Schmer­zens­geld wegen eines toten Hun­des

Die Recht­spre­chung zu Schmer­zens­geld­an­sprü­chen in Fäl­len psy­chisch ver­mit­tel­ter Gesund­heits­be­ein­träch­ti­gun­gen mit Krank­heits­wert bei der Ver­let­zung oder Tötung von Ange­hö­ri­gen oder sonst nahe­ste­hen­den Per­so­nen (den soge­nann­ten Schock­schä­den) ist nicht auf Fäl­le psy­chi­scher Gesund­heits­be­ein­träch­ti­gun­gen im Zusam­men­hang mit der Ver­let­zung oder Tötung von Tie­ren zu erstre­cken.

Schmer­zens­geld wegen eines toten Hun­des

Ein sol­cher Scha­dens­er­satz­an­spruch aus § 7 Abs. 1, § 11 Satz 2, § 18 Abs. 1 StVG, § 823 Abs. 1, § 253 BGB wäre zwar, obwohl die Klä­ge­rin in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall einen Gesund­heits­scha­den nur mit­tel­bar als (psy­chi­sche) Fol­ge des töd­li­chen (Verkehrs-)Unfalls ihrer Hün­din erlit­ten haben will, ein eige­ner Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen der Ver­let­zung eines eige­nen Rechts­guts 1. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs genügt jedoch nicht jede psy­chisch ver­mit­tel­te Beein­träch­ti­gung der kör­per­li­chen Befind­lich­keit, um einen Scha­dens­er­satz­an­spruch eines dadurch nur "mit­tel­bar" Geschä­dig­ten im Fal­le der Tötung oder schwe­ren Ver­let­zung eines Drit­ten aus­zu­lö­sen. Dies wider­sprä­che der Inten­ti­on des Gesetz­ge­bers, die Delikts­haf­tung gera­de in § 823 Abs. 1 BGB sowohl nach den Schutz­gü­tern als auch den durch sie gesetz­ten Ver­hal­tens­pflich­ten auf klar umris­se­ne Tat­be­stän­de zu beschrän­ken 2. Des­halb setzt die Zurech­nung psy­chi­scher Beein­träch­ti­gun­gen wie Trau­er und Schmerz nicht nur eine – hier zuguns­ten der Klä­ge­rin revi­si­ons­recht­lich zu unter­stel­len­de patho­lo­gisch fass­ba­re – Gesund­heits­be­schä­di­gung vor­aus, son­dern auch eine beson­de­re per­so­na­le Bezie­hung des sol­cher­art "mit­tel­bar" Geschä­dig­ten zu einem schwer ver­letz­ten oder getö­te­ten Men­schen 3. Bei der­ar­ti­gen Scha­dens­fäl­len dient die enge per­so­na­le Ver­bun­den­heit dazu, den Kreis derer zu beschrei­ben, die den Inte­gri­täts­ver­lust des Opfers als Beein­träch­ti­gung der eige­nen Inte­gri­tät und nicht als "nor­ma­les" Lebens­ri­si­ko der Teil­nah­me an den Ereig­nis­sen der Umwelt emp­fin­den 4.

Aus den vor­ge­nann­ten, die Scha­dens­er­satz­pflicht bei Schock­schä­den eng umgren­zen­den Grund­sät­zen ergibt sich bereits, dass eine von der Revi­si­on gefor­der­te Aus­deh­nung die­ser Recht­spre­chung auf psy­chisch ver­mit­tel­te Gesund­heits­be­ein­träch­ti­gun­gen bei der Ver­let­zung oder Tötung von Tie­ren nicht in Betracht kommt 5. Dem ent­spricht es, dass der Gesetz­ge­ber kei­nen Anlass für einen beson­de­ren Schmer­zens­geld­an­spruch des Tier­hal­ters gese­hen hat; die Ver­let­zung oder Tötung von Tie­ren soll­te den von der Recht­spre­chung aner­kann­ten Fäl­len von Schock­schä­den mit Krank­heits­wert bei der Ver­let­zung oder Tötung von Ange­hö­ri­gen oder sonst dem Betrof­fe­nen nahe­ste­hen­den Men­schen nicht gleich­ge­stellt wer­den 6.

Der­ar­ti­ge Beein­träch­ti­gun­gen bei der Ver­let­zung oder Tötung von Tie­ren, mögen sie auch als schwer­wie­gend emp­fun­den wer­den und mensch­lich noch so ver­ständ­lich erschei­nen, gehö­ren zum all­ge­mei­nen Lebens­ri­si­ko und ver­mö­gen damit Schmer­zens­geld­an­sprü­che nicht zu begrün­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. März 2012 – VI ZR 114/​11

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 11.05.1971 – VI ZR 78/​70, BGHZ 56, 163, 168; vom 13.01.1976 – VI ZR 58/​74, VersR 1976, 539, 540 und vom 06.02.2007 – VI ZR 55/​06, VersR 2007, 803 Rn. 10[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 11.05.1971 – VI ZR 78/​70, aaO S. 168 f. und vom 04.04.1989 – VI ZR 97/​88, VersR 1989, 853, 854[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 11.05.1971 – VI ZR 78/​70, aaO S. 170; vom 31.01.1984 – VI ZR 56/​82, VersR 1984, 439; vom 12.11.1985 – VI ZR 103/​84, VersR 1986, 240, 241; vom 04.04.1989 – VI ZR 97/​88, aaO; vom 13.01.1976 – VI ZR 58/​74, aaO; und vom 06.02.2007 – VI ZR 55/​06, Rn. 8, 10[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 14.06.2005 – VI ZR 179/​04, BGHZ 163, 209, 220 f.[]
  5. so auch zutref­fend LG Bad Kreuz­nach, Jagd­recht­li­che Ent­schei­dun­gen Bd. XIV, XI Nr. 128; KreisG Cott­bus, NJW-RR 1994, 804, 805; AG Reck­ling­hau­sen, ZfS 1989, 191 und AG Essen-Bor­beck, Jur­Bü­ro 1986, 1494; Münch­Komm-BGB/Oet­ker, 5. Aufl., § 251 Rn. 55[]
  6. vgl. BT-Drs. 11/​7369, S. 7[]