8 beleg­te Bröt­chen­hälf­ten

Auch wenn die Ent­wen­dung gering­wer­ti­ger Sachen grund­sätz­lich eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung recht­fer­ti­gen kann, ist die Kün­di­gung nach knapp 23 Dienst­jah­ren ohne Bean­stan­dung, weil acht beleg­te Bröt­chen­hälf­ten genom­men und mit Kol­le­gen wäh­rend der Schicht geges­sen wor­den sind, unver­hält­nis­mä­ßig.

8 beleg­te Bröt­chen­hälf­ten

So die Ent­schei­dung des Arbeits­ge­richts Ham­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Kran­ken­schwes­ter, die sich gegen ihre frist­lo­se Küni­gung gewehrt hat. Sie wur­de bei der Arbeit­ge­be­rin, wel­che in Ham­burg meh­re­re Kran­ken­häu­ser betreibt, im Jah­re 1991 ange­stellt und ist ordent­lich unkünd­bar. Im Pau­sen­raum wur­den im Kühl­schrank beleg­te Bröt­chen gela­gert, wel­che für exter­ne Mit­ar­bei­ter (z.B. Ret­tungs­sa­ni­tä­ter) bestimmt waren. Eines Mor­gens ent­nahm die Klä­ge­rin acht hal­be beleg­te Bröt­chen­hälf­ten dem Kühl­schrank, und stell­te die­se in den eige­nen Pau­sen­raum. Dort wur­den sie von den eige­nen Mit­ar­bei­tern ver­zehrt, jeden­falls eine Hälf­te auch durch die Klä­ge­rin. Als die Klä­ge­rin spä­ter zu dem Vor­gang ange­hört wur­de, räum­te sie die­sen umge­hend ein, weil ihr eige­nes Essen aus dem Kühl­schrank gestoh­len wor­den sei. Die Beklag­te kün­dig­te frist­los, hilfs­wei­se mit sozia­ler Aus­lauf­frist. Dage­gen hat di Kran­ken­schwes­ter geklagt.

Nach Auf­fas­sung des Arbeits­ge­richts Ham­burg kann die Ent­wen­dung gering­wer­ti­ger Sachen – hier acht beleg­te Bröt­chen­hälf­ten – grund­sätz­lich eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung recht­fer­ti­gen.

Aller­dings ist auch bei Hand­lun­gen, die gegen das Eigen­tum des Arbeit­ge­bers gerich­tet sind, eine Abmah­nung nicht grund­sätz­lich ent­behr­lich. Viel­mehr ist in Anbe­tracht der Umstän­de des Ein­zel­falls eine Prü­fung erfor­der­lich, ob durch eine Abmah­nung ver­lo­ren gegan­ge­nes Ver­trau­en wie­der her­ge­stellt wer­den kann. Dabei ist zuguns­ten des Arbeit­neh­mers zu berück­sich­ti­gen, ob er bei sei­ner Ver­trags­pflicht­ver­let­zung offen oder heim­lich gehan­delt hat und wie er – ange­spro­chen auf sei­ne Ver­feh­lung – mit den Vor­wür­fen umgeht.

In dem hier vor­lie­gen­den Fall der nach 23 Dienst­jah­ren gekün­dig­ten Kran­ken­schwes­ter, in denen es nicht zu Bean­stan­dun­gen gekom­men ist, ist die Kün­di­gung, weil sie acht beleg­te Bröt­chen­hälf­ten, die von ihrer Arbeit­ge­be­rin für exter­ne Mit­ar­bei­ter bereit­ge­stellt wur­den, genom­men und mit ihren Kol­le­gin­nen wäh­rend ihrer Schicht geges­sen hat, unver­hält­nis­mä­ßig. Zuvor hät­te eine Abmah­nung als mil­de­res Mit­tel und zur Objek­ti­vie­rung der nega­ti­ven Pro­gno­se aus­ge­spro­chen wer­den müs­sen. Daher hat­te die Kla­ge hat­te vor dem Arbeits­ge­richt Erfolg.

Arbeits­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 1. Juli 2015 – 27 Ca 87/​15