons­ge­schäf­te, die zeit­lich ver­zö­gert zu erfül­len sind und deren Wert sich unmit­tel­bar oder mit­tel­bar vom Preis oder Maß eines bestimm­ten Basis­wer­tes ablei­tet. Zu den Ter­min­ge­schäf­ten in die­sem Sin­ne zählt mit­hin auch das Opti­ons­ge­schäft. Nach wie vor erfor­der­lich ist jedoch der Erwerb des Rechts.

Wer einem Ande­ren eine Opti­on ein­räumt, erwirbt kein Recht auf einen Dif­fe­renz­aus­gleich, Geld­be­trag oder Vor­teil i.S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG. Zwar erhält er eine Opti­ons­prä­mie. Die­ses Ent­gelt ist aber kein "Geld­be­trag" im Sin­ne der Vor­schrift, weil es sich nicht durch den Wert einer ver­än­der­li­chen Bezugs­grö­ße bestimmt 13.

Dass der Steu­er­pflich­ti­ge im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall im Rah­men von Kom­bi­na­ti­ons­ge­schäf­ten zeit­gleich mit dem Ver­kauf auf einen bestimm­ten Basis­preis lau­ten­der Put-Optio­nen auf den DAX eine iden­ti­sche Anzahl von Put-Optio­nen auf den DAX mit einem um 500 Punk­te nied­ri­ge­ren Basis­preis erwor­ben hat, recht­fer­tigt kei­ne abwei­chen­de ein­kom­men­steu­er­recht­li­che Beur­tei­lung der Ein­künf­te aus Still­hal­ter­ge­schäf­ten. Da ein Kom­bi­na­ti­ons­ge­schäft aus recht­lich selb­stän­di­gen Grund­ge­schäf­ten besteht, die ‑wie oben dar­ge­legt- unter­schied­li­che Besteue­rungs­tat­be­stän­de erfül­len, ist es ent­spre­chend den für die dar­in ent­hal­te­nen Grund­ge­schäf­te gel­ten­den steu­er­li­chen Rege­lun­gen in Ein­künf­te aus Leis­tun­gen und Ein­künf­te aus pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­ten auf­zu­tei­len 14. Steu­er­recht­lich besteht daher ‑ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Steu­er­pflich­ti­gens- kei­ne gesetz­li­che Grund­la­ge, Kom­bi­na­ti­ons­ge­schäf­te als "ein­heit­li­che Erwerbs­grund­la­ge" oder "ein­heit­li­che Opti­ons­ge­schäf­te" ein­zu­ord­nen. Die ein­heit­li­che wirt­schaft­li­che Ziel­set­zung ein­schließ­lich der Sal­die­rung der inso­weit erziel­ten Erlö­se bewirkt zwar eine Begren­zung des Ver­lust­ri­si­kos; eine steu­er­recht­li­che "Sal­die­rung" fin­det indes­sen nicht statt.

Soweit die Steu­er­pflich­ti­gen vor­tra­gen, die zwi­schen dem Steu­er­pflich­ti­gen und der E bestehen­de Ver­rech­nungs­ab­re­de über­la­ge­re die recht­li­che Selb­stän­dig­keit ver­kauf­ter und gekauf­ter Optio­nen, ist die­ser Auf­fas­sung nicht zu fol­gen. Der Grund­satz der Tat­be­stands­mä­ßig­keit der Besteue­rung 15 ver­langt für die Anwen­dung des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG Ter­min­ge­schäf­te, durch die der Steu­er­pflich­ti­ge "einen Dif­fe­renz­aus­gleich oder einen durch den Wert einer ver­än­der­li­chen Bezugs­grö­ße bestimm­ten Geld­be­trag oder Vor­teil erlangt, sofern der Zeit­raum zwi­schen Erwerb und Been­di­gung des Rechts auf einen Dif­fe­renz­aus­gleich, Geld­be­trag oder Vor­teil nicht mehr als ein Jahr beträgt". Nach den bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt wickel­te E ledig­lich als Ver­mö­gens­ver­wal­te­rin für den Steu­er­pflich­ti­gen Opti­ons­ge­schäf­te an der Ter­min­bör­se EUREX ab; sie trat mit­hin als Ver­mitt­ler, nicht aber als Ver­trags­part­ner des Steu­er­pflich­ti­gens im Hin­blick auf die Opti­ons­ge­schäf­te auf. Die unter­schied­li­chen Ver­trags­part­ner für die Still­hal­ter­ge­schäf­te und für die Ver­äu­ße­rung der zur Risi­ko­be­gren­zung erwor­be­nen Optio­nen konn­ten dem Steu­er­pflich­ti­gen bereits auf­grund ihrer Per­so­nen­ver­schie­den­heit kein "ein­heit­li­ches" Ter­min­ge­schäft anbie­ten, durch das er einen Dif­fe­renz­aus­gleich i.S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG hät­te erlan­gen kön­nen. Eben­so wenig stellt eine rein im Innen­ver­hält­nis ‑zwi­schen dem Steu­er­pflich­ti­gen und der Bank- getrof­fe­ne Abre­de über die Ver­rech­nung der Ergeb­nis­se aus gekauf­ten und ver­kauf­ten Optio­nen ein Ter­min­ge­schäft i.S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG dar. Der Steu­er­pflich­ti­gen hat mit der E kei­ne Fest- oder Opti­ons­ge­schäf­te abge­schlos­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. Febru­ar 2014 – IX R 46/​12

