Sit­zungs­gel­der und die Rück­for­de­rung von Ver­sor­gungs­be­zü­gen

Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen im Sin­ne von § 53 Abs. 7 Satz 2 Be­amt­VG sind dazu be­stimmt, die mit einer Tä­tig­keit ver­bun­de­nen fi­nan­zi­el­len Ein­bu­ßen und Be­schwer­nis­se aus­zu­glei­chen. Daher liegt eine Auf­wands­ent­schä­di­gung nicht mehr vor, wenn sie der Höhe nach die üb­li­cher­wei­se mit der Wahr­neh­mung der Tä­tig­keit ver­bun­de­nen Un­kos­ten er­heb­lich über­steigt.

Sit­zungs­gel­der und die Rück­for­de­rung von Ver­sor­gungs­be­zü­gen

Nach § 53 Abs. 1 BeamtVG a.F. 1 erhält ein Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ter, der Erwerbs­ein­kom­men bezieht, dane­ben sei­ne Ver­sor­gungs­be­zü­ge nur bis zum Errei­chen der in Absatz 2 bezeich­ne­ten Höchst­gren­ze. In die­sem Umfang steht der Aus­zah­lung der Ver­sor­gungs­be­zü­ge kraft Geset­zes ein recht­li­ches Hin­der­nis ent­ge­gen. § 53 Abs. 1 und 2 BeamtVG a.F. beschränkt die Anrech­nungs­frei­heit von Ein­kom­men auf den Dif­fe­renz­be­trag zwi­schen den Ver­sor­gungs­be­zü­gen und der Höchst­gren­ze. Nur wenn das Ein­kom­men den Dif­fe­renz­be­trag nicht über­steigt, wer­den die Ver­sor­gungs­be­zü­ge in der fest­ge­setz­ten Höhe aus­ge­zahlt 2.

Für den Begriff des Erwerbs­ein­kom­mens ver­weist § 53 Abs. 1 BeamtVG a.F. auf Absatz 7. Danach sind Erwerbs­ein­kom­men Ein­künf­te aus nicht­selbst­stän­di­ger Arbeit ein­schließ­lich Abfin­dun­gen, aus selbst­stän­di­ger Arbeit sowie aus Gewer­be­be­trieb und aus Land- und Forst­wirt­schaft (Satz 1). Hin­sicht­lich die­ser Begrif­fe sind die Bestim­mun­gen des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes maß­ge­bend, sofern nicht Struk­tur­prin­zi­pi­en des Ver­sor­gungs­rechts ent­ge­gen­ste­hen 3. Sit­zungs­gel­der oder sons­ti­ge Ver­gü­tun­gen aus selb­stän­di­ger Arbeit im Sin­ne des § 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG stel­len daher grund­sätz­lich Erwerbs­ein­kom­men dar 4.

Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen gel­ten gemäß § 53 Abs. 7 Satz 2 BeamtVG a.F. indes nicht als Erwerbs­ein­kom­men, sodass ihre Zah­lung nicht zum Ruhen der Ver­sor­gungs­be­zü­ge füh­ren kann. Inso­weit kann nicht auf die steu­er­recht­li­che Ein­ord­nung zurück­ge­grif­fen wer­den. Der ver­sor­gungs­recht­li­che Begriff ist eigen­stän­dig aus­ge­stal­tet wor­den. Die Syn­chro­ni­sie­rung von Ver­sor­gungs- und Steu­er­recht ist aus­weis­lich der Geset­zes­ma­te­ria­li­en vom Gesetz­ge­ber für die (Nicht-)Anrech­nung von Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen aus­drück­lich auf­ge­ge­ben wor­den, „um eine Ver­schlech­te­rung der recht­li­chen und finan­zi­el­len Rah­men­be­din­gun­gen des bür­ger­schaft­li­chen Enga­ge­ments, ins­be­son­de­re im kom­mu­na­len Bereich zu ver­mei­den“ 5. Die im Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung ursprüng­lich vor­ge­se­he­ne Frei­stel­lung nur von „steu­er­frei­en“ Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen 6 ist des­halb nicht umge­setzt wor­den. Dem­entspre­chend ist in der Senats­recht­spre­chung auch nicht auf § 3 Abs. 1 Nr. 12 Satz 2 EStG, son­dern auf die gesetz­li­che Begriffs­be­stim­mung des § 17 BBesG Bezug genom­men wor­den 7.

