Ver­län­ge­rung einer Auf­ent­halts­er­laub­nis zu Stu­di­en­zwe­cken

Nach § 16 Auf­en­thG kann einem Aus­län­der zum Zwe­cke der Stu­di­en­be­wer­bung (§ 16 Abs. 1a Satz 1 Auf­en­thG) und zum Zwe­cke des Stu­di­ums (§ 16 Abs. 1 Satz 1 Auf­en­thG) an einer staat­li­chen oder staat­lich aner­kann­ten Hoch­schu­le oder ver­gleich­ba­ren Aus­bil­dungs­ein­rich­tung im Bun­des­ge­biet eine Auf­ent­halts­er­laub­nis erteilt wer­den. Letzt­ge­nann­ter Auf­ent­halts­zweck umfasst nach § 16 Abs. 1 Satz 2 Auf­en­thG auch stu­di­en­vor­be­rei­ten­de Sprach­kur­se sowie den Besuch eines Stu­di­en­kol­legs (stu­di­en­vor­be­rei­ten­de Maß­nah­men 1). Der Auf­ent­halt als Stu­di­en­be­wer­ber darf höchs­tens neun Mona­te betra­gen (§ 16 Abs. 1a Satz 2 Auf­en­thG). Die Gel­tungs­dau­er bei der Erstertei­lung und Ver­län­ge­rung der Auf­ent­halts­er­laub­nis für ein Stu­di­um beträgt hin­ge­gen min­des­tens ein Jahr und soll bei Stu­di­um und stu­di­en­vor­be­rei­ten­den Maß­nah­men zwei Jah­re nicht über­schrei­ten; sie kann ver­län­gert wer­den, wenn der Auf­ent­halts­zweck noch nicht erreicht ist und in einem ange­mes­se­nen Zeit­raum noch erreicht wer­den kann (§ 16 Abs. 1 Satz 5 Auf­en­thG).

Ver­län­ge­rung einer Auf­ent­halts­er­laub­nis zu Stu­di­en­zwe­cken

Der Gesetz­ge­ber geht davon aus, dass stu­di­en­vor­be­rei­ten­de Maß­nah­men regel­mä­ßig inner­halb eines Zeit­raums von zwei Jah­ren erfolg­reich absol­viert wer­den kön­nen 2.

Die Aus­ge­stal­tung als Soll­vor­schrift lässt zwar Aus­nah­men bei aty­pi­schen Sach­ver­hal­ten zu; § 16 Abs. 1 Satz 5 Halb­satz 2 Auf­en­thG gestat­tet die Ver­län­ge­rung einer Auf­ent­halts­er­laub­nis zu Stu­di­en­zwe­cken auch nach Ablauf einer Gül­tig­keits­dau­er von zwei Jah­ren, sofern der Auf­ent­halts­zweck in einem ange­mes­se­nen Zeit­raum noch erreicht wer­den kann. Wegen der strik­ten Zweck­bin­dung der Auf­ent­halts­er­laub­nis zu Stu­di­en­zwe­cken kommt eine sol­che Ver­län­ge­rung aber nur in Betracht, wenn die Grün­de für die Ver­zö­ge­rung einen unmit­tel­ba­ren Bezug zum ange­streb­ten Aus­bil­dungs- und Stu­di­en­zweck haben, nicht aber aus all­ge­mei­nen Bil­lig­keits- und Här­te­er­wä­gun­gen 3. In ers­ter Linie kön­nen dies krank­heits- oder schwan­ger­schafts­be­ding­te Ver­zö­ge­run­gen der stu­di­en­vor­be­rei­ten­den Maß­nah­men bzw. Ver­zö­ge­run­gen, die nicht in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Aus­län­ders fal­len, sein 4.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 1. Dezem­ber 2010 – 8 ME 292/​10

  1. vgl. Art. 2 Buchst. b) Richt­li­nie 2004/​114/​EG des Rates vom 13. Dezem­ber 2004 über die Bedin­gun­gen für die Zulas­sung von Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen zur Absol­vie­rung eines Stu­di­ums oder zur Teil­nah­me an einem Schü­ler­aus­tausch, einer unbe­zahl­ten Aus­bil­dungs­maß­nah­me oder einem Frei­wil­li­gen­dienst, ABl. EU L 375, S. 12[]
  2. vgl. Baye­ri­scher VGH, Beschluss vom 20.07.2007 – 19 CS 07.1363; Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung, Ent­wurf eines Geset­zes zur Umset­zung auf­ent­halts- und asyl­recht­li­cher Richt­li­ni­en der Euro­päi­schen Uni­on, BT-Drs. 16/​5065, S. 165; Nr. 16.0.6 All­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­vor­schrift zum Auf­ent­halts­ge­setz – AVwV Auf­en­thG – vom 26.10.2009, GMBl. S. 877[]
  3. vgl. Storr/​Wenger/​Eberle/​Albrecht/​Harms, Zuwan­de­rungs­recht, 2. Aufl., Auf­en­thG, § 16 Rn. 18[]
  4. vgl. Nie­der­säch­si­sches OVG, Beschluss vom 07.04.2006 – 9 ME 257/​05; VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 19.03.2003 – 13 S 2578/​02; Hail­bron­ner, Aus­län­der­recht, Stand: August 2010, Auf­en­thG, § 16 Rn. 43[]