Über­hang­man­da­te und die klei­nen Par­tei­en

Bei einer Kom­mu­nal­wahl in Nord­rhein-West­fa­len erfolgt die Ver­tei­lung der Rats­sit­ze in einem zwei­stu­fi­gen Stu­fen (§ 33 Abs. 2 und 3 KWahlG i. V. m. § 61 Abs. 5 KWahlO): Zunächst folgt eine Sitz­zu­tei­lung nach der erreich­ten Stim­men­zahl, sodann erfolgt ggfs. in einer zwei­ten Stu­fe ein Ver­hält­nis­aus­gleich wegen ent­stan­de­ner Über­hang­man­da­te, an dem aller­dings nur die Par­tei­en teil­neh­men, die bereits in der ers­ten Stu­fe min­des­tens einen Sitz errun­gen haben, § 61 Abs. 5 KWahlO.

Über­hang­man­da­te und die klei­nen Par­tei­en

Die­se Rege­lung beur­teil­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len nun in zwei Ent­schei­dun­gen als mit dem Grund­satz der Wahl­rechts­gleich­heit ver­ein­bar. Die „Demo­kra­ti­sche Initia­ti­ve Heins­berg“ (DIHS) erhält damit kei­nen Sitz im Rat der Stadt Erkel­enz, eben­so wenig wie die "Euro­päi­sche Lis­te Aachen" (ELA) im Rat der Stadt Aachen.

In bei­den Fäl­len strit­ten die Betei­lig­ten um die Neu­fest­stel­lung des Ergeb­nis­ses der Wahl zum Rat der Stadt Erkel­enz bzw. zum Rat der Stadt Aachen vom 30. August 2009. An die­ser Kom­mu­nal­wahl nahm in Erkel­enz auch die DIHS und in Aachen die ELA teil. Nach dem amt­li­chen End­ergeb­nis­sen der Kom­mu­nal­wah­len in Erkel­enz und Aachen wur­de der DIHS bzw. der ELA kein Sitz im Stadt­rat zuge­teilt; ins­be­son­de­re wur­den sie als bei der ers­ten Berech­nung der Sitz­zu­tei­lung erfolg­los geblie­be­ne Wäh­ler­grup­pe beim durch ent­stan­de­ne Über­hang­man­da­te erfor­der­lich gewor­de­nen Ver­hält­nis­aus­gleich nicht berück­sich­tigt. Dage­gen klag­ten sowohl die DIHS wie auch die ELA mit dem Ziel, dass ihr im Wege der Neu­fest­stel­lung des Wahl­er­geb­nis­ses ein Sitz im Rat der Stadt Erkel­enz bzw. der Stadt Aachen zuge­spro­chen wer­de. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen gab den Kla­gen der bei­den Par­tei­en statt.

Den gegen die bei­den Urtei­le des Ver­wal­tungs­ge­richts Aachen ein­ge­leg­ten Beru­fun­gen der Stadt Erkel­enz bzw. der Stadt Aachen (Beklag­te) hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter nun statt­ge­ge­ben:

Die Ableh­nung der Stadt, die Fest­stel­lung des Ergeb­nis­ses der Wahl zum Stadt­rat vom 1. Sep­tem­ber 2009 für ungül­tig zu erklä­ren und eine Neu­fest­stel­lung anzu­ord­nen, sei recht­lich nicht zu bean­stan­den. Die Zutei­lung der Sit­ze gemäß § 33 Abs. 2 und 3 KWahlG i. V. m. § 61 Abs. 5 KWahlO sei ord­nungs­ge­mäß vor­ge­nom­men wor­den. Des­halb habe die DIHS auch kei­nen Anspruch auf einen Sitz im Rat der Stadt. Die Sitz­zu­tei­lung und –ver­tei­lung erfol­ge nach der gesetz­li­chen Kon­struk­ti­on in einem gestuf­ten Ver­fah­ren. Blei­be eine Wäh­ler­grup­pie­rung auf der ers­ten Stu­fe erfolg­los, reich­ten ihre Stim­men also bei der der Sitz­zu­tei­lung zugrun­de lie­gen­den Aus­gangs­be­rech­nung nicht für die Erlan­gung eines ers­ten Sit­zes aus, neh­me sie nicht mehr an einem – wie hier – wegen ent­stan­de­ner Über­hang­man­da­te vor­zu­neh­men­den Ver­hält­nis­aus­gleich teil. Das besa­ge § 61 Abs. 5 KWahlO aus­drück­lich. Die­se Rege­lung sei auch rechts­wirk­sam. Sie ände­re die maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten des Kom­mu­nal­wahl­ge­set­zes nicht ab, son­dern kon­kre­ti­sie­re die­se ledig­lich unter Beach­tung des Grund­sat­zes der Wahl­rechts­gleich­heit.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom 25. März 2011 – 15 A 1515/​10 (DIHS) sowie 15 A 1641/​10 und 15 A 1642/​10 (ELA)