Ver­ga­be von Funk­fre­quen­zen

Vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat­ten jetzt meh­re­re Kla­gen gegen Ent­schei­dun­gen der Bun­des­netz­agen­tur über die Ver­ga­be von Funk­fre­quen­zen teil­wei­se Erfolg. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat einen Teil des Streit­stoffs zur wei­te­ren Auf­klä­rung des Sach­ver­halts an das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln zurück­ver­wie­sen.

Ver­ga­be von Funk­fre­quen­zen

Die Klä­ge­rin betreibt ein eige­nes Funk­netz auf der Grund­la­ge von Fre­quenz­nut­zungs­rech­ten, die ihr ab 1999 befris­tet bis 2007 zuge­teilt wor­den waren, aber trotz eines ent­spre­chen­den Antra­ges nicht ver­län­gert wor­den sind. Nach­dem die Bun­des­netz­agen­tur bereits im Jahr 2005 ein Ver­fah­ren zur Ver­ga­be von Funk­fre­quen­zen ver­schie­de­ner Fre­quenz­be­rei­che – u.a. in dem von der Klä­ge­rin genutz­ten Fre­quenz­be­reich von 2,6 GHz – eröff­net hat­te, erließ sie schließ­lich mit der hier ange­grif­fe­nen Ver­fü­gung vom 12. Okto­ber 2009 ver­schie­de­ne Ent­schei­dun­gen. Es han­delt sich im ein­zel­nen um die Anord­nung, dass der Zutei­lung sämt­li­cher zu einem gemein­sa­men Ver­fah­ren ver­bun­de­ner Fre­quen­zen ein­schließ­lich der­je­ni­gen, die die Klä­ge­rin für sich bean­sprucht, ein Ver­ga­be­ver­fah­ren vor­an­zu­ge­hen hat, die Ent­schei­dung, dass die Ver­ga­be in Form eines Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­rens durch­zu­füh­ren ist, die Fest­le­gung von Ver­ga­be­be­din­gun­gen und den Erlass von Ver­stei­ge­rungs­re­geln.

Gegen die­se vier Anord­nun­gen erhob die Klä­ge­rin Kla­gen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Köln. Nach Abwei­sung der Kla­gen durch das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln fand im April und Mai 2010 das Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren statt, zu dem die Klä­ge­rin nicht zuge­las­sen wur­de. Mit der Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bezweck­te sie, der umstrit­te­nen Fre­quenz­ver­ga­be nach­träg­lich die Grund­la­ge ent­zie­hen.

In den Streit­sa­chen gegen die Anord­nung, dass der Zutei­lung sämt­li­cher Fre­quen­zen ein Ver­ga­be­ver­fah­ren vor­an­zu­ge­hen hat 1, und gegen die Ent­schei­dung für die Ver­ga­be in Form eines Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­rens 2 ist der ent­schei­dungs­er­heb­li­che Sach­ver­halt nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts bis­lang nicht voll­stän­dig auf­ge­klärt. Das betrifft zum einen die Fre­quenz­knapp­heit als Vor­aus­set­zung für die Anord­nung eines Ver­ga­be­ver­fah­rens. Ein das Fre­quenz­an­ge­bot über­stei­gen­der Bedarf, bezo­gen auf den Zeit­punkt der Ver­ga­be­ent­schei­dung und die Gesamt­heit der zur gemein­sa­men Ver­ga­be ver­bun­de­nen Fre­quen­zen, wur­de nicht hin­rei­chend fest­ge­stellt. Auch ist nicht genü­gend geklärt, ob und inwie­weit auf dem­sel­ben sach­lich und räum­lich rele­van­ten Markt, auf dem die neu ver­ge­be­nen Funk­fre­quen­zen ver­wen­det wer­den dür­fen, in der Ver­gan­gen­heit bereits Fre­quen­zen ohne Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren zuge­teilt wor­den sind. Eine dahin­ge­hen­de Fest­stel­lung hat regel­mä­ßig wesent­li­che Bedeu­tung für die Beur­tei­lung der Fra­ge, ob die Ver­stei­ge­rung das geeig­ne­te Ver­fah­ren für die Ver­ga­be (auch) der nun­mehr ver­füg­ba­ren Fre­quen­zen dar­stellt. Da das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die feh­len­den Fest­stel­lun­gen nicht selbst tref­fen konn­te, hat es die Sache inso­weit an das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln zurück­ver­wie­sen.

Falls die Ent­schei­dun­gen der Bun­des­netz­agen­tur für ein Ver­ga­be­ver­fah­ren in Form eines Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­rens der erneu­ten Über­prü­fung stand­hal­ten, bestehen gegen die Fest­le­gung der gleich­falls ange­grif­fe­nen Ver­ga­be­be­din­gun­gen 3 und der Ver­stei­ge­rungs­re­geln 4 für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kei­ne durch­grei­fen­den Beden­ken.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 22. Juni 2011 – 6 C 3.10, 5.10, 40.10 und 41.10

  1. BVerwG 6 C 3.10[]
  2. BVerwG 6 C 5.10[]
  3. BVerwG 6 C 40.10[]
  4. BVerwG 6 C 41.10[]