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist geklärt, dass Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen im Sin­ne des § 17 BBesG kei­ne Dienst­be­zü­ge und auch kein Ein­kom­men im wei­te­ren Sin­ne dar­stel­len. Sie sind dazu bestimmt, die mit einer unent­gelt­li­chen Dienst­leis­tung ver­bun­de­nen Beschwer­nis­se und finan­zi­el­len Ein­bu­ßen aus­zu­glei­chen 8. Aus­gangs­punkt zur Bestim­mung einer Auf­wands­ent­schä­di­gung ist bereits vom Wort­laut her nicht der Ali­men­ta­ti­ons­ge­dan­ke. Die gewähr­te Zuwen­dung soll nicht zur Bestrei­tung der Kos­ten der Lebens­füh­rung bei­tra­gen oder die Dienst­leis­tung ver­gü­ten, son­dern allein den aus der Wahr­neh­mung der Tätig­keit ent­stan­de­nen Auf­wand erset­zen. Der Auf­wands­ent­schä­di­gung liegt daher „in einem weit­ge­fass­ten Sin­ne der Gedan­ke der Unkos­ten­er­stat­tung zugrun­de“ 9. Aus die­sem Grun­de ist auch eine Frei­stel­lung von der Anrech­nung nach § 53 Abs. 7 BeamtVG gerecht­fer­tigt. Der in den Ruhe­stand ver­setz­te Beam­te erhält mit einer Auf­wands­ent­schä­di­gung kein die staat­li­che Ali­men­ta­ti­on erset­zen­des Ein­kom­men, das „abge­schöpft“ wer­den könn­te oder eine Bezü­ge­zah­lung über­flüs­sig machen wür­de 10.

Die Auf­wands­ent­schä­di­gung muss zwar nicht ein­zel­fall­be­zo­gen abge­rech­net, son­dern darf in typi­sie­ren­der und pau­scha­lie­ren­der Wei­se abge­gol­ten wer­den 11. Dies liegt zur Berück­sich­ti­gung eines beson­de­ren Auf­wands oder Erschwer­nis­ses durch­aus nahe (vgl. § 47 BBesG) 12. Die Ein­ord­nung einer Zuwen­dung als Auf­wen­dungs­er­satz setzt aber vor­aus, dass sie auch hin­sicht­lich der Höhe noch am Cha­rak­ter einer Zah­lung ori­en­tiert bleibt, die tätig­keits­be­zo­ge­ne Auf­wen­dun­gen abgilt 13.

Ob sich Zah­lun­gen in der Sache als Auf­wands­ent­schä­di­gung oder als (ver­deck­te) Gehalts­zah­lung dar­stel­len, hängt von den fall­be­zo­ge­nen Umstän­den, ins­be­son­de­re von der Höhe der Zah­lun­gen ab. Über­steigt der Betrag die übli­cher­wei­se anfal­len­den Unkos­ten erheb­lich, so liegt in aller Regel kei­ne Auf­wands­ent­schä­di­gung mehr vor.

Daher ist für die Ein­ord­nung gewähr­ter „Sit­zungs­gel­der“ oder sons­ti­ger Zah­lun­gen als Auf­wands­ent­schä­di­gung im Sin­ne des § 53 Abs. 7 Satz 2 BeamtVG a.F. auch die Höhe der Beträ­ge in den Blick zu neh­men 14.

