Schwe­ben­de Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen – und der Wie­der­be­ginn des Ver­jäh­rungs­laufs

Will der Schuld­ner die Fort­füh­rung schwe­ben­der Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen ver­wei­gern, muss er die­se Ver­wei­ge­rung wegen der ver­jäh­rungs­recht­li­chen Bedeu­tung für die Durch­setz­bar­keit der gel­tend gemach­ten Ansprü­che durch ein kla­res und ein­deu­ti­ges Ver­hal­ten zum Aus­druck brin­gen 1.

Schwe­ben­de Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen – und der Wie­der­be­ginn des Ver­jäh­rungs­laufs

Der Begriff von Ver­hand­lun­gen im Sin­ne des § 203 Satz 1 BGB ist ver­wirk­licht, wenn zum einen der Gläu­bi­ger klar­stellt, dass er einen Anspruch gel­tend machen und wor­auf er ihn stüt­zen will, und sich zum ande­ren hier­an ein ernst­haf­ter Mei­nungs­aus­tausch über den Anspruch oder sei­ne tat­säch­li­chen Grund­la­gen anschließt, sofern der Schuld­ner nicht sofort und erkenn­bar die Leis­tung ablehnt. Ver­hand­lun­gen schwe­ben schon dann, wenn eine der Par­tei­en Erklä­run­gen abgibt, die der jeweils ande­ren Sei­te die Annah­me gestat­ten, der Erklä­ren­de las­se sich auf Erör­te­run­gen über die Berech­ti­gung des Anspruchs oder des­sen Umfang ein 2.

Die Ver­hand­lun­gen sind dann been­det, wenn eine Par­tei die Fort­set­zung der Ver­hand­lung ver­wei­gert. Wegen der Bedeu­tung für die Durch­setz­bar­keit der gel­tend gemach­ten Ansprü­che muss die­se Ver­wei­ge­rung nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs durch ein kla­res und ein­deu­ti­ges Ver­hal­ten zum Aus­druck gebracht wer­den 3.

Eine ein­ver­nehm­li­che Unter­bre­chung der Ver­hand­lun­gen die ins­be­son­de­re durch das Abwar­ten wei­te­rer Ent­wick­lun­gen oder den Aus­gang ande­rer gericht­li­cher Ver­fah­ren moti­viert sein kann führt dem­ge­gen­über nicht zu einem Ende der Ver­hand­lun­gen.

Ob und gege­be­nen­falls zu wel­chem Zeit­punkt die Ver­hand­lun­gen bei einer Ver­hand­lungs­pau­se been­det sind, hängt davon ab, von wel­cher Par­tei nach dem Inhalt der Ver­ein­ba­run­gen oder nach Treu und Glau­ben ein Auf­grei­fen der Ver­hand­lun­gen erwar­tet wer­den muss. Ist dies der Schuld­ner, muss er selbst tätig wer­den und die Ver­hand­lun­gen für been­det erklä­ren, um die Wir­kun­gen der Hem­mung zu been­den 4.

Eine Erklä­rung, an einem Ver­gleichs­schluss "grund­sätz­lich wei­ter­hin … inter­es­siert" zu sein, hier­von aber "der­zeit" wegen des lau­fen­den Steu­er­straf­ver­fah­rens Abstand neh­men zu wol­len, wäh­rend nach dem Abschluss die­ses Ver­fah­rens Ver­gleichs­be­reit­schaft bestehe, kann so ver­stan­den wer­den, als habe der Schuld­ner den in den bis­he­ri­gen Ver­hand­lun­gen der Par­tei­en ins Auge gefass­ten Ver­gleichs­schluss zumin­dest dem Grun­de nach nur von einem güns­ti­gen Aus­gang des gegen ihn gerich­te­ten Steu­er­straf­ver­fah­rens abhän­gig gemacht. Ange­sichts die­ser Ver­knüp­fung mit dem Aus­gang des Steu­er­straf­ver­fah­rens hät­ten sich wei­te­re Ver­hand­lun­gen, die nach Abschluss des Steu­er­straf­ver­fah­rens geführt wor­den wären, aus Sicht der Ehe­frau nicht als Wie­der­auf­nah­me abge­bro­che­ner Ver­hand­lun­gen, son­dern viel­mehr als Fort­set­zung unter­bro­che­ner Ver­hand­lun­gen dar­ge­stellt. Um bei die­ser Sach­la­ge die ver­jäh­rungs­recht­li­che Hem­mungs­wir­kung zu been­den, wäre der Schuld­ner ver­pflich­tet gewe­sen, die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Par­tei­en wie­der auf­zu­grei­fen, wenn er von die­ser Posi­ti­on abrü­cken und sich nun­mehr unab­hän­gig vom Aus­gang des Steu­er­straf­ver­fah­rens nicht mehr hät­te ver­glei­chen wol­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Dezem­ber 2018 – XII ZR 116/​17

  1. im Anschluss an BGH Urtei­le vom 08.11.2016 – VI ZR 594/​15 NJW 2017, 949; und vom 17.02.2004 – VI ZR 429/​02, NJW 2004, 1654[]
  2. BGH Urtei­le vom 21.06.2018 – IX ZR 129/​17 NJW-RR 2018, 1150 Rn. 10 und BGHZ 213, 213 = VersR 2017, 901 Rn. 13[]
  3. vgl. BGH Urtei­le vom 08.11.2016 – VI ZR 594/​15 NJW 2017, 949 Rn. 18 mwN; und vom 17.02.2004 – VI ZR 429/​02 NJW 2004, 1654, 1655 mwN[]
  4. vgl. Fischin­ger VersR 2005, 1641, 1644[]