Ver­fas­sungs­be­schwer­de per Telefax

Die Monats­frist zur Ein­le­gung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de wird durch Über­mitt­lung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de­schrift per Fax ohne ange­grif­fe­nen Hoheits­akt und sons­ti­ge Unter­la­gen nicht gewahrt.

Ver­fas­sungs­be­schwer­de per Telefax

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist in die­sem Fall unzu­läs­sig, da die Beschwer­de­füh­re­rin die Monats­frist zur Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nach § 93 Abs. 1 BVerfGG nicht gewahrt hat.

Die frist­ge­rech­te Begrün­dung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de erfor­dert nach § 92 in Ver­bin­dung mit § 23 Abs. 1 Satz 2 BVerfGG auch, dass der ange­grif­fe­ne Hoheits­akt sowie die zu sei­nem Ver­ständ­nis not­wen­di­gen Unter­la­gen inner­halb der Frist des § 93 Abs. 1 BVerfGG in Ablich­tung vor­ge­legt oder zumin­dest ihrem Inhalt nach so dar­ge­stellt wer­den, dass eine ver­ant­wort­ba­re ver­fas­sungs­recht­li­che Beur­tei­lung mög­lich ist [1]. Es genügt ins­be­son­de­re nicht, allei­ne die Ver­fas­sungs­be­schwer­de­schrift fris­t­wah­rend per Fax zu über­mit­teln und die ange­grif­fe­nen Hoheits­ak­te und sons­ti­ge Anla­gen erst nach­träg­lich, also nach Ablauf der Beschwer­de­frist, per Post ein­zu­rei­chen [2]

Im hier ent­schie­de­nen Fall ist allei­ne die vor­ab per Fax über­sand­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de­schrift frist­ge­recht ein­ge­gan­gen. Dem Fax waren dabei weder die ange­grif­fe­nen Hoheits­ak­te noch sons­ti­ge Anla­gen bei­gefügt, die zum Ver­ständ­nis des Gesche­hens not­wen­dig sind. Eine aus­rei­chen­de inhalt­li­che Wie­der­ga­be ent­hielt die Ver­fas­sungs­be­schwer­de­schrift eben­falls nicht. Das Ori­gi­nal der Ver­fas­sungs­be­schwer­de – samt ange­grif­fe­ner Hoheits­ak­te und wei­te­rer Anla­gen – hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erst nach Frist­ab­lauf erreicht. 

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 1. Okto­ber 2020 – 2 BvR 329/​19

Verfassungsbeschwerde per Telefax
  1. vgl. BVerfGE 78, 320 <327> 88, 40 <45 f.> 93, 266 <288>[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 11.05.2005 – 2 BvR 176/​05 3; Beschluss vom 28.11.2007 – 1 BvR 2755/​07; Beschluss vom 13.08.2013 – 2 BvR 2660/​06 u.a.[]