Re­gel­be­ur­tei­lung und Beur­tei­lungs­zeit­raum

Die Re­gel­be­ur­tei­lung hat die Leis­tung des Be­ur­teil­ten wäh­rend des ge­sam­ten Be­ur­tei­lungs­zeit­raums zu be­wer­ten und darf hier­von er­fass­te Zeit­räu­me nicht aus­blen­den. Be­ur­tei­lungs­bei­trä­ge muss der Zweit­be­ur­tei­ler in sei­ne Über­le­gun­gen ein­be­zie­hen und Ab­wei­chun­gen hier­von nach­voll­zieh­bar be­grün­den.

Re­gel­be­ur­tei­lung und Beur­tei­lungs­zeit­raum

Die dienst­li­che Beur­tei­lung dient der Ver­wirk­li­chung des mit Ver­fas­sungs­rang aus­ge­stat­te­ten Grund­sat­zes, Beam­te nach Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­cher Leis­tung ein­zu­stel­len und zu beför­dern (Art. 33 Abs. 2 GG). Ihr Ziel ist es, die den Umstän­den nach opti­ma­le Ver­wen­dung des Beam­ten zu gewähr­leis­ten und so die im öffent­li­chen Inter­es­se lie­gen­de Erfül­lung hoheit­li­cher Auf­ga­ben durch Beam­te (Art. 33 Abs. 4 GG) best­mög­lich zu sichern. Zugleich dient die dienst­li­che Beur­tei­lung dem berech­tig­ten Anlie­gen des Beam­ten, in sei­ner Lauf­bahn ent­spre­chend sei­ner Eig­nung, Befä­hi­gung und Leis­tung vor­an­zu­kom­men. Die dienst­li­che Beur­tei­lung soll den Ver­gleich meh­re­rer Beam­ter mit­ein­an­der ermög­li­chen. Ihre wesent­li­che Aus­sa­ge­kraft erhält eine dienst­li­che Beur­tei­lung erst auf­grund ihrer Rela­ti­on zu den Bewer­tun­gen in den dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen ande­rer Beam­ter. Dar­aus folgt, dass die Beur­tei­lungs­maß­stä­be gleich sein und gleich ange­wen­det wer­den müs­sen.

Höchst­mög­li­che Ver­gleich­bar­keit von Regel­be­ur­tei­lun­gen wird grund­sätz­lich durch den gemein­sa­men Stich­tag und den glei­chen Beur­tei­lungs­zeit­raum erreicht [1]. Die Ein­heit­lich­keit des Beur­tei­lungs­zeit­raums soll gewähr­leis­ten, dass die Beur­tei­lung für alle Beam­ten gleich­mä­ßig die zu beur­tei­len­den Merk­ma­le nicht nur punk­tu­ell, son­dern in ihrer zeit­li­chen Ent­wick­lung unab­hän­gig von einer kon­kre­ten Ver­wen­dungs­ent­schei­dung erfasst [2]. Eine Regel­be­ur­tei­lung hat des­halb die Leis­tung des Beur­teil­ten wäh­rend des gesam­ten Beur­tei­lungs­zeit­raums zu umfas­sen [3].

Ein­schrän­kun­gen die­ses Grund­sat­zes sind nur hin­zu­neh­men, soweit sie auf zwin­gen­den Grün­den beru­hen. Einen sol­chen zwin­gen­den Grund stellt es nicht dar, wenn der Beur­tei­ler die Tätig­keit des Beam­ten nur für einen Teil des Beur­tei­lungs­zeit­raums aus eige­ner Anschau­ung kennt. Kann der Beur­tei­ler die Leis­tungs­be­wer­tung nicht für den voll­stän­di­gen Beur­tei­lungs­zeit­raum auf sei­ne eige­ne Anschau­ung stüt­zen, so hat er, um eine aus­sa­ge­kräf­ti­ge Tat­sa­chen­grund­la­ge für sei­ne Bewer­tung zu erhal­ten, Beur­tei­lungs­bei­trä­ge sach­kun­di­ger Per­so­nen ein­zu­ho­len. Der Beur­tei­ler darf von der Her­an­zie­hung die­ser Erkennt­nis­quel­len nicht des­halb abse­hen, weil er sich trotz feh­len­der eige­ner Anschau­ung zutraut, den Beam­ten zutref­fend ein­zu­schät­zen [4].

Zwar ist der Beur­tei­ler an die Fest­stel­lun­gen und Bewer­tun­gen Drit­ter nicht gebun­den, son­dern kann zu abwei­chen­den Erkennt­nis­sen gelan­gen. Er übt sei­nen Beur­tei­lungs­spiel­raum jedoch nur dann recht­mä­ßig aus, wenn er die Beur­tei­lungs­bei­trä­ge in sei­ne Über­le­gun­gen ein­be­zieht. Abwei­chun­gen müs­sen nach­voll­zieh­bar begrün­det wer­den [5]. Auch Wert­ur­tei­le müs­sen auf nach­voll­zieh­ba­ren Fest­stel­lun­gen gegrün­det sein, die rele­van­te Sach­ver­halts­kom­ple­xe oder Zeit­räu­me nicht ein­fach aus­blen­den dür­fen [6].

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2012 – 2 A 2.10

  1. BVerwG, Urteil vom 18.07.2001 – 2 C 41.00, Buch­holz 232.1 § 40 BLV Nr. 22; vgl. hier­zu auch Urteil vom 26.08.1993 – 2 C 37.91, Buch­holz 232.1 § 40 BLV Nr. 15, S. 12, 14 f.; stRspr[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 07.06.1984 – 2 C 54.82, Buch­holz 238.5 § 26 DRiG Nr. 2, S. 9, 13[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 18.07.2001 a.a.O. Rn. 15[]
  4. BVerwG, Urteil vom 04.11.2010 – 2 C 16.09, BVerw­GE 138, 102 = Buch­holz 11 Art. 33 Abs. 2 GG Nr. 47, jeweils Rn. 47[]
  5. BVerwG, Urtei­le vom 05.11.1998 – 2 A 3.97, BVerw­GE 107, 360, 361 f. = Buch­holz 236.11 § 1a SLV Nr. 5 S. 12; vom 21.03.2007 – 2 C 2.06, Buch­holz 232.1 § 40 BLV Nr. 27 Rn. 10 und vom 16.10.2008 – 2 A 9.07, Buch­holz 11 Art. 87a GG Nr. 6 Rn. 35 []
  6. Beschluss vom 26.02.2004 – 2 B 41.03, Buch­holz 232.1 § 40 BLV Nr. 24, Rn. 3[]