Wider­ruf eines Zuwen­dungs­be­schei­des – und der Beginn der Jah­res­frist

Die Jah­res­frist für den Wider­ruf eines Zuwen­dungs­be­schei­des beginnt zu lau­fen, wenn die Sache ent­schei­dungs­reif ist. Ist sie ver­stri­chen, bevor die Behör­de den Wider­ruf ver­fügt, so wird sie auch dann nicht wie­der in Lauf gesetzt, wenn der Betrof­fe­ne dem Wider­ruf wider­spricht und die Behör­de dem Wider­spruch auf­grund ergän­zen­der Ermitt­lun­gen teil­wei­se statt­gibt.

Wider­ruf eines Zuwen­dungs­be­schei­des – und der Beginn der Jah­res­frist

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fall ging es um ein Unter­neh­men mit zwei Beher­ber­gungs­be­trie­ben, die durch das Elbe­hoch­was­ser im August 2002 erheb­lich beschä­digt wor­den waren. Zur Besei­ti­gung der Hoch­was­ser­schä­den bewil­lig­te die beklag­te Säch­si­sche Auf­bau­bank (SAB) der Unter­neh­me­rin zwi­schen Novem­ber 2002 und Juni 2003 meh­re­re Sub­ven­tio­nen. 2005 leg­te die Unter­neh­me­rin Ver­wen­dungs­nach­wei­se vor, deren abschlie­ßen­de Prü­fung im April 2007 Anlass zu meh­re­ren Bean­stan­dun­gen gab. Die Säch­si­sche Auf­bau­bank hör­te die Unter­neh­me­rin hier­zu an, wor­auf­hin im Juli 2008 ein Erör­te­rungs­ter­min statt­fand. Dabei wur­de der Unter­neh­me­rin nach­ge­las­sen, zur Besei­ti­gung der von der KfW geäu­ßer­ten Zwei­fel bis zum 1. Sep­tem­ber 2008 eine ergän­zen­de Beschei­ni­gung ihres Steu­er­be­ra­ters vor­zu­le­gen. Davon mach­te die Unter­neh­me­rin kei­nen Gebrauch.

Ende Sep­tem­ber 2010 stell­te die Säch­si­sche Auf­bau­bank fest, dass sich die jewei­li­gen Zuwen­dungs­be­trä­ge um näher bestimm­te Teil­be­trä­ge redu­ziert hät­ten, und ver­lang­te von der Unter­neh­me­rin Erstat­tung nebst Zin­sen. Mit Wider­spruchs­be­schei­den vom 24. Janu­ar 2012 stütz­te sie dies zusätz­lich auf ent­spre­chen­de Teil­wi­der­ru­fe der Bewil­li­gungs­be­schei­de. In eini­gen Ver­fah­ren führ­te das Vor­brin­gen der Unter­neh­me­rin im Wider­spruchs­ver­fah­ren zu einer Ver­rin­ge­rung der Erstat­tungs­be­trä­ge.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den hat die Kla­gen jeweils abge­wie­sen 1. Das Säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Baut­zen hat dage­gen den Beru­fun­gen der Unter­neh­me­rin statt­ge­ge­ben und die Rück­for­de­rungs­be­schei­de auf­ge­ho­ben, weil die­se ver­spä­tet erlas­sen wor­den sei­en 2. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die hier­ge­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen der Säch­si­schen Auf­bau­bank zurück­ge­wie­sen:

Es habe sich, befand das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, jeweils um eine Fest­be­trags­för­de­rung gehan­delt, von der sich die Behör­de spä­ter nur im Wege der Rück­nah­me oder – wie hier – im Wege des Wider­rufs habe distan­zie­ren kön­nen. Rück­nah­me und Wider­ruf sei­en aber nur inner­halb eines Jah­res nach dem Zeit­punkt zuläs­sig, zu dem die Behör­de Kennt­nis von dem Rück­nah­me- oder Wider­rufs­grund sowie von den mög­li­cher­wei­se ent­ge­gen­ste­hen­den Belan­gen des Betrof­fe­nen erlangt habe. Letz­te­res set­ze des­sen Anhö­rung und Stel­lung­nah­me vor­aus; wer­de hier­zu, wie üblich und emp­feh­lens­wert, eine Frist gesetzt, so müs­se die­se abge­war­tet wer­den. Wür­den hier­durch nicht zusätz­li­che Ermitt­lun­gen ver­an­lasst, so sei die Sache ent­schei­dungs­reif, und die Jah­res­frist begin­ne zu lau­fen. So lie­ge es hier, nach­dem die Unter­neh­me­rin von der bis zum 1. Sep­tem­ber 2008 ein­ge­räum­ten Mög­lich­keit, eine ergän­zen­de Beschei­ni­gung des Steu­er­be­ra­ters ein­zu­rei­chen, kei­nen Gebrauch gemacht habe. Weil die Säch­si­sche Auf­bau­bank die Frist habe ver­strei­chen las­sen, und sei es in Ver­ken­nung der Rechts­la­ge, so sei die erst nach mehr als zwei Jah­ren ver­füg­te Rück­for­de­rung wegen des in Rede ste­hen­den Wider­rufs­grun­des nicht mehr zuläs­sig. Dar­an ände­re es nichts, dass die Unter­neh­me­rin gegen die gleich­wohl ver­spä­tet noch erlas­se­nen Rück­for­de­rungs­be­schei­de Wider­spruch ein­ge­legt und die­sen mit zusätz­li­chen Erwä­gun­gen begrün­det habe; eben­so­we­nig, dass die Säch­si­sche Auf­bau­bank dar­auf­hin zusätz­li­che Ermitt­lun­gen ein­ge­lei­tet und eini­gen Wider­sprü­chen aus Sach­grün­den teil­wei­se statt­ge­ge­ben habe.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 23. Janu­ar 2019 – 10 C 5.1710 C 6.17 und 10 C 7.17

  1. VG Dres­den, Urtei­le vom 21.03.2014 – 2 K 305/​12; 2 K 306/​12 und 2 K 307/​12[]
  2. Sächs. OVG, Urtei­le vom 18.05.2016 – 1 A 514/​14; 1 A 515/​14 und 1 A 517/​14[]