Regis­ter­voll­macht – und ihr Nachweis

Beim Nach­weis der Ertei­lung einer Regis­ter­voll­macht mit­tels beglau­big­ter Abschrift der öffent­lich beglau­big­ten Voll­machts­er­klä­rung kann das Regis­ter­ge­richt die Vor­la­ge einer aktu­el­len Beglau­bi­gung ver­lan­gen, wenn seit dem Zeit­punkt der Beglau­bi­gung der Abschrift eine erheb­li­che Zwi­schen­zeit ver­gan­gen ist.

Regis­ter­voll­macht – und ihr Nachweis

Die Anmel­dung zum Han­dels­re­gis­ter ist grund­sätz­lich auch durch einen Bevoll­mäch­ti­gen mög­lich [1], wobei vor­lie­gend dahin­ste­hen kann, wel­che Ein­schrän­kun­gen der Ver­tre­tung bei höchst­per­sön­li­chen Erklä­run­gen bestehen [2]. Nach § 12 Abs. 1 Satz 2 HGB ist bei Anmel­dun­gen zur Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter für eine Voll­macht zur Anmel­dung die glei­che Form wie in § 12 Abs. 1 Satz 1 HGB vor­ge­se­hen, also die öffent­li­che Beglau­bi­gung. Anzu­wen­den ist des­halb § 129 BGB i.V.m. §§ 39, 40 BeurkG [3]. Maß­geb­li­cher Zeit­punkt für das Bestehen der Ver­tre­tungs­macht ist gemäß all­ge­mei­nen bür­ger­lich-recht­li­chen Regeln der­je­ni­ge der Abga­be der Regis­ter­an­mel­dung [4]. Dabei zer­fällt der Nach­weis des Bestehens einer Voll­macht zu einem bestimm­ten Zeit­punkt in den Nach­weis der Ertei­lung der Voll­macht und in den Nach­weis, dass die Voll­macht bis zu dem ent­schei­den­den Zeit­punkt nicht erlo­schen ist [5].

Für den Nach­weis der Ertei­lung der Voll­macht ist aner­kannt, dass der durch § 12 Abs. 1 HGB vor­ge­schrie­be­nen Form durch eine beglau­big­te Abschrift der öffent­lich beglau­big­ten Voll­machts­er­klä­rung genügt wird [6].

Bei der Fra­ge, ob die vor­ge­leg­te Voll­macht zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt der Regis­ter­an­mel­dung noch nicht erlo­schen ist, gilt der Grund­satz der Amts­er­mitt­lung [7]. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Ver­wen­dung beglau­big­ter Abschrif­ten den Voll­macht­ge­ber nicht dar­an hin­dert, die Voll­macht zu wider­ru­fen und die Urschrift her­aus zu ver­lan­gen und auf die­se Wei­se den Rechts­schein des § 172 Abs. 2 BGB zu zer­stö­ren [8]. Bei Anwen­dung des Amts­er­mitt­lungs­grund­sat­zes gilt, dass die nur gedach­te Mög­lich­keit des Erlö­schens der Voll­macht für wei­te­re Nach­for­schun­gen nicht aus­reicht und nähe­re Nach­for­schun­gen zum Fort­be­stehen der Ver­tre­tungs­macht nur dann anzu­stel­len sind, wenn begrün­de­ter Anlass zu Zwei­feln gege­ben ist [9]. Ist seit der Ertei­lung der Voll­macht kein zu lan­ger Zeit­raum ver­stri­chen, besteht für begrün­de­te Zwei­fel kein Anlass und das Gericht kann sich mit dem blo­ßen Nach­weis der Ertei­lung begnü­gen [10]. Dage­gen stellt der Ablauf einer erheb­li­chen Zwi­schen­zeit einen Anlass für wei­te­re Nach­for­schun­gen dar [11]. Letz­te­res ist vor­lie­gend der Fall, da die Voll­mach­ten aus­weis­lich der unter I. ersicht­li­chen Ertei­lungs­da­ten zwi­schen 40 und acht Jah­re alt sind und die Erstel­lung beglau­big­ter Abschrif­ten im Zuge der Voll­machts­er­tei­lung erfolg­te, die­se also gleich alt sind. Eine der­ar­ti­ge Zeit­span­ne lässt eine Qua­li­fi­ka­ti­on als nicht all­zu lan­ger Zeit­raum nicht mehr zu. Bei den hier ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Voll­mach­ten han­delt es sich – wovon sich das Ober­lan­des­ge­richt selbst über­zeugt hat – auch nicht um unwi­der­ruf­li­che Voll­mach­ten, so dass die der Ent­schei­dung Bay­O­bLGZ 1975, 137, 142 ff. zu Grun­de lie­gen­de beson­de­re Sach­ver­halts­kon­stel­la­ti­on hier nicht vorliegt.

