Abfin­dungs­an­spruch bei ver­spä­te­ter Kün­di­gungs­schutz­kla­ge

Nach § 1a Abs. 1 Satz 1 KSchG hat der Arbeit­neh­mer Anspruch auf eine Abfin­dung, wenn der Arbeit­ge­ber das Arbeits­ver­hält­nis wegen drin­gen­der betrieb­li­cher Erfor­der­nis­se nach § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG gekün­digt hat und der Arbeit­neh­mer bis zum Ablauf der Frist des § 4 Satz 1 KSchG kei­ne Kla­ge auf Fest­stel­lung erhebt, dass das Arbeits­ver­hält­nis durch die Kün­di­gung nicht auf­ge­löst ist. Nach § 1a Abs. 1 Satz 2 KSchG setzt der Anspruch wei­ter den Hin­weis des Arbeit­ge­bers in der Kün­di­gungs­er­klä­rung vor­aus, dass die Kün­di­gung auf drin­gen­de betrieb­li­che Grün­de gestützt ist und der Arbeit­neh­mer bei Ver­strei­chen­las­sen der Kla­ge­frist die Abfin­dung bean­spru­chen kann.

Abfin­dungs­an­spruch bei ver­spä­te­ter Kün­di­gungs­schutz­kla­ge

Der Abfin­dungs­an­spruch nach § 1a Abs. 1 KSchG ent­steht nach dem Wort­laut der Rege­lung nicht, wenn der Arbeit­neh­mer die Kün­di­gung mit einer Kla­ge angreift. Die gesetz­li­che Rege­lung will gericht­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen der Arbeits­ver­trags­par­tei­en ver­mei­den und den Par­tei­en eine ein­fa­che, effi­zi­en­te und kos­ten­güns­ti­ge außer­ge­richt­li­che Mög­lich­keit zu einem ange­mes­se­nen Inter­es­sen­aus­gleich zur Ver­fü­gung stel­len. Die­sem Zweck ent­spricht es, einem Arbeit­neh­mer die Abfin­dung zu ver­sa­gen, wenn er eine gericht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung ein­ge­lei­tet hat. Das gilt auch für eine nach Ablauf der drei­wö­chi­gen Kla­ge­frist ein­ge­reich­te (Kün­di­gungs­schutz-)Kla­ge und einen Antrag des Arbeit­neh­mers auf nach­träg­li­che Kla­ge­zu­las­sung nach § 5 KSchG 1. Zwar regelt § 1a Abs. 1 KSchG die­sen Fall nicht aus­drück­lich. Aus dem Sinn und Zweck der gesetz­li­chen Rege­lung folgt aber, dass ein Anspruch nach § 1a Abs. 1 KSchG mit der Antrag­stel­lung auf nach­träg­li­che Zulas­sung der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ent­fällt. Der Arbeit­ge­ber sähe sich ansons­ten durch den nach­träg­li­chen Kla­ge­zu­las­sungs­an­trag nun­mehr doch mit einer gericht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung über die Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses kon­fron­tiert, die er gera­de mit dem Ange­bot einer Abfin­dungs­zah­lung ver­mei­den woll­te.

Auch durch die Rück­nah­me der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge kön­nen jeden­falls die Vor­aus­set­zun­gen des § 1a Abs. 1 Satz 1 KSchG nicht mehr erfüllt bzw. ihr Nicht­vor­lie­gen bewirkt wer­den 2. Dar­an ändert auch § 269 Abs. 3 Satz 1 ZPO nichts, wonach der Rechts­streit als nicht anhän­gig gewor­den anzu­se­hen ist, wenn die Kla­ge zurück­ge­nom­men wird. Mäße man die­ser gesetz­li­chen Fik­ti­on die vom Klä­ger in Anspruch genom­me­ne Wir­kung zu, so wür­de das gesetz­ge­be­ri­sche Ziel des § 1a KSchG unter­lau­fen, einen Abfin­dungs­an­spruch bei betriebs­be­ding­ter Kün­di­gung nur im Fal­le der Ver­mei­dung einer gericht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung zu begrün­den. Der Arbeit­neh­mer soll gera­de nicht zunächst die Ent­wick­lung des Kün­di­gungs­schutz­pro­zes­ses abwar­ten und die Kla­ge bei sich abzeich­nen­der Erfolg­lo­sig­keit zurück­neh­men dür­fen, um doch noch in den Genuss der vom Arbeit­ge­ber mit dem Hin­weis nach § 1a Abs. 1 Satz 2 KSchG ange­bo­te­nen Abfin­dung kom­men zu kön­nen 3.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 20. August 2009 – 2 AZR 267/​08

  1. BAG 13.12.2007 – 2 AZR 971/​06 – Rn. 46 mwN, AP KSchG 1969 § 1a Nr. 7 = EzA KSchG § 1a Nr. 5[]
  2. BAG 13.12.2007 – 2 AZR 971/​06 – Rn. 48 mwN, AP KSchG 1969 § 1a Nr. 7 = EzA KSchG § 1a Nr. 5[]
  3. BAG 13.12.2007 – 2 AZR 971/​06 – Rn. 48 mwN, aaO[]