Steu­er­li­che Rück­ab­wick­lung eines Fonds­fi­nan­zie­rungs­dar­le­hens

Der für das Bank- und Bör­sen­recht zustän­di­ge XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat­te über die Rechts­fra­ge der Anrech­nung von Steu­er­vor­tei­len bei der Rück­ab­wick­lung eines finan­zier­ten Fond­ser­werbs zu ent­schei­den.

Steu­er­li­che Rück­ab­wick­lung eines Fonds­fi­nan­zie­rungs­dar­le­hens

Die Klä­ge­rin und ihr Ehe­mann waren im Jahr 1994 von einem Ver­mitt­ler in ihrer Woh­nung über­re­det wor­den, Antei­le an einem geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds zu erwer­ben und die­sen Erwerb durch ein Dar­le­hen des beklag­ten Kre­dit­in­sti­tuts zu finan­zie­ren. Eine Beleh­rung über ihr Recht zum Wider­ruf nach dem Haus­tür­wi­der­rufs­ge­setz (HWiG) wur­de ihnen vor Abschluss des Dar­le­hens­ver­tra­ges nicht erteilt. Im Jahr 2000 wider­rie­fen sie den Dar­le­hens­ver­trag nach § 1 HWiG und nah­men das beklag­te Kre­dit­in­sti­tut auf Rück­zah­lung der auf das Dar­le­hen geleis­te­ten Zah­lun­gen sowie auf Fest­stel­lung, dass ihm kei­ne Ansprü­che aus dem Dar­le­hens­ver­trag zuste­hen, Zug um Zug gegen Abtre­tung der finan­zier­ten Fonds­an­tei­le in Anspruch. Das Ober­lan­des­ge­richt hat der Kla­ge im Wesent­li­chen statt­ge­ge­ben, aber die erziel­ten Steu­er­vor­tei­le von 6.913,64 ? anspruchs­min­dernd berück­sich­tigt und inso­weit die Kla­ge abge­wie­sen. Die vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on der Klä­ge­rin, mit der sie sich gegen die anspruchs­min­dern­de Berück­sich­ti­gung der Steu­er­vor­tei­le gewandt hat, hat­te kei­nen Erfolg.

Unter Ände­rung sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung hat der Bun­des­ge­richts­hof jetzt ent­schie­den, dass es bei der umfas­sen­den Rück­ab­wick­lung eines nach § 1 HWiG wider­ru­fe­nen Dar­le­hens­ver­tra­ges, der mit einem finan­zier­ten Fonds­an­teils­er­werb ein ver­bun­de­nes Geschäft im Sin­ne von § 9 Ver­brKrG bil­det, mit dem Sinn und Zweck des § 3 HWiG nicht zu ver­ein­ba­ren ist, wenn der Anle­ger nach Rück­ab­wick­lung der kre­dit­fi­nan­zier­ten Fonds­be­tei­li­gung bes­ser stün­de als er ohne die­se Betei­li­gung gestan­den hät­te. Es ent­spre­che daher der Bil­lig­keit, so der BGH, dass unver­fall­ba­re und nicht ander­wei­tig erziel­ba­re Steu­er­vor­tei­le den Rück­for­de­rungs­an­spruch des Dar­le­hens­neh­mers gegen die finan­zie­ren­de Bank in ent­spre­chen­der Anwen­dung des scha­dens­er­satz­recht­li­chen Rechts­ge­dan­kens der Vor­teils­aus­glei­chung min­dern.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. April 2007 – XI ZR 17/​06