Regie­ren­de Fürs­ten und ihre Enkel

Wie­der ein­mal hat die mone­gas­si­sche Fürs­ten­fa­mi­lie einen Bei­trag zur deut­schen Per­sön­lich­keits­rechts­ge­schich­te geleis­tet. Dies­mal wehr­te sich ein Enkel des ver­stor­be­nen Fürs­ten Rai­nier von Mona­co gegen einen Bericht, in dem zwei Tage nach der Beer­di­gung des Fürs­ten durch­weg posi­tiv über ihn berich­tet wur­de. Die BEr­li­ner Instanz­ge­richt hat­te ihm noch Recht gege­ben und im Unter­las­sungs­an­sprü­che zuge­bil­ligt. Der Bun­des­ge­richts­hof dage­gen wies jetzt die Kla­ge des Fürs­te­nen­kels gegen den RTL-Fern­seh­bei­trag ab.

Regie­ren­de Fürs­ten und ihre Enkel

Der Klä­ger ist ein Enkel des ver­stor­be­nen Fürs­ten Rai­nier von Mona­co. Er nahm die Beklag­te, die den Fern­seh­sen­der RTL betreibt, auf Unter­las­sung der erneu­ten Ver­öf­fent­li­chung diver­ser Pas­sa­gen aus einem am 17. April 2005, zwei Tage nach der Bei­set­zung des Groß­va­ters des Klä­gers, bun­des­weit aus­ge­strahl­ten Fern­seh­bei­trag in Anspruch. Die­ser Bei­trag beschäf­tig­te sich u. a. mit der Per­son des Klä­gers und ent­hielt Sze­nen aus des­sen pri­va­tem All­tag. Der Klä­ger begehr­te das Ver­bot erneu­ter Ver­öf­fent­li­chung eini­ger ihn u. a. in Frei­zeit­klei­dung zei­gen­der Fotos und Film­aus­schnit­te sowie meh­re­rer Text­pas­sa­gen. Die­se stel­len ihn u. a. als umschwärm­ten Star dar, bewer­ten – durch­weg posi­tiv – sein Aus­se­hen und spe­ku­lie­ren dar­über, ob er in Zukunft eine grö­ße­re Rol­le im Fürs­ten­tum spie­len wer­de als bis­her.

Die Kla­ge hat­te in den Vor­in­stan­zen ganz über­wie­gend Erfolg. Der u. a. für das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht und das Recht am eige­nen Bild zustän­di­ge VI. Zivil­se­nat hat auf die Revi­si­on der Beklag­ten die Kla­ge in vol­lem Umfang abge­wie­sen.

Anlass für den bean­stan­de­ten Fern­seh­bei­trag war der Tod des Fürs­ten Rai­nier von Mona­co und des­sen Bei­set­zung zwei Tage vor der Aus­strah­lung. Damit knüpf­te der Bei­trag an ein zeit­ge­schicht­li­ches Ereig­nis an, über das der beklag­te Sen­der grund­sätz­lich berich­ten durf­te. Der Bei­trag zeich­ne­te im Anschluss an die­ses Ereig­nis ein Por­trät der Per­son des Klä­gers. Er behan­del­te die Fra­ge, wel­che Rol­le der Klä­ger im Fürs­ten­tum zukünf­tig spie­len wer­de. In die­sem Kon­text waren die Text- und Bild­bei­trä­ge zu wür­di­gen, wobei auch den Beson­der­hei­ten einer Fern­seh­be­richt­erstat­tung Rech­nung zu tra­gen war.

Auch war den ver­brei­te­ten Auf­nah­men des Klä­gers kein eigen­stän­di­ger Ver­let­zungs­ef­fekt zu ent­neh­men. Sie zeig­ten den Klä­ger viel­mehr durch­gän­gig in All­tags­si­tua­tio­nen. Unter Berück­sich­ti­gung die­ses Umstan­des waren kei­ne über­wie­gen­den berech­tig­ten Inter­es­sen des Klä­gers (§ 23 Abs. 2 KUG) erkenn­bar, die bei der gebo­te­nen Wür­di­gung der Bericht­erstat­tung in ihrer Gesamt­heit der Ver­brei­tung der ihn zei­gen­den Fotos und Film­aus­schnit­te ent­ge­gen­stan­den 1.

Bei der beglei­ten­den Wort­be­richt­erstat­tung han­del­te es sich durch­weg um den Klä­ger posi­tiv beschrei­ben­de Wert­ur­tei­le sowie um unstrei­tig zutref­fen­de Tat­sa­chen, die ent­we­der belang­los waren oder sich allen­falls ober­fläch­lich mit der Per­son des Klä­gers beschäf­tig­ten, ohne einen wei­ter gehen­den Ein­blick in sei­ne per­sön­li­chen Lebens­um­stän­de zu ver­mit­teln. Da mit­hin auch inso­weit das Per­sön­lich­keits­recht des Klä­gers nur gering­fü­gig betrof­fen war, hat­te die Pres­se­frei­heit der Beklag­ten im Rah­men der gebo­te­nen Gesamt­ab­wä­gung Vor­rang.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. März 2009 – VI ZR 261/​07

  1. vgl. BGH, Urteil vom 6. März 2007 – VI ZR 13/​06VersR 2007, 697[]