Pro­spekt­haf­tung auf­grund der Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se

Aus Pro­spekt­haf­tung im wei­te­ren Sin­ne haf­tet nur der­je­ni­ge, der Ver­trags­part­ner des Anle­gers gewor­den ist oder hät­te wer­den sol­len. Aus­nahms­wei­se kann dane­ben der für den Ver­trags­part­ner auf­tre­ten­de Ver­tre­ter, Ver­mitt­ler oder Sach­wal­ter haf­ten, wenn er in beson­de­rem Maße Ver­trau­en für sich in Anspruch genom­men hat oder wenn er ein eige­nes wirt­schaft­li­ches Inter­es­se am Abschluss des Geschäfts hat.

Pro­spekt­haf­tung auf­grund der Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se

Für die Annah­me eines beson­de­ren per­sön­li­chen Ver­trau­ens ist dabei erfor­der­lich, dass der Anspruchs­geg­ner eine über das nor­ma­le Ver­hand­lungs­ver­trau­en hin­aus­ge­hen­de per­sön­li­che Gewähr für die Serio­si­tät und ord­nungs­ge­mä­ße Erfül­lung des Ver­trags über­nom­men hat. Anknüp­fungs­punkt der Pro­spekt­haf­tung im wei­te­ren Sin­ne ist dem­entspre­chend nicht die Ver­ant­wort­lich­keit für einen feh­ler­haf­ten Pro­spekt, son­dern eine selb­stän­di­ge Auf­klä­rungs­pflicht als Ver­trags­part­ner oder Sach­wal­ter auf­grund per­sön­lich in Anspruch genom­me­nen – nicht nur typi­sier­ten – beson­de­ren Ver­trau­ens, zu deren Erfül­lung die­se sich des Pro­spekts bedie­nen1.

Allein der Umstand einer (mit­tel­ba­ren) allei­ni­gen bzw. mehr­heit­li­chen Betei­li­gung an der Fond­s­in­itia­to­rin sowie an der an der Treu­hand­kom­man­di­tis­tin und der Kom­ple­men­tä­rin der Fonds­ge­sell­schaft begrün­det noch kei­ne Pro­spekt­haf­tung im wei­te­ren Sin­ne. Gesell­schafts­recht­li­che Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se und hier­durch begrün­de­te "Schlüs­sel­stel­lun­gen" kön­nen Umstän­de sein, die im Rah­men der Pro­spekt­haf­tung im enge­ren Sin­ne zu berück­sich­ti­gen sind2. Eine Pro­spekt­haf­tung im wei­te­ren Sin­ne ver­mö­gen sie nicht zu begrün­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Okto­ber 2015 – III ZR 264/​14

  1. z.B. BGH, Urteil vom 23.04.2012 – II ZR 211/​09, WM 2012, 1184 Rn. 23 mwN; sie­he auch z.B. BGH, Beschluss vom 19.09.2013 – III ZR 46/​13 18 und Urteil vom 11.04.2013 – III ZR 79/​12, WM 2013, 1016 Rn. 34 []
  2. vgl. BGH, Urteil vom 07.12 2009 – II ZR 15/​08, NJW 2010, 1077 Rn. 17 []