Wind­ener­gie – auf dem kur­zen Weg ins Netz

Ein Strom­netz­be­trei­ber muss eine Wind­kraft­an­la­ge an die nächst­ge­le­ge­ne Ver­knüp­fungs­stel­le in sei­nem Netz anschlie­ßen und macht sich bei einem schuld­haf­ten Ver­stoß gegen die­se Pflicht scha­dens­er­satz­pflich­tig.

Wind­ener­gie – auf dem kur­zen Weg ins Netz

In dem jetzt vom Ober­lan­des­ge­richt Hamm ent­schie­de­nen Rechts­streit hat­te die beklag­te Netz­be­trei­be­rin die Wind­kraft­an­la­ge der Klä­ge­rin nicht an der stand­ort­na­hen Ver­knüp­fungs­stel­le, son­dern an einen wei­ter ent­fernt lie­gen­den Punkt ihres Net­zes ange­schlos­sen. Sie hat­te eine Über­las­tung der stand­ort­nä­he­ren Anschluss­stel­le befürch­tet und aus Kos­ten­grün­den die­se nicht aus­bau­en wol­len. Infol­ge des Anschlus­ses an den wei­ter ent­fernt lie­gen­den Ver­knüp­fungs­punkt sind der Betrei­be­rin der Wind­kraft­an­la­ge nach ihrem Vor­trag aber Mehr­kos­ten von min­des­tens 190.000 € ent­stan­den, die sie von der beklag­ten Netz­be­trei­be­rin ersetzt ver­langt.

Wie bereits erst­in­stanz­lich das Land­ge­richt Arns­berg 1 gab nun auch das Ober­lan­des­ge­richt Hamm der Klä­ge­rin Recht:

Dem Grun­de nach sei die Scha­dens­er­satz­kla­ge der Betrei­be­rin der Wind­kraft­an­la­ge berech­tigt, so das Ober­lan­des­ge­richt. Mit dem Anschluss an die wei­ter ent­fernt lie­gen­de Stel­le in ihrem Netz habe die Netz­be­trei­be­rin gegen die aus § 5 Abs. 1 EEG bestehen­de Anschluss­pflicht ver­sto­ßen. Danach sei­en Netz­be­trei­ber ver­pflich­tet, die Anla­ge an der Stel­le an "ihr" Netz anzu­schlie­ßen, die bei geeig­ne­ter Span­nungs­ebe­ne die kür­zes­te Ent­fer­nung zum Stand­ort der Anla­ge auf­wei­se. Etwas ande­res gel­te nur, wenn ein "ande­res" Netz einen tech­nisch und wirt­schaft­lich güns­ti­ge­ren Ver­knüp­fungs­punkt auf­wei­se. Soweit die mög­li­chen Anschluss­stel­len – wie hier der Fall – in dem­sel­ben Netz lie­gen kom­me es auf die gesamt­wirt­schaft­li­che Betrach­tung nicht an, urteil­te das Ober­lan­des­ge­richt Hamm nach Aus­le­gung der neu­ge­fass­ten Vor­schrift aus.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 3. Mai 2011 – I-21 U 94/​10

  1. LG Arns­berg, Urteil vom 06.05.2010 – 4 O 434/​09[]