Pflicht­teils­er­gän­zungs­an­sprü­che – und die Unent­gelt­lich­keit der Zuwen­dung

Pflicht­teils­er­gän­zungs­an­sprü­che gemäß § 2325 BGB set­zen vor­aus, dass der Erb­las­ser eine Schen­kung im Sin­ne von § 516 BGB gemacht hat, d.h. eine Zuwen­dung, die den Emp­fän­ger aus dem Ver­mö­gen des Gebers berei­chert und bei der bei­de Tei­le dar­über einig sind, dass sie unent­gelt­lich erfolgt [1].

Pflicht­teils­er­gän­zungs­an­sprü­che – und die Unent­gelt­lich­keit der Zuwen­dung

Der Erwerb eines zuge­wen­de­ten Gegen­stan­des (auf den kein Rechts­an­spruch besteht) ist unent­gelt­lich, wenn er nicht recht­lich abhän­gig ist von einer den Erwerb aus­glei­chen­den Gegen­leis­tung des Erwer­bers. Dabei kom­men als recht­li­che Abhän­gig­keit, wel­che die Unent­gelt­lich­keit aus­schließt und En tgelt­lich­keit begrün­det, Ver­knüp­fun­gen sowohl nach Art eines gegen­sei­ti­gen Ver­tra­ges als auch durch Set­zung einer Bedin­gung oder eines ent­spre­chen­den Rechts­zwecks in Betracht [2].

Als Mit­tel der gewill­kür­ten Wei­ter­ga­be von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den im Todes­fall ste­hen dem Erb­las­ser im deut­schen Recht neben den Ver­fü­gun­gen von Todes wegen auch recht­li­che Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten außer­halb des Erb­rechts offen. Ins­be­son­de­re im Recht der Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten besteht die Mög­lich­keit der Zuwen­dung von Rechts­po­si­tio­nen auf den Todes­fall kraft gesell­schafts­ver­trag­li­cher Rege­lun­gen [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Juni 2020 – IV ZR 16/​19

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 14.03.2018 – IV ZR 170/​16, NJW 2018, 1475 Rn. 14; vom 10.12.2003 – IV ZR 249/​02, BGHZ 157, 178 unter – II 1 13][]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 14.03.2018 aaO Rn. 22; vom 27.11.1991 – IV ZR 164/​90, BGHZ 116, 167 unter – II 2 a 15][]
  3. BGH, Beschluss vom 03.12.2014 – IV ZB 9/​14, NJW 2015, 623 Rn. 37 m.w.N.[]