Schie­be­ter­mi­ne

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung gilt eine Haupt­ver­hand­lung dann als fort­ge­setzt, wenn zur Sache ver­han­delt und das Ver­fah­ren geför­dert wird 1.

Schie­be­ter­mi­ne

Zwar kann auch in der Befas­sung ledig­lich mit Ver­fah­rens­fra­gen eine För­de­rung des Ver­fah­rens in der Sache lie­gen, wenn deren Ziel die Klä­rung ist, durch wel­che Unter­su­chungs­hand­lun­gen der Auf­klä­rung des Sach­ver­halts Fort­gang gege­ben wer­den kann 2. Nicht aus­rei­chend hier­für ist jedoch allein die in der Sache selbst nicht wei­ter­füh­ren­de Prü­fung und Erör­te­rung, ob eine – wei­te­re – Unter­bre­chung der Haupt­ver­hand­lung not­wen­dig ist und wann die­se gege­be­nen­falls fort­ge­setzt wer­den kann 3.

Aller­dings hat der Bun­des­ge­richts­hof die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Unter­bre­chungs­frist des § 229 Abs. 1 StPO auch dann gewahrt ist, wenn die für den Fort­set­zungs­ter­min in Aus­sicht genom­me­ne wei­te­re För­de­rung des Ver­fah­rens in der Sache infol­ge unvor­her­seh­ba­rer Ereig­nis­se nicht statt­fin­den kann 4. Der Bun­des­ge­richts­hof kann offen las­sen, ob er die­ser Ansicht bei­tre­ten könn­te, ins­be­son­de­re, ob sie mit dem wesent­li­chen Zweck des § 229 StPO, der Wah­rung der Kon­zen­tra­ti­ons­ma­xi­me 5, noch zu ver­ein­ba­ren ist; denn auf die vor­lie­gen­de Sach­ver­halts­ge­stal­tung ist die­se Ent­schei­dung jeden­falls nicht über­trag­bar. Ihr lag zu Grun­de, dass das Gericht im Fort­set­zungs­ter­min zunächst einem mit ver­än­der­ter Sach­la­ge begrün­de­ten Unter­bre­chungs­an­trag des Ver­tei­di­gers ent­spre­chen muss­te.

Dem­ge­gen­über war das Land­ge­richt hier aus­schließ­lich infol­ge der Erkran­kung der gela­de­nen Zeu­gin dar­an gehin­dert, die Beweis­auf­nah­me wie vor­ge­se­hen fort­zu­set­zen. Wel­che Aus­wir­kun­gen es auf den Lauf der höchst­zu­läs­si­gen Unter­bre­chungs­frist hat, wenn ein Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter wegen Krank­heit nicht zur Haupt­ver­hand­lung erschei­nen kann, ist indes Gegen­stand der beson­de­ren und abschlie­ßen­den Rege­lung in § 229 Abs. 3 StPO. Eine Hem­mung der Unter­bre­chungs­frist wegen Erkran­kung eines Zeu­gen ist dort nicht vor­ge­se­hen. Dies kann nicht dadurch umgan­gen wer­den, dass die Bekannt­ga­be einer Erkran­kung als Sach­ver­hand­lung im Sin­ne einer Fort­set­zung der Haupt­ver­hand­lung nach § 229 Abs. 4 Satz 1 StPO gewer­tet wird, durch die die Unter­bre­chungs­frist gewahrt wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Juni 2015 – 3 StR 202/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 16.01.2014 – 4 StR 370/​13, NStZ 2014, 220
  2. BGH aaO
  3. vgl. LR/​Becker, StPO, 26. Aufl., § 229 Rn. 12; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 58. Aufl., § 229 Rn. 11; jeweils mwN
  4. BGH, Beschluss vom 05.11.2008 – 1 StR 583/​08, NJW 2009, 384
  5. LR/​Becker aaO, Rn. 1 mwN
  6. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 04.07.2018 XII ZB 82/​18 Fam­RZ 2018, 1529