Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten – und die Anknüp­fungs­tat­sa­chen

Bei den Tat­sa­chen, auf denen ein Sach­ver­stän­di­ger sein Gut­ach­ten auf­baut, den „Anknüp­fungs­tat­sa­chen“, sind zwei Grup­pen zu unter­schei­den: sol­che, die nur er auf Grund sei­ner Sach­kun­de erken­nen kann, und sol­che, die auch das Gericht mit den ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Erkennt­nisund Beweis­mit­teln fest­stel­len könn­te.

Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten – und die Anknüp­fungs­tat­sa­chen

Die zur ers­ten Grup­pe gehö­ren­den Tat­sa­chen, z.B. die von einem medi­zi­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen auf Grund ärzt­li­cher Unter­su­chung oder ärzt­li­cher Ein­grif­fe gemach­ten Fest­stel­lun­gen, die soge­nann­ten Befund­tat­sa­chen, kön­nen durch die gut­acht­li­chen Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen in die Haupt­ver­hand­lung ein­ge­führt; und vom Gericht ver­wer­tet wer­den [1]. Wenn aber der Gut­ach­ter bei sei­ner Unter­su­chung außer­dem erheb­li­che, z.B. das Tat­ge­sche­hen betref­fen­de Tat­sa­chen dadurch erfährt, dass er eine Aus­kunfts­per­son befragt oder der Ver­neh­mung von Zeu­gen bei­wohnt, so tut er dies nicht auf Grund einer fach­kun­di­gen Unter­su­chung, son­dern mit Mit­teln, deren sich auch das nicht fach­kun­di­ge Gericht bedie­nen kann.

Die­se letz­te­ren vom Sach­ver­stän­di­gen ermit­tel­ten Tat­sa­chen (Zusatz­tat­sa­chen) müs­sen in zuläs­si­ger Wei­se in die Haupt­ver­hand­lung ein­ge­führt wer­den, etwa durch Ver­neh­mung des Gut­ach­ters und (oder) der von ihm Ange­hör­ten als Zeu­gen [2], sofern es für das Gut­ach­ten oder aus ande­ren Grün­den auf der­ar­ti­ge Tat­sa­chen ankommt.

Sind die vom Sach­ver­stän­di­gen – nicht auf Grund sei­ner beson­de­ren Sach­kun­de – ermit­tel­ten Tat­sa­chen offen­kun­dig oder hat sich das Gericht ander­wei­tig von ihrer Rich­tig­keit über­zeugt, so kann der Sach­ver­stän­di­ge in sei­nem Gut­ach­ten von ihnen aus­ge­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Okto­ber 2019 – 4 StR 528/​19

  1. BGH, Urteil vom 07.06.1956 – 3 StR 136/​56, BGHSt 9, 292[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 07.06.1956 – 3 StR 136/​56, BGHSt 9, 292; vom 13.02.1959 – 4 StR 470/​58, BGHSt 13, 1; vom 26.10.1962 – 4 StR 318/​62, BGHSt 18, 107, 108[]