Alters­teil­zeit – und die Über­last­quo­te

Nach § 3 Abs. 1 Nr. 3 Alt. 1 Alt­T­ZG muss für Erstat­tungs­leis­tun­gen der Arbeits­ver­wal­tung die freie Ent­schei­dung des Arbeit­ge­bers sicher­ge­stellt sein, ob er mit über 5% der Arbeit­neh­mer sei­nes Betriebs Alters­teil­zeit­ar­beits­ver­trä­ge schließt 1.

Alters­teil­zeit – und die Über­last­quo­te

Ist die­se Über­last­quo­te über­schrit­ten, hat der Arbeit­neh­mer kei­nen Anspruch nach § 2 Abs. 1 TV ATZ LSA gegen den Arbeit­ge­ber, dass die­ser nach bil­li­gem Ermes­sen dar­über ent­schei­det, ob er mit dem Arbeit­neh­mer einen Alters­teil­zeit­ar­beits­ver­trag schließt.

Die tarif­li­che Anspruchs­grund­la­ge des § 2 Abs. 1 des Tarif­ver­trags zur Rege­lung der Alters­teil­zeit­ar­beit im Bereich der Lan­des­ver­wal­tung Sach­sen-Anhalts vom 24.01.2012 (TV ATZ LSA), die die Ände­rung des Arbeits­ver­hält­nis­ses in ein Alters­teil­zeit­ar­beits­ver­hält­nis nur "auf der Grund­la­ge des Alters­teil­zeit­ge­set­zes (Alt­T­ZG)” vor­sieht, bezieht das öffent­lich-recht­li­che Sys­tem der an bestimm­te Erfor­der­nis­se gebun­de­nen Refi­nan­zie­rung durch Erstat­tungs­leis­tun­gen der öffent­li­chen Hand nach §§ 3, 4 Alt­T­ZG in die pri­vat­recht­li­chen Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen mit ein 2.

Durch den Ver­weis auf das Alt­T­ZG stellt § 2 Abs. 1 TV ATZ LSA den Anspruch auf eine bil­li­gem Ermes­sen ent­spre­chen­de Ent­schei­dung unter den tarif­li­chen Vor­be­halt, dass die Über­last­quo­te in dem Betrieb nicht über­schrit­ten ist.

Die Über­schrei­tung der Über­last­quo­te ist ein nega­ti­ves Tat­be­stands­merk­mal, das bereits die Ent­ste­hung des Anspruchs hin­dert 3. Die gesetz­li­che Quo­tie­rung dient auch dazu, alters­teil­zeit­be­ding­te finan­zi­el­le Mehr­auf­wen­dun­gen des Arbeit­ge­bers in Gren­zen zu hal­ten 4.

Der (hier: öffent­li­che) Arbeit­ge­ber at das Recht, sich auf die Über­last­quo­te zu beru­fen, nicht dadurch ver­wirkt (§ 242 BGB), dass es bis zum Jahr 2007 und im Jahr 2012 mit Beschäf­tig­ten Alters­teil­zeit­ar­beits­ver­trä­ge schloss. In die­sem Zusam­men­hang kann dahin­ste­hen, ob zum Zeit­punkt des Abschlus­ses die­ser Alters­teil­zeit­ar­beits­ver­trä­ge die Über­last­quo­te über­schrit­ten war. Der Arbeit­ge­ber bleibt nach § 2 Abs. 1 und Abs. 2 TV ATZ LSA iVm. § 3 Abs. 1 Nr. 3 Alt. 1 Alt­T­ZG in sei­ner Ent­schei­dung über die Annah­me wei­te­rer Alters­teil­zeit­an­ge­bo­te frei, auch wenn bereits die Quo­te von fünf vH über­schrit­ten ist. Eine Ver­wir­kung kommt nur in Betracht, wenn beson­de­re Umstän­de vor­lie­gen, die dar­auf schlie­ßen las­sen, der Arbeit­ge­ber wer­de sich dau­er­haft nicht auf die Über­last­quo­te beru­fen 5. Sol­che beson­de­ren Tat­sa­chen sind nicht vor­ge­tra­gen oder ersicht­lich.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 13. Dezem­ber 2016 – 9 AZR 606/​15

  1. BAG 15.11.2011 – 9 AZR 387/​10, Rn.20; 18.10.2011 – 9 AZR 225/​10, Rn. 25[]
  2. zum TV ATZ vgl. BAG 15.04.2008 – 9 AZR 111/​07, Rn. 35, BAGE 126, 264[]
  3. vgl. BAG 18.10.2011 – 9 AZR 225/​10, Rn. 30[]
  4. BAG 15.11.2011 – 9 AZR 387/​10, Rn. 21; 18.10.2011 – 9 AZR 225/​10, Rn. 26; 14.10.2008 – 9 AZR 511/​07, Rn. 24[]
  5. vgl. BAG 15.11.2011 – 9 AZR 387/​10, Rn. 24; 15.04.2008 – 9 AZR 111/​07, Rn. 43, BAGE 126, 264[]