Steht ein Reh am Stra­ßen­rand

Weicht ein Auto­fah­rer, der rechts am Wald­rand ein Reh ste­hen sieht, nach links aus, um einen etwai­gen Zusam­men­stoss zu ver­mei­den und gerät dadurch ins Schleu­dern, hat die Teil­kas­ko­ver­si­che­rung den Scha­den als soge­nann­ten Ret­tungs­kos­ten­er­satz zu erstat­ten, es sei denn, der Auto­fah­rer han­delt grob fahr­läs­sig.

Steht ein Reh am Stra­ßen­rand

Im Sep­tem­ber 2007 gegen Mit­ter­nacht fuhr die Toch­ter des spä­te­ren Klä­gers mit dem Auto ihres Vaters von Bad Tölz nach Die­trams­zell durch ein Wald­ge­biet. Plötz­lich sah sie in einer Rechts­kur­ve am rech­ten Fahr­bahn­rand ein Reh ste­hen. Die Fah­re­rin zog nach links, kam ins Schleu­dern und prall­te ins Unter­holz. Dadurch ent­stand ein Scha­den am Auto in Höhe von 4545 Euro. Der Vater wand­te sich an sei­ne Teil­kas­ko­ver­si­che­rung und ver­lang­te Ersatz des Scha­dens.

Die­se wei­ger­te sich zu bezah­len. Das Aus­weich­ma­nö­ver sei nicht erfor­der­lich gewe­sen, da das Reh nicht auf der Fahr­bahn gestan­den habe.

Des­halb klag­te der Vater vor dem AG Mün­chen und bekam von der zustän­di­gen Rich­te­rin Recht:

Der Klä­ger habe einen Anspruch auf Ersatz der soge­nann­ten Ret­tungs­kos­ten. Zwar sei ein Zusam­men­stoss mit dem Reh nicht unmit­tel­bar bevor­ge­stan­den. Aller­dings bestehe auch dann ein Anspruch auf Kos­ten­er­satz, wenn der Ver­si­che­rungs­neh­mer (und in die­sem Fall auch die Toch­ter) das die Kos­ten aus­lö­sen­de Ver­hal­ten für gebo­ten hal­ten durf­te. Dabei las­se nur gro­be Fahr­läs­sig­keit den Anspruch ent­fal­len. Die Fah­re­rin habe aber in die­sem Fall die im Ver­kehr erfor­der­li­che Sorg­falt nicht in unge­wöhn­lich hohem Maße ver­letzt, ihr Aus­wei­chen nach links sei ange­sichts der Gesamt­si­tua­ti­on nach­voll­zieh­bar. Sie habe ver­mei­den wol­len, dass es zu einem Zusam­men­stoss mit dem Reh kom­me, soll­te die­ses auf­ge­schreckt auf die Fahr­bahn ren­nen und habe ihre Bei­fah­rer schüt­zen wol­len. Dabei sei auch zu berück­sich­ti­gen, dass die Fah­re­rin erst 2 ½ Mona­te ihren Füh­rer­schein gehabt hat­te und daher sub­jek­tiv von einem ande­ren Ver­schul­dens­maß­stab aus­zu­ge­hen sei.

Urteil des AG Mün­chen vom 11. Juli 08 – 345 C 3874/​08