Sozi­al­kas­sen­bei­trä­ge – und die Kla­ge­um­stel­lung auf das Soka­SiG

Die kla­gen­de Sozi­al­kas­se hat ihre Kla­ge nicht geän­dert, indem sie sich in der Beru­fungs­in­stanz erst­mals auch auf das Soka­SiG als Gel­tungs­grund für die Ver­fah­rens­ta­rif­ver­trä­ge beru­fen hat.

Sozi­al­kas­sen­bei­trä­ge – und die Kla­ge­um­stel­lung auf das Soka­SiG

Die Sozi­al­kas­se hat­te im hier ent­schie­de­nen Fall bis zur letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung in der ers­ten Instanz an den All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­run­gen als Gel­tungs­grün­den fest­ge­hal­ten. Im zwei­ten Rechts­zug hat sie sich auch auf das Soka­SiG beru­fen.

Es han­delt sich um eine Anspruchs­kon­kur­renz inner­halb des­sel­ben Streit­ge­gen­stands. Bei­trags­an­sprü­che nach den Ver­fah­rens­ta­rif­ver­trä­gen, für deren Gel­tungs­er­stre­ckung sowohl eine All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung als auch § 7 Soka­SiG in Betracht kom­men, wer­den von dem­sel­ben den Streit­ge­gen­stand umgren­zen­den Lebens­sach­ver­halt erfasst [1].

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt muss nicht dar­über ent­schei­den, ob die wei­te­ren von der Sozi­al­kas­se her­an­ge­zo­ge­nen Anspruchs­grund­la­gen – die mate­ri­ell-recht­li­chen Tarif­ver­trä­ge des Bau­ge­wer­bes und ein aus sei­ner Sicht nach­wir­ken­der VTV – ande­re Streit­ge­gen­stän­de sind. Es han­del­te sich jeden­falls nicht um eine mit § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO unver­ein­ba­re alter­na­ti­ve Kla­ge­häu­fung [2]. Die Sozi­al­kas­se hat im vor­lie­gen­den Fall eine Rang­fol­ge der Anspruchs­grund­la­gen gebil­det und sich zuletzt vor­ran­gig auf das Soka­SiG, vor­sorg­lich auf die mate­ri­ell-recht­li­chen Tarif­ver­trä­ge und hilfs­wei­se auf einen – ver­meint­lich – nach­wir­ken­den Ver­fah­rens­ta­rif­ver­trag gestützt.

Auch die Ver­jäh­rung wur­de durch die Zustel­lung der Mahn­be­schei­de nach § 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB gehemmt. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Sozi­al­kas­se zur Begrün­dung der Ansprü­che als Gel­tungs­grund der Ver­fah­rens­ta­rif­ver­trä­ge zunächst die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung und erst im Ver­lauf des Rechts­streits das Soka­SiG her­an­ge­zo­gen hat. Bei den Bei­trags­an­sprü­chen han­delt es sich um den­sel­ben Streit­ge­gen­stand, unab­hän­gig davon, ob die Ver­fah­rens­ta­rif­ver­trä­ge auf­grund einer All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung oder nach § 7 Soka­SiG zur Anwen­dung kom­men (BAG 30. Okto­ber 2019 – 10 AZR 567/​17 – Rn. 37; 27. März 2019 – 10 AZR 318/​17 – Rn. 46).

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 22. Janu­ar 2020 – 10 AZR 387/​18

  1. BAG 30.10.2019 – 10 AZR 177/​18, Rn. 26; 28.08.2019 – 10 AZR 549/​18, Rn. 14; 3.07.2019 – 10 AZR 498/​17, Rn. 27; 8.05.2019 – 10 AZR 559/​17, Rn. 12; 27.03.2019 – 10 AZR 318/​17, Rn. 15; 20.11.2018 – 10 AZR 121/​18, Rn. 18 ff., BAGE 164, 201[]
  2. vgl. BAG 30.10.2019 – 10 AZR 177/​18, Rn. 27; 3.07.2019 – 10 AZR 499/​17, Rn. 40; 2.08.2018 – 6 AZR 437/​17, Rn. 18 mwN, BAGE 163, 205; BGH 21.11.2017 – II ZR 180/​15, Rn. 8[]