Aus der vom Klä­ger rekla­mier­ten Ein­ord­nung sei­ner Tätig­keit als „ehren­amt­lich“ folgt nichts ande­res. Rich­tig ist zwar, dass ehren­amt­li­che Tätig­keit bereits ihrem Wesen nach unent­gelt­lich ist 15, so dass Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen, die für die Aus­übung einer ehren­amt­li­chen Tätig­keit gewährt wer­den, im Rah­men der nach § 53 BeamtVG a.F. zu tref­fen­den Ent­schei­dun­gen nicht anzu­rech­nen sind. Maß­geb­lich für die Ein­ord­nung einer Tätig­keit als ehren­amt­lich ist ent­ge­gen der von der Beschwer­de vor­ge­tra­ge­nen Auf­fas­sung aber nicht die Art der über­nom­me­nen Auf­ga­be, son­dern deren Unent­gelt­lich­keit (vgl. § 5 Abs. 1 BeamtStG sowie § 115 Abs. 2 BRRG a.F.). Ver­lässt die gewähr­te Ent­schä­di­gung den Rah­men einer Auf­wands­ent­schä­di­gung, so nimmt sie der Tätig­keit daher auch den Cha­rak­ter der Ehren­amt­lich­keit 16.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 27. Sep­tem­ber 2012 – 2 B 92.11

  1. Gesetz über die Ver­sor­gung der Beam­ten und Rich­ter in Bund und Län­dern in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung vom 15.12.2004, BGBl I S. 3390[]
  2. stRspr; vgl. nur BVerwG, Urteil vom 01.09.2005 – 2 C 15.04, BVerw­GE 124, 178, 179 = Buch­holz 239.1 § 53 BeamtVG Nr. 14 Rn.10[]
  3. vgl. zuletzt BVerwG, Urtei­le vom 26.05.2011 – 2 C 8.10, Buch­holz 239.1 § 53 BeamtVG Nr. 21 Rn. 11 f. und vom 25.08.2011 – 2 C 31.10, NVwZ-RR 2012, 208 Rn. 12 f.[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 14.04.2011 – VIII B 110/​10 -[]
  5. Beschluss­emp­feh­lung und Bericht des Innen­aus­schus­ses, BT-Drucks. 16/​10850, S. 241[]
  6. BT-Drucks. 16/​7076, S. 61[]
  7. BVerwG, Urteil vom 19.02.2004 – 2 C 20.03, BVerw­GE 120, 154, 166[]
  8. BVerwG, Urteil vom 10.03.1994 – 2 C 11.93, BVerw­GE 95, 208, 212[]
  9. BVerwG, Beschluss vom 10.07.1979 – 6 B 45.79ZBR 1980, 25, 26[]
  10. BVerwG, Urteil vom 28.06.2012 – 2 C 58.11 -[]
  11. BVerwG, Urteil vom 13.07.2000 – 2 C 30.99"BVerwG 2 C 30.99, BVerw­GE 111, 313, 315[]
  12. hier­zu auch Plog/​Wiedow, Bun­des­be­am­ten­ge­setz Band 3, § 17 BBesG Rn. 7[]
  13. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 13.07.2000 – 2 C 30.99, BVerw­GE 111, 313, 315 f., vom 08.07.1994 – 2 C 3.93, BVerw­GE 96, 224, 226; und vom 10.03.1994 – 2 C 11.93, BVerw­GE 95, 208, 212[]
  14. BVerwG, Urteil vom 16.03.1972 – 2 C 12.71, BVerw­GE 40, 11, 13, vgl. zur ent­spre­chen­den Lage bei nicht­selb­stän­di­ger Arbeit auch Urteil vom 31.05.2012 – 2 C 18.10[]
  15. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 10.03.1994 – 2 C 11.93, BVerw­GE 95, 208, 210 und vom 23.04.1998 – 2 C 19.97, BVerw­GE 106, 324, 326[]
  16. vgl. BVerwG, Urteil vom 25.06.1992 – 2 C 14.90, Buch­holz 232.4 § 1 SUr­lV Nr. 1[]