Ärzt­li­ches Attest bereits am 1. Krank­heits­tag

Mel­det sich ein Arbeit­neh­mer krank, kann der Arbeit­ge­ber schon ab dem ers­ten Krank­heits­tag ein ärzt­li­ches Attest for­dern. Das Ver­lan­gen des Arbeit­ge­bers, eine Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung schon ab dem ers­ten Tag der Krank­heit vor­zu­le­gen, bedarf weder einer Begrün­dung noch ist die Auf­for­de­rung des Arbeit­ge­bers vom Gericht auf „bil­li­ges Ermes­sen“ zu über­prü­fen.

Ärzt­li­ches Attest bereits am 1. Krank­heits­tag

Mit die­sem Urteil hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln die Kla­ge einer Arbeit­neh­me­rin abge­wie­sen, die sich für den Tag krank gemel­det hat­te, für den sie vor­her ver­geb­lich eine Dienst­rei­se bean­tragt hat­te. Der Arbeit­ge­ber hat­te sie dar­auf­hin auf­ge­for­dert, künf­tig am ers­ten Tag der Krank­mel­dung ein ärzt­li­ches Attest ein­zu­ho­len und vor­zu­le­gen. Die Arbeit­neh­me­rin sah das als sach­lich unge­recht­fer­tigt an.

Die Recht­mä­ßig­keit der Anwei­sung, die ärzt­li­che Beschei­ni­gung bereits für den ers­ten Tag der Krank­schrei­bung vor­zu­le­gen, folgt aus § 5 Abs. 1 Satz 3 EFZG. Nach die­ser Vor­schrift ist der Arbeit­ge­ber berech­tigt, vom Arbeit­neh­mer die Vor­la­ge einer ärzt­li­chen Beschei­ni­gung frü­her als nach drei Kalen­der­ta­gen (§ 5 Abs. 1 Satz 2 EFZG) zu ver­lan­gen.

Die Auf­for­de­rung des Arbeit­ge­bers nach § 5 Abs. 1 EFZG bedarf weder einer Begrün­dung noch eines Sach­ver­halts, der Anlass für ein rechts­miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten des Arbeit­neh­mers gibt [1]. Das folgt aus dem inso­weit ein­deu­ti­gen Norm­wort­laut und der Geset­zes­sys­te­ma­tik.

Einer im Schrift­tum ähn­lich stark ver­tre­te­nen dif­fe­ren­zie­ren­den Mei­nung ist daher nicht zu fol­gen. Nach die­ser Auf­fas­sung ist das Ver­lan­gen des Arbeit­ge­bers auf bil­li­ges Ermes­sen zu über­prü­fen [2].

Die Ver­tre­ter die­ser Auf­fas­sung stel­len wesent­lich auf den Wei­sungs­cha­rak­ter der Anwei­sung nach § 5 Abs. 1 Satz 3 EFZG ab und unter­wer­fen die­se daher den recht­li­chen Gren­zen des § 106 GewO. Dabei bleibt unbe­rück­sich­tigt, dass § 5 EFZG inso­weit eine spe­zi­el­le­re Rege­lung für den Bereich der Nach­weis­pflicht in der Ent­gelt­fort­zah­lung dar­stellt, die unter Spe­zia­li­täts­ge­sichts­punk­ten den all­ge­mei­nen Bestim­mun­gen zum Wei­sungs­recht in § 106 GewO vor­geht. Eine Über­prü­fung auf all­ge­mei­ne Bil­lig­keit hat daher bei § 5 Abs. 1 Satz 3 EFZG gera­de nicht zu erfol­gen. Es bleibt allein bei den all­ge­mei­nen gesetz­li­chen Schran­ken der Will­kür und des Ver­bots dis­kri­mi­nie­ren­den Ver­hal­tens.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Urteil vom 14.09.2011 – 3 Sa 597/​11

  1. LAG Schles­wig-Hol­stein, Urteil vom 13.10.2009 – 2 Sa 130/​09, Beck­RS 2011, 66401;ErfK/​Dörner, 11. Aufl., § 5 EFZG Rn. 12; Hand­buch, 13. Aufl., § 98 Rn. 120 f.; Ricken, in: Beck­OK EFZG, § 5 Rn. 21; Feichtinger/​Malkmus, EFZG, 2. Aufl., § 5 Rn. 21; Lep­ke, Kün­di­gung bei Krank­heit, 13. Aufl., Rn. 540 f.[]
  2. so z. B.HWK/Schliemann, 4. Aufl., § 5 EFZG Rn. 36; Boecken, NZA 1999, 679; Schlach­ter, in: Mün­che­ner Hand­buch zum Arbeits­recht, 3. Aufl., § 75 Rn. 20; Tre­ber, EFZG, 2. Aufl., § 5 Rn. 36; Vos­sen, in: Dornbusch/​Fischermeier/​Löwisch, Arbeits­recht, 3. Aufl., § 5 EFZG Rn. 13; DLW/​Dörner, Arbeits­recht, 8. Aufl., B Rn. 1989; wohl auch Küttner/​Griese, Per­so­nal­buch, 18. Aufl., Arbeits­un­fä­hig­keit Rn. 11[]