Repa­tur­kos­ten > Wie­der­be­schaf­fungs­wert

Mit den Vor­aus­set­zun­gen für den Ersatz von Repa­ra­tur­auf­wand bis zu 30 % über dem Wie­der­be­schaf­fungs­wert hat sich in einem aktu­el­len Fall erneut der Bun­des­ge­richts­hof beschäf­tigt:

Repa­tur­kos­ten > Wie­der­be­schaf­fungs­wert

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann der Ersatz des Repa­ra­tur­auf­wands bis zu 30% über dem Wie­der­be­schaf­fungs­wert des Fahr­zeugs nur ver­langt wer­den, wenn die Repa­ra­tur fach­ge­recht und in einem Umfang durch­ge­führt wird, wie ihn der Sach­ver­stän­di­ge zur Grund­la­ge sei­ner Kos­ten­schät­zung gemacht hat 1.

Inzwi­schen hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass jeden­falls in dem Fall, in dem zwar die vom Sach­ver­stän­di­gen geschätz­ten Repa­ra­tur­kos­ten über der 130%-Grenze lie­gen, es dem Geschä­dig­ten aber – auch unter Ver­wen­dung von Gebraucht­tei­len – gelun­gen ist, eine nach Auf­fas­sung des sach­ver­stän­dig bera­te­nen Gerichts fach­ge­rech­te und den Vor­ga­ben des Gut­ach­tens ent­spre­chen­de Repa­ra­tur durch­zu­füh­ren, deren Kos­ten den Wie­der­be­schaf­fungs­wert nicht über­stei­gen, dem Geschä­dig­ten aus dem Gesichts­punkt des Wirt­schaft­lich­keits­ge­bots eine Abrech­nung der kon­kret ange­fal­le­nen Repa­ra­tur­kos­ten nicht ver­wehrt wer­den kann 2. Der Bun­des­ge­richts­hof hat fer­ner ent­schie­den, dass der Geschä­dig­te, der sein beschä­dig­tes Kraft­fahr­zeug instand gesetzt hat, obwohl ein Sach­ver­stän­di­ger die vor­aus­sicht­li­chen Kos­ten der Repa­ra­tur auf einen den Wie­der­be­schaf­fungs­wert um mehr als 30 % über­stei­gen­den Betrag geschätzt hat, den Ersatz von Repa­ra­tur­kos­ten nur dann ver­lan­gen kann, wenn er nach­weist, dass die tat­säch­lich durch­ge­führ­te Repa­ra­tur, sofern die­se fach­ge­recht und den Vor­ga­ben des Gut­ach­tens ent­spre­chend aus­ge­führt wor­den ist, wirt­schaft­lich nicht unver­nünf­tig war, was der tatrich­ter­li­chen Beur­tei­lung (§ 287 ZPO) unter­liegt 3.

Danach ist regel­mä­ßig die Erstat­tung von Repa­ra­tur­kos­ten über dem Wie­der­be­schaf­fungs­wert nicht gerecht­fer­tigt, wenn der Geschä­dig­te sein Kraft­fahr­zeug nicht voll­stän­dig und fach­ge­recht nach den Vor­ga­ben des Sach­ver­stän­di­gen in Stand setzt 4.

So lag es im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall: Das Beru­fungs­ge­richt geht selbst davon aus, dass die vom Klä­ger durch­ge­führ­te Repa­ra­tur von den Vor­ga­ben des Gut­ach­tens abweicht. Der hin­te­re Quer­trä­ger wur­de nicht aus­ge­tauscht, son­dern instand gesetzt, hin­ter der Stoß­fän­ger­ver­klei­dung ver­blieb eine Del­le und die Heck­stoß­fän­ger­ver­klei­dung wur­de nicht rich­tig ein­ge­passt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Novem­ber 2011 – VI ZR 30/​11

  1. BGH, Urtei­le vom 15.02.2005 – VI ZR 70/​04, BGHZ 162, 161, 167 ff.; vom 10.07.2007 – VI ZR 258/​06, VersR 2007, 1244 Rn. 7[]
  2. BGH, Urteil vom 14.12.2010 – VI ZR 231/​09, VersR 2011, 282 Rn. 13[]
  3. BGH, Urteil vom 08.02.2011 – VI ZR 79/​10, VersR 2011, 547 Rn. 8[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 15.02.2005 – VI ZR 70/​04, BGHZ 162, 161, 168; vom 10.07.2007 – VI ZR 258/​06, aaO Rn. 8[]