Sicher­stel­lung eines Kin­der­rei­se­pas­ses nach Vater­schafts­an­fech­tung

Ein deut­scher Kin­der­rei­se­pass kann sicher­ge­stellt und nach­fol­gend auch ein­ge­zo­gen wer­den, wenn die allein sta­tus­be­grün­den­de Aner­ken­nung der Vater­schaft des Kin­des durch einen deut­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen von der zustän­di­gen Behör­de nach § 1600 Abs. 1 Nr. 5, Abs. 3 BGB wirk­sam ange­foch­ten wor­den ist.

Sicher­stel­lung eines Kin­der­rei­se­pas­ses nach Vater­schafts­an­fech­tung

Da nach § 1 Abs. 4 Satz 1 PassG nur Deut­schen ein Pass aus­ge­stellt wer­den darf, ist mit dem rück­wir­ken­den Ver­lust sei­ner deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit der dem Kind erteil­te Pass im Sin­ne des § 11 Nr. 2 PassG inso­weit unzu­tref­fend [1] und ungül­tig gewor­den. Ein sol­cher ungül­ti­ger Pass kann nach § 12 Abs. 1 PassG ein­ge­zo­gen und vor­ab – wie hier gesche­hen – gleich­sam vor­läu­fig sicher­ge­stellt wer­den, § 13 Abs. 1 Nr. 3 PassG [2].

Der Gesetz­ge­ber hat auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 24. Okto­ber 2006 [3] mit dem Erlass des Ände­rungs­ge­set­zes zum Staats­an­ge­hö­rig­keits­ge­setz vom 5. Febru­ar 2009 [4] reagiert und durch die Ein­fü­gung des § 17 Abs. 3 Satz 2 StAG klar­ge­stellt, dass ein Kind in der hier maß­geb­li­chen Fall­ge­stal­tung auto­ma­tisch sei­ne deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit ver­liert [5]. Einem etwai­gen alters­be­ding­ten Ver­trau­ens­schutz des Kin­des wird nicht durch die – nach § 17 Abs. 3 Satz 2 StAG hier aus­drück­lich unan­wend­ba­re, aber ohne­hin nicht über­schrit­te­ne – Alters­gren­ze in § 17 Abs. 2 StAG von fünf Jah­ren, son­dern durch die Anfech­tungs­frist des § 1600b Abs. 1a Satz 3 BGB, die bei einer Geburt im Bun­des­ge­biet eben­falls fünf Jah­re ab Aner­ken­nung beträgt und hier gewahrt wor­den ist, hin­rei­chend Rech­nung getra­gen [6]. Der Abwä­gung des öffent­li­chen und pri­va­ten Inter­es­ses unter Ein­be­zie­hung der sozia­len Ver­hält­nis­se des betrof­fe­nen Kin­des und eines etwai­gen Bewusst­seins sei­ner deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit bedarf es daher für die Fest­stel­lung des Ver­lus­tes der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit nicht. Eben­so wenig sind sol­che Erwä­gun­gen Gegen­stand der Ermes­sens­aus­übung nach § 13 PassG [7].

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 12. Okto­ber 2010 – 11 ME 347/​10

  1. vgl. Zif­fer 11 c) PassVwV v. 3. Juli 2000, GMBl. S. 587; sowie BayVGH, Beschluss vom 11.09.2007 – 5 CS 07/​1921[]
  2. vgl. zu die­sem Ver­hält­nis zwi­schen Sicher­stel­lung und Ein­zie­hung etwa OVG NRW, Beschluss vom 22.11.1993 – 25 A 1143/​92; sowie Süßmuth/​Koch, Pass- und Per­so­nal­aus­weis­recht, § 12 PassG, Rn. 2[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 24.10.2006 – 2 BvR 696/​04[]
  4. BGBl. I S. 158[]
  5. vgl. Hailbronner/​Renner/​Maaßen, Staats­an­ge­hö­rig­keits­recht, § 17 StAG, Rn. 17[]
  6. vgl. BT-Drs. 16/​10528, S. 7[]
  7. vgl. dazu OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 30.09.2009 – 5 S 17/​09[]