Alters­dis­kri­mi­nie­rung in der Stel­len­aus­schrei­bung – und der Scha­dens­er­satz

Bei einem Ver­stoß gegen das Benach­tei­li­gungs­ver­bot des AGG ist der Arbeit­ge­ber ver­pflich­tet, den hier­durch ent­stan­de­nen Scha­den zu erset­zen, § 15 Abs. 1 Satz 1 AGG.

Alters­dis­kri­mi­nie­rung in der Stel­len­aus­schrei­bung – und der Scha­dens­er­satz

Nach § 15 Abs. 2 AGG kann der oder die Beschäf­tig­te wegen eines Scha­dens, der nicht Ver­mö­gens­scha­den ist, eine ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung in Geld ver­lan­gen.

Die Ent­schä­di­gung darf bei einer Nicht­ein­stel­lung drei Monats­ge­häl­ter nicht über­stei­gen, wenn der oder die Beschäf­tig­te auch bei benach­tei­li­gungs­frei­er Aus­wahl nicht ein­ge­stellt wor­den wäre.

Nach der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs dient § 15 Abs. 2 AGG dazu, die "For­de­run­gen der Richt­li­ni­en" (hier ins­be­son­de­re: Richt­li­nie 2000/​78/​EG) sowie der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 1 nach einer wirk­sa­men und ver­schul­dens­un­ab­hän­gig aus­ge­stal­te­ten Sank­ti­on bei Ver­let­zung des Benach­tei­li­gungs­ver­bo­tes durch den Arbeit­ge­ber umzu­set­zen 2.

Auch bei der Beur­tei­lung der ange­mes­se­nen Höhe der fest­zu­set­zen­den Ent­schä­di­gung nach § 15 Abs. 2 AGG sind alle Umstän­de des Ein­zel­falls, wie etwa die Art und Schwe­re der Benach­tei­li­gung, ihre Dau­er und Fol­gen, der Anlass und der Beweg­grund des Han­delns und der Sank­ti­ons­zweck der Ent­schä­di­gungs­norm zu berück­sich­ti­gen 3. Die Ent­schä­di­gung muss einen tat­säch­li­chen und wirk­sa­men recht­li­chen Schutz gewähr­leis­ten 4. Die Här­te der Sank­tio­nen muss der Schwe­re des Ver­sto­ßes ent­spre­chen, indem sie ins­be­son­de­re eine wirk­lich abschre­cken­de Wir­kung gegen­über dem Arbeit­ge­ber gewähr­leis­tet, zugleich aber den all­ge­mei­nen Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit wahrt 5. Dass nach dem AGG neben der Ent­schä­di­gung für Nicht­ver­mö­gens­schä­den (§ 15 Abs. 2 AGG) auch der Ersatz mate­ri­el­ler Schä­den (§ 15 Abs. 1 AGG) ver­langt wer­den kann, führt nicht zu einer Kür­zung der Ent­schä­di­gung für den Nicht­ver­mö­gens­scha­den 6.

Soweit der Stel­len­be­wer­ber einen Ent­schä­di­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG über die in § 15 Abs. 2 Satz 2 AGG ange­ge­be­ne Höhe hin­aus gel­tend macht – der Stel­len­be­wer­ber for­dert vor­lie­gend eine Ent­schä­di­gung iHv. vier Brut­to­mo­nats­ge­häl­tern à 4.000, 00 Euro, obliegt es der Arbeit­ge­be­rin, sofern sie sich auf die Höchst­gren­ze des § 15 Abs. 2 Satz 2 AGG beru­fen möch­te, im Ein­zel­nen dar­zu­le­gen und ggf. zu bewei­sen, dass der wegen eines Grun­des nach § 1 AGG benach­tei­lig­te Stel­len­be­wer­ber auch bei dis­kri­mi­nie­rungs­frei­er Aus­wahl die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le nicht erhal­ten hät­te 7. Inso­weit hät­te die Arbeit­ge­be­rin, die über sämt­li­che ein­ge­reich­ten Bewer­bungs­un­ter­la­gen ver­fügt, zu bewei­sen, dass der Stel­len­be­wer­ber die zu beset­zen­de Posi­ti­on auch dann nicht erhal­ten hät­te, wenn kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung statt­ge­fun­den hät­te 8. Dabei kommt es, da die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le tat­säch­lich mit einem Mit­be­wer­ber besetzt wur­de, im Hin­blick auf die Fra­ge der "Best­eig­nung" nicht allein auf eine Ver­gleichs­be­trach­tung mit den Anfor­de­run­gen der Stel­len­aus­schrei­bung an, son­dern ins­be­son­de­re auf eine Ver­gleichs­be­trach­tung mit dem/​der tat­säch­lich ein­ge­stell­ten Bewer­ber/​in 9.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 11. August 2016 – 8 AZR 406/​14

  1. ua. EuGH 22.04.1997 – C‑180/​95 – [Draehm­pa­ehl] Rn. 24, 39 f., Slg. 1997, I‑2195[]
  2. BT-Drs. 16/​1780 S. 38; vgl. auch BAG 22.10.2015 – 8 AZR 384/​14, Rn. 16; 18.09.2014 – 8 AZR 759/​13, Rn. 26 mwN; 16.09.2008 – 9 AZR 791/​07, Rn. 33 mwN, BAGE 127, 367[]
  3. vgl. ua. BAG 22.05.2014 – 8 AZR 662/​13, Rn. 44, BAGE 148, 158; 23.08.2012 – 8 AZR 285/​11, Rn. 38; 17.12 2009 – 8 AZR 670/​08, Rn. 38; 22.01.2009 – 8 AZR 906/​07, Rn. 82 mwN, BAGE 129, 181[]
  4. vgl. EuGH 25.04.2013 – C‑81/​12 – [Aso­cia­tia ACCEPT] Rn. 63; 22.04.1997 – C‑180/​95 – [Draehm­pa­ehl] Rn. 24, 39 f., Slg. 1997, I‑2195; BAG 22.05.2014 – 8 AZR 662/​13 – aaO[]
  5. EuGH 25.04.2013 – C‑81/​12 – [Aso­cia­tia ACCEPT] Rn. 63 mwN; BAG 22.05.2014 – 8 AZR 662/​13 – aaO[]
  6. vgl. BGH 23.04.2012 – II ZR 163/​10, Rn. 73, BGHZ 193, 110[]
  7. vgl. BAG 19.08.2010 – 8 AZR 530/​09, Rn. 78; 17.08.2010 – 9 AZR 839/​08, Rn. 62 mwN[]
  8. EuGH 22.04.1997 – C‑180/​95 – [Draehm­pa­ehl] Rn. 36, Slg. 1997, I‑2195[]
  9. eben­so im Ergeb­nis ErfK/​Schlachter 16. Aufl. § 15 AGG Rn. 4 im Hin­blick auf § 15 Abs. 1 AGG[]