Rück­wir­kung von Neu­re­ge­lun­gen im Steu­er­recht – Die vor­aus­be­zahl­ten Erb­bau­zin­sen

Wer­den im Jahr 2005 auf­grund eines nach dem 15. Dezem­ber 2004 zustan­de gekom­me­nen Kauf­ver­trags über ein Woh­nungs­erbbau­recht Erb­bau­zin­sen in einer Sum­me für die gesam­te Lauf­zeit des Erb­bau­rechts im Vor­aus geleis­tet, so liegt in der Anwen­dung des § 11 Abs. 2 Satz 3 i.V.m. § 52 Abs. 30 Satz 1 EStG kei­ne Rück­wir­kung [1].

Rück­wir­kung von Neu­re­ge­lun­gen im Steu­er­recht – Die vor­aus­be­zahl­ten Erb­bau­zin­sen

Wer­den Aus­ga­ben für eine Nut­zungs­über­las­sung von mehr als fünf Jah­ren im Vor­aus geleis­tet, sind sie gemäß § 11 Abs. 2 Satz 3 EStG ins­ge­samt auf den Zeit­raum gleich­mä­ßig zu ver­tei­len, für den die Vor­aus­zah­lung geleis­tet wird. So ver­hält es sich im Streit­fall: Erb­bau­zin­sen sind als Ent­gelt für die regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Leis­tung des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers Aus­ga­ben für die Nut­zungs­über­las­sung [2] und des­halb auf den Zeit­raum von 99 Jah­ren gleich­mä­ßig zu ver­tei­len.

Die­se Rechts­la­ge gilt nach § 52 Abs. 30 Satz 1 EStG im Hin­blick auf Erb­bau­zin­sen, die –wie im Streit­fall– nach dem 31. Dezem­ber 2003 geleis­tet wur­den.

§ 11 Abs. 2 Satz 3 i.V.m. § 52 Abs. 30 EStG, also in der Fas­sung des Richt­li­ni­en-Umset­zungs­ge­set­zes vom 9. Dezem­ber 2004 [3], das am 15. Dezem­ber 2004 ver­kün­det wur­de, führt im Streit­fall nicht zu einer ver­fas­sungs­recht­lich zu bean­stan­den­den Rück­wir­kung [4]: Denn im Streit­fall wir­ken die Nor­men schon gar nicht zurück. Es fehlt inso­weit an einem bereits vor der Ver­kün­dung des Geset­zes ins Werk gesetz­ten Sach­ver­halt, an den die Norm (hier § 11 Abs. 2 Satz 3 i.V.m. § 52 Abs. 30 Satz 1 EStG) tat­be­stand­lich anknüpft. Der Klä­ger leis­te­te die Erb­bau­zin­sen im Vor­aus lan­ge nach Ver­kün­dung des Geset­zes erst im Streit­jahr. Auch der Kauf­ver­trag kam erst nach der Ver­kün­dung des Geset­zes zustan­de. Vor der Ver­kün­dung des Geset­zes am 15. Dezem­ber 2004 hat­te der Klä­ger den Kauf ledig­lich ange­bo­ten. Erst nach der Ver­kün­dung des Geset­zes kam dann eine Ver­ein­ba­rung durch Annah­me die­ses Ange­bots am 17. Dezem­ber 2004 zustan­de. Nur dar­an knüpft das Gesetz an. Denn ledig­lich auf­grund die­ses Kauf­ver­trags hat der Klä­ger im Streit­jahr die Erb­bau­zin­sen in einer Sum­me im Vor­aus geleis­tet.

Selbst wenn man aller­dings bereits auf den Zeit­punkt abstell­te, in dem der Klä­ger sein bin­den­des Ver­trags­an­ge­bot abge­ge­ben hat, wäre sein Ver­trau­en nicht schutz­wür­dig, eine scho­nen­de Über­gangs­re­ge­lung mit­hin nicht gebo­ten. Sei­ne Dis­po­si­ti­on läge zeit­lich weit hin­ter der Ein­brin­gung der Neu­re­ge­lung in den Deut­schen Bun­des­tag am 27. Okto­ber 2004 [5] und recht­fer­tig­te –i.V.m. der Zah­lung erst im Streit­jahr– kei­nen Ver­trau­ens­schutz [6].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 7. Dezem­ber 2010 – IX R 48/​07

  1. Abgren­zung zu BFH, Beschluss vom 07.12.2010 – IX R 70/​07[]
  2. vgl. die stän­di­ge Recht­spre­chung: BFH, Urtei­le vom 23.09.2003 – IX R 65/​02, BFHE 203, 355, BStBl II 2005, 159; und vom 20.09.2006 – IX R 17/​04, BFHE 215, 139, BStBl II 2007, 112[]
  3. BGBl I 2004, 3310[]
  4. vgl. dazu ein­ge­hend BFH, Vor­la­ge­be­schluss vom 07.12.2010 – IX R 70/​07[]
  5. sie­he hier­zu BFH, Vor­la­ge­be­schluss vom 07.12.2010 – IX R 70/​07[]
  6. vgl. dazu ein­ge­hend: BVerfG, Beschluss vom 07.07.2010 – 2 BvL 1/​03, 2 BvL 57/​06, 2 BvL 58/​06, BGBl I 2010, 1297 –Leit­satz–, BFH/​NV 2010, 1968 Rz 73 ff.[]