  1. BFH, Urtei­le vom 24.07.1996 – X R 139/​93, BFH/​NV 1997, 105; und vom 24.06.2003 – IX R 2/​02, BFHE 202, 351, BSt­Bl II 2003, 752[]
  2. gl. A. Heu­er­mann, Der Betrieb ‑DB- 2003, 1919, 1922; Heu­er­mann, DB 2004, 1848, 1852; Musil in Herrmann/​Heuer/​Raupach ‑HHR‑, § 23 EStG Rz 187 ((Lfg. 228 August 2007[]
  3. BFH, Urteil vom 17.04.2007 – IX R 40/​06, BFHE 217, 566, BSt­Bl II 2007, 608[]
  4. vgl. Heu­er­mann, DB 2004, 1848, 1852[]
  5. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 29.06.2004 – IX R 26/​03, BFHE 206, 418, BSt­Bl II 2004, 995, m.w.N.[]
  6. so BFH, Urtei­le in BFHE 202, 351, BSt­Bl II 2003, 752; vom 18.12 2002 – I R 17/​02, BFHE 201, 234, BSt­Bl II 2004, 126, und in BFHE 217, 566, BSt­Bl II 2007, 608[]
  7. sie­he auch BFH, Urteil vom 28.11.1990 – X R 197/​87, BFHE 163, 175, BSt­Bl II 1991, 300; zur Abgren­zung der im Still­hal­ten lie­gen­den steu­er­ba­ren Leis­tung von Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen sowie von Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb vgl. ins­be­son­de­re BFH, Urteil vom 07.09.2004 – IX R 73/​00, BFH/​NV 2005, 51[]
  8. so auch BMF, Schrei­ben vom 27.11.2001, BSt­Bl I 2001, 986 ff., Rz 24 und 27[]
  9. vgl. BFH, Urteil in BFHE 217, 566, BSt­Bl II 2007, 608; Heu­er­mann, DB 2004, 1848, 1852[]
  10. vgl. BT-Drs. 14/​443, S. 28 bis 29, begin­nend ‑zu Num­mer 31-[]
  11. BGBl I 1998, 2708; zuletzt geän­dert durch Art. 8 Nr. 1 Buchst. a des Geset­zes zur Umset­zung der Richt­li­nie 2011/​61/​EU über die Ver­wal­ter alter­na­ti­ver Invest­ment­fonds ‑AIFM-Umset­zungs­ge­setz- vom 04.07.2013, BGBl I 2013, 1981[]
  12. grund­le­gend BFH, Urteil in BFHE 217, 566, BSt­Bl II 2007, 608[]
  13. sie­he dazu auch die Geset­zes­be­grün­dung in BT-Drs. 14/​443, S. 29[]
  14. vgl. BFH, Urteil in BFHE 163, 175, BSt­Bl II 1991, 300; BMF, Schrei­ben in BSt­Bl I 2001, 986 ff., Rz 28; Werns­mann, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, a.a.O., § 23 Rz B 181[]
  15. Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 3 AO Rz 33 ff., m.w.N.[]