Alters­dis­kri­mi­nie­rung in der Stel­len­an­zei­ge – und der objek­tiv unge­eig­ne­te Stel­len­be­wer­ber

Eine Benach­tei­li­gung eines Stel­len­be­wer­bers wegen des Alters kann nicht mit der Begrün­dung ver­neint wer­den, der Stel­len­be­wer­ber sei für die zu beset­zen­de Stel­le von vorn­her­ein objek­tiv nicht geeig­net gewe­sen und habe sich des­halb nicht in einer ver­gleich­ba­ren Situa­ti­on iSv. § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG mit den Mit­be­wer­bern und Mit­be­wer­be­rin­nen befun­den.

Alters­dis­kri­mi­nie­rung in der Stel­len­an­zei­ge – und der objek­tiv unge­eig­ne­te Stel­len­be­wer­ber

Zwar hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in frü­he­rer Recht­spre­chung ange­nom­men, dass sich eine Per­son nur dann in einer ver­gleich­ba­ren Situa­ti­on bzw. ver­gleich­ba­ren Lage iSv. § 3 Abs. 1 bzw. Abs. 2 AGG befin­det, wenn sie für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le "objek­tiv geeig­net" ist 1. Dies hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt im Wesent­li­chen damit begrün­det, dass eine Benach­tei­li­gung nur ange­nom­men wer­den kön­ne, wenn eine Per­son, die an sich für die Tätig­keit geeig­net sei, nicht aus­ge­wählt oder nicht in Betracht gezo­gen wor­den sei. Kön­ne hin­ge­gen auch ein objek­tiv unge­eig­ne­ter Bewer­ber imma­te­ri­el­le Ent­schä­di­gung nach § 15 Abs. 2 AGG ver­lan­gen, ste­he dies nicht im Ein­klang mit dem Schutz­zweck des AGG, das nur vor unge­recht­fer­tig­ter Benach­tei­li­gung schüt­zen, nicht aber eine unred­li­che Gesin­nung des (poten­ti­el­len) Arbeit­ge­bers sank­tio­nie­ren wol­le.

Die­se Recht­spre­chung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt aller­dings mit Urtei­len vom 19.05.2016 2, auf deren Begrün­dung Bezug genom­men wird, auf­ge­ge­ben und dies mit Urtei­len vom 11.08.2016 3 bestä­tigt. Danach ist die objek­ti­ve Eig­nung nicht mehr Vor­aus­set­zung für einen Anspruch nach § 15 Abs. 1 und Abs. 2 AGG, wes­halb es dahin­ste­hen kann, ob die "objek­ti­ve Eig­nung" des Stel­len­be­wer­bers zu ver­nei­nen wäre. An die­ser Recht­spre­chung hält das Bun­des­ar­beits­ge­richt auch unter Berück­sich­ti­gung der hier­ge­gen vor­ge­brach­ten Kri­tik fest, die kei­ne ande­re Beur­tei­lung gebie­tet.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 26. Janu­ar 2017 – 8 AZR 73/​16

  1. vgl. etwa BAG 23.01.2014 – 8 AZR 118/​13, Rn. 18; 14.11.2013 – 8 AZR 997/​12, Rn. 29; 26.09.2013 – 8 AZR 650/​12, Rn.20 ff.; 21.02.2013 – 8 AZR 180/​12, Rn. 28, BAGE 144, 275; 16.02.2012 – 8 AZR 697/​10, Rn. 35; 13.10.2011 – 8 AZR 608/​10, Rn. 26; 7.04.2011 – 8 AZR 679/​09, Rn. 37; aus­drück­lich offen­ge­las­sen von BAG 20.01.2016 – 8 AZR 194/​14, Rn.19 ff.; 22.10.2015 – 8 AZR 384/​14, Rn. 21; 26.06.2014 – 8 AZR 547/​13, Rn. 29[]
  2. BAG 19.05.2016 – 8 AZR 470/​14, Rn. 22 ff., BAGE 155, 149; – 8 AZR 477/​14, Rn. 58 ff.; – 8 AZR 583/​14, Rn. 55 ff.[]
  3. BAG 11.08.2016 – 8 AZR 406/​14, Rn. 88 ff.; – 8 AZR 809/​14, Rn. 63 ff.; – 8 AZR 4/​15, Rn. 26 ff.[]