Alters­teil­zeit im Block­mo­dell – und die Tarif­er­hö­hung

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts hat der Alters­teil­zeit­ar­beit­neh­mer im Block­mo­dell wäh­rend der Frei­stel­lungs­pha­se Anspruch auf die durch sei­ne Vor­ar­beit in der Arbeits­pha­se erwor­be­nen Ent­gelt­an­sprü­che 1.

Alters­teil­zeit im Block­mo­dell – und die Tarif­er­hö­hung

Im Block­mo­dell der Alters­teil­zeit tritt der Arbeit­neh­mer wäh­rend der Arbeits­pha­se mit sei­ner vol­len Arbeits­leis­tung im Hin­blick auf die anschlie­ßen­de Frei­stel­lungs­pha­se in Vor­leis­tung. Er erar­bei­tet sich im Umfang sei­ner Vor­leis­tun­gen zum einen Ansprü­che auf die spä­te­re Zah­lung der Bezü­ge und zum ande­ren einen ent­spre­chen­den Anspruch auf Frei­stel­lung von der Arbeits­pflicht 2 und damit ein Zeit­gut­ha­ben.

Die Berech­nung der in der Arbeits­pha­se ange­spar­ten und in der Frei­stel­lungs­pha­se zu zah­len­den Ent­gel­te hat "zeit­ver­setzt” zu erfol­gen 3. Die Teil­zeit­ver­gü­tung ist wäh­rend des Zeit­raums der Frei­stel­lungs­pha­se aus­zu­zah­len, der in sei­ner Lage dem Zeit­raum der Arbeits­pha­se ent­spricht 4.

Kommt es in der Frei­stel­lungs­pha­se zu Lohn­er­hö­hun­gen, einem Ein­frie­ren oder einer Kür­zung von Zuwen­dungs­zah­lun­gen, ist (min­des­tens) das aus­zu­zah­len, was der Alters­teil­zeit­ar­beit­neh­mer erar­bei­tet hat 5.

Im öffent­li­chen Dienst ver­weist § 4 Abs. 1 TV ATZ ledig­lich auf "die sich für ent­spre­chen­de Teil­zeit­kräf­te bei Anwen­dung der tarif­li­chen Vor­schrif­ten … erge­ben­den Beträ­ge" 6. Dar­aus folgt, dass auch ein Alters­teil­zeit­ar­beit­neh­mer im Block­mo­dell für die gesam­te Dau­er des Alters­teil­zeit­ar­beits­ver­hält­nis­ses grund­sätz­lich die Bezü­ge erhält, die eine ent­spre­chen­de Teil­zeit­kraft bei Anwen­dung der tarif­li­chen Vor­schrif­ten erhal­ten wür­de 7. Das ist für den Beklag­ten die Hälf­te des jewei­li­gen monat­li­chen Tabel­len­en­t­gelts einer Voll­zeit­kraft sei­ner Ent­gelt­grup­pe. Soweit die Klä­ge­rin gel­tend macht, ent­spre­chen­de Teil­zeit­kräf­te gebe es allein in der Arbeits­pha­se, ver­kennt sie, dass es bei der Prü­fung des Merk­mals "ent­spre­chen­de Teil­zeit­kraft" gera­de um die Fik­ti­on einer Arbeits­leis­tung in Teil­zeit geht.

Die­ses Ergeb­nis wird durch die Pro­to­koll­erklä­rung zu § 5 Abs. 2 TV ATZ bestä­tigt. Danach sind für die Berech­nung des Auf­sto­ckungs­be­trags beim Block­mo­dell all­ge­mei­ne Bezü­ge­er­hö­hun­gen zu berück­sich­ti­gen, soweit die zugrun­de lie­gen­den Bezü­ge­be­stand­tei­le eben­falls an all­ge­mei­nen Bezü­ge­er­hö­hun­gen teil­neh­men. Damit wird deut­lich, dass die Tarif­ver­trags­par­tei­en des TV ATZ die Berück­sich­ti­gung von Bezü­ge­er­hö­hun­gen für die gesam­te Dau­er des Alters­teil­zeit­ar­beits­ver­hält­nis­ses im Block­mo­dell nicht aus­schlie­ßen woll­ten. Sie dif­fe­ren­zie­ren in der Pro­to­koll­erklä­rung nicht zwi­schen der Arbeits- und der Frei­stel­lungs­pha­se beim Block­mo­dell. Ob die Bezü­ge in der Frei­stel­lungs­pha­se an all­ge­mei­nen Tarif­er­hö­hun­gen teil­neh­men, soll­te sich viel­mehr nach den für die Erhö­hung der Bezü­ge maß­geb­li­chen Rege­lun­gen rich­ten. Inso­weit sieht § 7 Abs. 2 TV‑N Ber­lin für Teil­zeit­be­schäf­tig­te eine antei­li­ge Zah­lung des monat­li­chen Sockel­be­trags vor.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 17. Novem­ber 2015 – 9 AZR 509/​14

  1. BAG 11.04.2006 – 9 AZR 369/​05, Rn. 50, BAGE 118, 1; 4.10.2005 – 9 AZR 449/​04, zu B I 3 a der Grün­de, BAGE 116, 86[]
  2. BAG 24.06.2003 – 9 AZR 353/​02, zu A II 1 b bb (2) der Grün­de, BAGE 106, 353[]
  3. vgl. BAG 11.04.2006 – 9 AZR 369/​05 – aaO[]
  4. vgl. BAG 19.12 2006 – 9 AZR 230/​06, Rn. 21[]
  5. vgl. BAG 4.10.2005 – 9 AZR 449/​04, zu B I 3 g (3) der Grün­de, BAGE 116, 86[]
  6. BAG 18.05.2011 – 10 AZR 379/​10, Rn.20[]
  7. BAG 22.07.2014 – 9 AZR 946/​12, Rn. 12; 19.04.2012 – 6 AZR 14/​11, Rn. 52; 4.05.2010 – 9 AZR 184/​09, Rn. 30, BAGE 134, 202[]