Alter­na­ti­ve Klagehäufung

Eine alter­na­ti­ve Kla­ge­häu­fung, bei der die Klä­ge­rin ein ein­heit­li­ches Kla­ge­be­geh­ren aus meh­re­ren pro­zes­sua­len Ansprü­chen (Streit­ge­gen­stän­den) her­lei­tet und dem Gericht die Aus­wahl über­lässt, auf wel­chen Kla­ge­grund es die Ver­ur­tei­lung stützt, ver­stößt grund­sätz­lich gegen das Gebot des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, den Kla­ge­grund bestimmt zu bezeichnen.

Alter­na­ti­ve Klagehäufung

Die Klä­ge­rin muss daher eine Rang­fol­ge bil­den, um zu ver­mei­den, dass die Kla­ge als unzu­läs­sig abge­wie­sen wird. Das kann auch kon­klu­dent gesche­hen1.

Die­sen Anfor­de­run­gen wird die hier ent­schie­de­ne Kla­ge gerecht: Die Klä­ge­rin hat ihr Leis­tungs­be­geh­ren aus meh­re­ren pro­zes­sua­len Ansprü­chen her­ge­lei­tet und damit meh­re­re Streit­ge­gen­stän­de zu Ent­schei­dung gestellt2. Sie hat die Kla­ge nicht nur auf die Erfül­lung des tarif­ver­trag­li­chen Anspruchs aus § 8 Abs. 1 TVA­öD – BT gestützt, son­dern sich dar­über hin­aus auf eine nicht gerecht­fer­tig­te Bes­ser­stel­lung ver­gleich­ba­rer Voll­zeit­aus­zu­bil­den­der und damit auf den arbeits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz beru­fen. Die Klä­ge­rin hat nicht unter Ver­stoß gegen § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO dem Gericht die Aus­wahl über­las­sen, auf wel­chen der bei­den Kla­ge­grün­de sie die Ver­ur­tei­lung stützt. Sie hat die bei­den Streit­ge­gen­stän­de in ein hin­rei­chend bestimm­tes Even­tu­al­ver­hält­nis gesetzt. Der Kla­ge­be­grün­dung ist zu ent­neh­men, dass sie Dif­fe­renz­ver­gü­tung vor­ran­gig auf tarif­li­cher Grund­la­ge und hilfs­wei­se – für den Fall des Unter­lie­gens – unter dem Gesichts­punkt der Gleich­be­hand­lung verlangt.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat über den hilfs­wei­se gel­tend gemach­ten Anspruch zu ent­schei­den. Einer Anschluss­re­vi­si­on der Klä­ge­rin bedurf­te es nicht. Ein in der Vor­in­stanz hilfs­wei­se für den Fall des Unter­lie­gens zur Ent­schei­dung gestell­tes Kla­ge­be­geh­ren, über das nicht ent­schie­den wer­den muss­te, fällt in der Revi­si­ons­in­stanz allein dadurch an, dass der Beklag­te Revi­si­on ein­legt3. Die Bedin­gung, unter der über das Hilfs­be­geh­ren zu ent­schei­den ist, ist auf­grund der abschlie­ßen­den – abwei­sen­den – Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts über die tarif­li­chen Ansprü­che der Klä­ge­rin eingetreten.

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Wiedereinsetzung in die Berufungsbegründungspflicht - zur Vervollständigung der Berufungsbegründung

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 1. Dezem­ber 2020 – 9 AZR 104/​20

  1. BAG 2.08.2018 – 6 AZR 437/​17, Rn. 18 mwN, BAGE 163, 205; BGH 21.11.2017 – II ZR 180/​15, Rn. 8[]
  2. vgl. hier­zu im Ein­zel­nen BAG 2.08.2018 – 6 AZR 437/​17, Rn.20 ff. mwN, BAGE 163, 205[]
  3. vgl. BAG 15.07.2020 – 10 AZR 507/​18, Rn. 51; 24.10.2019 – 2 AZR 101/​18, Rn. 24[]

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