Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs bei Erlass eines Gerichts­be­scheids

Die Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Finanz­ge­richt dient dazu, die Spruch­rei­fe der Kla­ge her­bei­zu­füh­ren. Dem­entspre­chend hat das Gericht nur das auf­zu­klä­ren, was aus sei­ner mate­ri­ell-recht­li­chen Sicht ent­schei­dungs­er­heb­lich ist1.

Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs bei Erlass eines Gerichts­be­scheids

Der Erlass eines Gerichts­be­schei­des ver­letzt den Anspruch auf recht­li­ches Gehör auch dann nicht, wenn das Gericht den Betei­lig­ten zuvor kei­ne Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me gege­ben hat, ob durch Gerichts­be­scheid ent­schie­den wer­den soll, denn die Betei­lig­ten haben durch die Mög­lich­keit, münd­li­che Ver­hand­lung zu bean­tra­gen, hin­rei­chend Gele­gen­heit, recht­lich gehört zu wer­den2.

Selbst wenn man mit der Gegen­mei­nung3, der der Bun­des­fi­nanz­hof nicht folgt, einen Ver­fah­rens­feh­ler anneh­men wür­de, wäre die­ser durch den Antrag auf münd­li­che Ver­hand­lung geheilt. Denn gemäß § 90a Abs. 3 FGO gilt der Gerichts­be­scheid als nicht ergan­gen, wenn ‑wie hier- recht­zei­tig Antrag auf münd­li­che Ver­hand­lung gestellt wird.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 2. April 2014 – V R 62/​10

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 27.04.2012 – III B 238/​11, BFH/​NV 2012, 1321, Leit­satz 1 und Nr. 1 []
  2. Beermann/​Gosch, § 90a FGO Rz 20; Schall­mo­ser in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 90a FGO Rz 39; Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 90a FGO Rz 4 []
  3. Gräber/​Koch, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 90a Rz 6 []