Zur vor­lie­gen­den Pro­ble­ma­tik der regis­ter­recht­li­chen Behand­lung von Dau­er­voll­mach­ten sind in der Lite­ra­tur bereits Lösungs­vor­schlä­ge ent­wi­ckelt wor­den [12], ohne dass das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren dies­be­züg­lich zu einer recht­li­chen Bewer­tung durch das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he Anlass gibt.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 12. Novem­ber 2014 – 11 Wx 61/​14

  1. Baumbach/​Hopt, HGB 36. Aufl. § 12 Rdnr. 3; Münch­Komm-HGB/­Kraf­ka, 3. Aufl. § 12 Rdnr. 25; Staub/​Koch, HGB 5. Aufl. § 12 Rn. 36[]
  2. vgl. Münch­Komm-HGB/­Kraf­ka, 3. Aufl. § 12 Rdnr. 32 m.w.N.[]
  3. Münch­Komm-HGB/­Kraf­ka, 3. Aufl. § 12 Rn. 38[]
  4. Münch­Komm-HGB/­Kraf­ka, 3. Aufl. § 12 Rdnr. 25[]
  5. so schon KG, Jahr­buch der Ent­schei­dun­gen des Kam­mer­ge­richts in Sachen der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit, in Kos­ten- Stem­pel- und Straf­sa­chen 37, A 221, A 224; vgl. Bay­O­bLGZ 1975, 137, 142[]
  6. Bay­O­bLZ 1975, 137, 140 f.; KG, Jahr­buch der Ent­schei­dun­gen in Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit und des Grund­buch­rechts 2, 173 ff; Münch­Komm-Krafka/HGB 3. Aufl. § 12 Rdnr. 14; Ammon, DStR 1993, 1025, 1027[]
  7. Münch­Komm-HGB/­Kraf­ka, 3. Aufl. § 12 Rdnr. 31; vgl. zum Grund­buch­recht KG, Jahr­buch der Ent­schei­dun­gen des Kam­mer­ge­richts in Sachen der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit, in Kos­ten- Stem­pel- und Straf­sa­chen 37, A 221, A 225[]
  8. vgl. Staub/​Koch, HGB 5. Aufl. § 12 Rdnr. 46[]
  9. Münch­Komm-HGB/­Kraf­ka, 3. Aufl. § 12 Rdnr. 31[]
  10. KG, Jahr­buch für Ent­schei­dun­gen in Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit und des Grund­buch­rechts 1, 322, 328 f.[]
  11. KG, Jahr­buch der Ent­schei­dun­gen des Kam­mer­ge­richts in Sachen der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit, in Kos­ten- Stem­pel- und Straf­sa­chen 37, A 221, A 226; vgl. Bay­O­bLGZ 1975, 137, 142[]
  12. Münch­Komm-HGB/­Kraf­ka, 3. Aufl. § 12 Rdnr. 31; Staub/​Koch, HGB 5. Aufl. § 12 Rdnr. 46; Jeep, NJW 2007, 2439, 2445[]

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