Alters­dis­kri­mi­nie­ren­de Stel­len­aus­schrei­bun­gen – für ein/​e Berufsanfänger/​in oder ein/​e Kollege/​in mit kür­ze­rer Berufs­er­fah­ren

Ein in einer Stel­len­aus­schrei­bung ent­hal­te­ne Anfor­de­rungs­kri­te­ri­um, mit dem ein/​e "Berufs­an­fän­ger/​in" oder "ein/​e Kollege/​in mit kür­ze­rer Berufs­er­fah­rung" gesucht wird, kann Per­so­nen wegen des in § 1 AGG genann­ten Grun­des "Alter" gegen­über ande­ren Per­so­nen in beson­de­rer Wei­se benach­tei­li­gen iSv. § 3 Abs. 2 AGG.

Alters­dis­kri­mi­nie­ren­de Stel­len­aus­schrei­bun­gen – für ein/​e Berufsanfänger/​in oder ein/​e Kollege/​in mit kür­ze­rer Berufs­er­fah­ren

Sowohl bei dem Begriff "Berufsanfänger/​in" als auch bei dem Begriff "kür­ze­re Berufs­er­fah­rung" han­delt es sich um Kri­te­ri­en, die dem Anschein nach neu­tral sind iSv. § 3 Abs. 2 AGG. Unmit­tel­bar wird damit nicht auf ein bestimm­tes Alter Bezug genom­men. Jedoch sind bei­de Kri­te­ri­en mit­tel­bar mit dem in § 1 AGG genann­ten Grund "Alter" ver­knüpft. Bewer­ber/​innen mit einer län­ge­ren Berufs­er­fah­rung wei­sen gegen­über Berufsanfänger/​innen und gegen­über Bewerber/​innen mit ers­ter oder kur­zer Berufs­er­fah­rung typi­scher­wei­se ein höhe­res Lebens­al­ter auf 1.

Da die Arbeit­ge­be­rin mit der in der Stel­len­aus­schrei­bung ent­hal­te­nen Anfor­de­rung "Berufsanfänger/​in oder mit kür­ze­rer Berufs­er­fah­rung" signa­li­siert, ledig­lich Inter­es­se an der Gewin­nung jün­ge­rer Mitarbeiter/​innen zu haben, ist die­se Anfor­de­rung geeig­net, älte­re gegen­über jün­ge­ren Per­so­nen wegen des Alters in beson­de­rer Wei­se zu benach­tei­li­gen. Typi­scher­wei­se wer­den älte­re Per­so­nen allein wegen die­ser Anfor­de­rung häu­fig von vorn­her­ein von einer Bewer­bung abse­hen.

Dar­an ändert auch der Umstand nichts, dass beruf­li­che Lebens­läu­fe heut­zu­ta­ge viel­fäl­ti­ger sind als frü­her und ein Wech­sel von einer juris­ti­schen Tätig­keit in eine ande­re juris­ti­sche Tätig­keit auch nach län­ge­ren Berufs­jah­ren, ggf. auch erst nach dem Errei­chen des regu­lä­ren Pen­si­ons­al­ters erfol­gen kann. Der Befund, dass Berufsanfänger/​innen und Men­schen mit "kür­ze­rer Berufs­er­fah­rung" im anwalt­li­chen Beruf typi­scher­wei­se jun­ge Men­schen sind, besteht jedoch nach wie vor.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 19. Mai 2016 – 8 AZR 583/​14

  1. vgl. nur BAG 18.08.2009 – 1 ABR 47/​08, Rn. 33, BAGE 131, 342[]