Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge für die Lebens­ver­si­che­rung

Kapi­tal­zah­lun­gen aus einer Direkt­le­bens­ver­si­che­rung unter­lie­gen der Bei­trags­pflicht zur gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung. Die ent­spre­chen­de Bestim­mung des Sozi­al­ge­setz­bu­ches sind, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in einer aktu­el­len Ent­schei­dung, mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.

Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge für die Lebens­ver­si­che­rung

Direkt­ver­si­che­run­gen sind meist eine Form der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung. Sie wer­den in der Regel als Lebens­ver­si­che­rung durch den Arbeit­ge­ber als Ver­si­che­rungs­neh­mer zuguns­ten des Arbeit­neh­mers als Bezugs­be­rech­tig­ten abge­schlos­sen. Als Ver­si­che­rungs­fall wird regel­mä­ßig die Voll­endung eines bestimm­ten Lebens­jah­res ver­ein­bart. Tritt der Ver­si­che­rungs­fall ein, kann die Direkt­ver­si­che­rung als fort­wäh­ren­de Leis­tung in Form eines regel­mä­ßi­gen, monat­li­chen Ver­sor­gungs­be­zugs oder als ein­ma­li­ger Kapi­tal­be­trag geleis­tet wer­den. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts zu der bis zum 31. Dezem­ber 2003 gül­ti­gen Rechts­la­ge unter­lag jedoch nur der fort­wäh­ren­de Ver­sor­gungs­be­zug aus einer Direkt­ver­si­che­rung unein­ge­schränkt der Bei­trags­pflicht in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung. Dem­ge­gen­über wur­de eine ein­ma­li­ge Kapi­tal­leis­tung aus der Direkt­ver­si­che­rung nicht von der Bei­trags­pflicht erfasst und zwar selbst dann nicht, wenn ursprüng­lich eine lau­fen­de Leis­tung ver­ein­bart wor­den war, sie aber noch vor Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les in eine Kapi­tal­leis­tung umge­wan­delt wur­de. Durch das Gesetz zur Moder­ni­sie­rung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung vom 14. Novem­ber 2003 sind die maß­geb­li­chen Bestim­mun­gen zum 1. Janu­ar 2004 geän­dert wor­den: Danach unter­liegt die als Kapi­tal­leis­tung erbrach­te Direkt­ver­si­che­rung nun­mehr unein­ge­schränkt der Bei­trags­pflicht in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, auch wenn eine ein­ma­li­ge Kapi­tal­zah­lung von Anfang an oder vor Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls ver­ein­bart wur­de.

Den bei­den Beschwer­de­füh­rern war aus einer vom Arbeit­ge­ber zu ihren Guns­ten abge­schlos­se­nen Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­rung ein Betrag von 22.950,51 Euro bzw. 86.331,31 Euro aus­be­zahlt wor­den. Hier­auf setz­ten die Kran­ken­kas­sen Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge in Höhe von monat­lich 29,07 Euro bzw. 107,19 Euro fest. Die hier­ge­gen gerich­te­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de war erfolg­los. Die 2. Kam­mer des Ers­ten Senats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts stell­te fest, dass die Her­an­zie­hung von Ver­sor­gungs­be­zü­gen in der Form der nicht wie­der­keh­ren­den Leis­tung zur Bei­trags­pflicht in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist.

Dem Nicht­an­nah­me­be­schluss des BVerfG lie­gen im Wesent­li­chen fol­gen­de Erwä­gun­gen zugrun­de:

Ein Ver­stoß gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz liegt nicht vor. Es kann kein wesent­li­cher Unter­schied bezüg­lich der beschäf­ti­gungs­be­zo­ge­nen Ein­nah­men zwi­schen lau­fend gezahl­ten Ver­sor­gungs­be­zü­gen und nicht regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen iden­ti­schen Ursprungs und glei­cher Zweck­set­zung, ins­be­son­de­re ein­ma­li­gen Kapi­tal­leis­tun­gen aus Direkt­ver­si­che­run­gen, fest­ge­stellt wer­den. Bei­de Leis­tun­gen knüp­fen an ein Dienst- oder Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis an und sind Teil einer ver­si­che­rungs­recht­lich orga­ni­sier­ten, durch Bei­trä­ge gespeis­ten zusätz­li­chen Alters­ver­sor­gung, wel­che dem Ver­si­cher­ten mit dem Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls einen unmit­tel­ba­ren Leis­tungs­an­spruch ver­mit­telt. Aus­gangs­punkt der gesetz­lich ange­ord­ne­ten Gleich­be­hand­lung der nicht wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen mit den lau­fen­den Ver­sor­gungs­be­zü­gen sind die mit dem Ver­si­che­rungs­fall ein­tre­ten­de Erhö­hung der Ein­nah­men des Ver­si­cher­ten und ihr Ziel der Alters­si­che­rung. Die im Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis wur­zeln­de, auf einer bestimm­ten Anspar­leis­tung wäh­rend des Erwerbs­le­bens beru­hen­de ein­ma­lig Zah­lung einer Kapi­tal­ab­fin­dung ist nicht grund­sätz­lich anders zu bewer­ten als eine auf glei­cher Anspar­leis­tung beru­hen­de, lau­fen­de Ren­ten­leis­tung; sie unter­schei­den sich allein durch die Art der Aus­zah­lung.

Die Bei­trags­pflicht ist auch ver­hält­nis­mä­ßig: Zwar stellt die auf zehn Jah­re begrenz­te Bei­trags­pflicht eine erheb­li­che Belas­tung der Betrof­fe­nen dar. Sie hat jedoch kei­ne grund­le­gen­de Beein­träch­ti­gung der Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se im Sin­ne einer erdros­seln­den Wir­kung zur Fol­ge.

Schließ­lich ver­stößt die Neu­re­ge­lung der Bei­trags­pflicht auf ein­ma­li­ge Kapi­tal­leis­tun­gen nicht gegen den rechts­staat­li­chen Ver­trau­ens­schutz. Sie gestal­tet ein öffent­lich­recht­li­ches Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis erst mit Wir­kung für die Zukunft. Im Übri­gen konn­ten die Betrof­fe­nen nicht in den Fort­be­stand der die ein­ma­li­gen Kapi­tal­leis­tun­gen gegen­über einem fort­wäh­ren­den Ver­sor­gungs­be­zug pri­vi­le­gie­ren­den Rechts­la­ge ver­trau­en.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 7. April 2008 – 1 BvR 1924/​07

  1. vgl. Graal­mann-Schee­rer, in: Löwe-Rosen­berg, StPO, 26. Aufl.2010, § 460 Rn. 44[]