Urlaubs­ent­gelt im Bau­ge­wer­be

Nach § 8.4.1 i.V. mit § 8.4.2 Bun­des­rah­men­ta­rif­ver­trag für das Bau­ge­wer­be (BRTV) min­dern Krank­heits­zei­ten mit Kran­ken­geld­be­zug das Urlaubs­ent­gelt des Fol­ge­jah­res, weil sie die Jah­res­brut­to­lohn­sum­me als Bemes­sungs­grund­la­ge nicht erhö­hen und ent­ge­gen frü­he­ren tarif­li­chen Rege­lun­gen (§ 8.5 BRTV) kei­ne Aus­gleichs­bei­trä­ge gezahlt wer­den. Damit gewähr­leis­ten die tarif­li­chen Urlaubs­ent­geltre­ge­lun­gen des § 8.4 BRTV im Fal­le des Kran­ken­geld­be­zugs ent­ge­gen § 1 BUr­lG nicht, dass das Urlaubs­ent­gelt im Wesent­li­chen dem Arbeits­ver­dienst bei Wei­ter­ar­beit ent­spricht.

Urlaubs­ent­gelt im Bau­ge­wer­be

Die Abwei­chung von der zwin­gen­den Rege­lung des § 1 BUr­lG ist nicht durch die Öff­nungs­klau­sel des § 13 Abs. 2 BUr­lG gedeckt. Die Min­de­rung des Urlaubs­ent­gelts nach Kran­ken­geld­be­zug im Vor­jahr ist nicht zur Siche­rung eines zusam­men­hän­gen­den Jah­res­ur­laubs im Bau­ge­wer­be erfor­der­lich. Die Urlaubs­ent­geltre­ge­lun­gen des § 8.4 BRTV ver­sto­ßen folg­lich in den Fäl­len des Kran­ken­geld­be­zugs im Vor­jahr gegen § 13 Abs. 1 BUr­lG und sind des­halb in die­sen Fäl­len unwirk­sam. Es kommt § 11 BUr­lG zur Anwen­dung.

Dar­über hin­aus sind die Urlaubs­ent­geltre­ge­lun­gen des § 8.4 BRTV in Fäl­len des vor­jäh­ri­gen Kran­ken­geld­be­zugs gem. § 7 Abs. 2 i.V. mit Abs. 1 AGG unwirk­sam. Sie benach­tei­li­gen mit­tel­bar älte­re und schwer­be­hin­der­te Arbeit­neh­mer, weil die­se ein höhe­res Gesund­heits­ri­si­ko tra­gen als ihre jün­ge­ren und nicht behin­der­ten Kol­le­gen.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 24. Febru­ar 2012 – 12 Sa 40/​11