Urteils­ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Monatsfrist

Eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist unzu­läs­sig, wenn nicht geprüft wer­den kann, ob sie frist­ge­mäß erho­ben wur­de, weil eine schlüs­si­ge Dar­le­gung fehlt, dass die ein­mo­na­ti­ge Frist zur Erhe­bung und Begrün­dung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de gemäß § 93 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG ein­ge­hal­ten ist1

Urteils­ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Monatsfrist

So auch bei der vor­lie­gen­den Verfassungsbeschwerde:

Nach Dar­stel­lung des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main im Beschluss vom 04.09.2018 und aus­weis­lich des vor­ge­leg­ten Anschrei­bens an Ver­tei­di­ger S. wur­de eine Über­sen­dung des ange­grif­fe­nen Beschlus­ses des Ober­lan­des­ge­richts vom 10.04.2018 bereits am 12.04.2018 an bei­de Ver­tei­di­ger sowie an die Beschwer­de­füh­re­rin selbst ange­ord­net. Aus­weis­lich eines Ein­gangs­stem­pels ging der Beschluss am 26.04.2018 bei Ver­tei­di­ger S. (Kanz­lei­nie­der­las­sung Ber­lin) form­los ein. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ent­hält hin­ge­gen kei­ne Anga­ben dazu, ob und wann der ange­grif­fe­ne Beschluss der Beschwer­de­füh­re­rin per­sön­lich sowie gege­be­nen­falls auch Ver­tei­di­ger K. (Kanz­lei­nie­der­las­sung Mün­chen) bekannt­ge­ge­ben wor­den ist. Da die ers­te Bekannt­ga­be für den Frist­be­ginn des § 93 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG aus­schlag­ge­bend ist, wäre ein sub­stan­ti­ier­ter Vor­trag zu den drei mög­li­chen Bekannt­ga­be­zeit­punk­ten erfor­der­lich gewesen. 

Hier­an ver­mag auch die von der Beschwer­de­füh­re­rin ein­ge­leg­te Anhö­rungs­rü­ge nichts zu ändern, da die­se wegen ihrer offen­sicht­li­chen Aus­sichts­lo­sig­keit unge­eig­net war, den Ablauf der Monats­frist zu unter­bre­chen2. Denn das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main hat die Anhö­rungs­rü­ge mit Beschluss vom 04.09.2018 in ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se maß­geb­lich des­halb als unzu­läs­sig ver­wor­fen, weil die Beschwer­de­füh­re­rin bezie­hungs­wei­se ihre Ver­tei­di­ger im Anhö­rungs­rü­ge­ver­fah­ren ihrer Oblie­gen­heit zur Mit­tei­lung der drei ver­schie­de­nen Kennt­nis­zeit­punk­te in Bezug auf den Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main vom 10.04.2018 gemäß § 356a Satz 2 und Satz 3 StPO in Ver­bin­dung mit § 79 Abs. 3 Satz 1 OWiG nicht nach­ge­kom­men sind. 

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 7. Juli 2021 – 2 BvR 2200/​18

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 12.06.2014 – 2 BvR 1004/​13, Rn. 5 ff.; Beschluss vom 11.07.2018 – 2 BvR 1548/​14, Rn. 15; Beschluss vom 24.02.2021 – 2 BvR 428/​18, Rn. 2 ff.; Beschluss vom 29.04.2021 – 2 BvR 1543/​20, Rn. 6 ff.; vgl. auch VerfGH Leip­zig, Beschluss vom 30.11.2017 – Vf. 122-IV-17 u.a., Rn. 15 ff.[]
  2. vgl. BVerfGE 134, 106 <113 f. Rn. 23> stRspr[]