Anhö­rungs­rü­ge – nach der münd­li­chen Ent­schei­dungs­be­grün­dung

Anhö­rungs­rü­gen genü­gen nicht nicht den gesetz­li­chen Begrün­dungs­an­for­de­run­gen genügt, § 78a Abs. 2 Satz 5 ArbGG, wenn es man­gels Vor­lie­gens der mit Grün­den ver­se­he­nen schrift­li­chen Beschluss­fas­sung an der erfor­der­li­chen Dar­le­gung einer ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör fehlt.

Anhö­rungs­rü­ge – nach der münd­li­chen Ent­schei­dungs­be­grün­dung

Nach § 78a Abs. 1 Satz 1 ArbGG ist auf die Rüge eines durch eine gericht­li­che Ent­schei­dung beschwer­ten Betei­lig­ten das Ver­fah­ren fort­zu­füh­ren, wenn ein Rechts­mit­tel oder ein ande­rer Rechts­be­helf gegen die Ent­schei­dung nicht gege­ben ist (Nr. 1) und das Gericht den Anspruch die­ses Betei­lig­ten auf recht­li­ches Gehör in ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Wei­se ver­letzt hat (Nr. 2). Die Rüge muss nach § 78a Abs. 2 Satz 5 ArbGG die ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung bezeich­nen und das Vor­lie­gen der in Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 genann­ten Vor­aus­set­zun­gen dar­le­gen.

Man­gels Vor­lie­gens der mit Grün­den ver­se­he­nen schrift­li­chen Beschluss­fas­sung kann die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der behaup­te­ten Gehörs­ver­let­zung nicht dar­ge­legt wer­den.

Ein Betei­lig­ter kann eine ent­schei­dungs­er­heb­li­che Gehörs­ver­let­zung nur dar­le­gen, wenn er die Grün­de der bean­stan­de­ten Ent­schei­dung kennt 1. Einer Anhö­rungs­rü­ge, die vor Bekannt­ga­be der mit Grün­den ver­se­he­nen Ent­schei­dung erho­ben ist, fehlt zwangs­läu­fig der ord­nungs­ge­mä­ße Vor­trag einer Gehörs­ver­let­zung und deren Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit 2. Die Not­wen­dig­keit eines von den Betei­lig­ten zu 5. und 8. als feh­lend bean­stan­de­ten recht­li­chen Hin­wei­ses (§ 139 Abs. 2 und Abs. 3 ZPO) bezieht sich nicht auf den Inhalt der ver­kün­de­ten Ent­schei­dungs­for­mel, son­dern auf ent­schei­dungs­er­heb­li­che Gesichts­punk­te, wel­che bei einer am Schluss der Sit­zung ver­kün­de­ten Ent­schei­dung noch nicht nie­der­ge­legt und den Betei­lig­ten bekannt sein kön­nen 3.

Allein die schrift­li­che, von allen Bun­des­ar­beits­ge­richts­mit­glie­dern unter­schrie­be­ne Ent­schei­dungs­fas­sung ist maß­ge­bend 4. Dem­ge­gen­über haben die münd­lich mit­ge­teil­ten Grün­de nur die Bedeu­tung einer vor­läu­fi­gen Infor­ma­ti­on. Wel­che Erwä­gun­gen für die Ent­schei­dung tat­säch­lich tra­gend sind, kann den münd­lich mit­ge­teil­ten Grün­den ver­bind­lich eben­so wenig ent­nom­men wer­den, wie einer Pres­se­er­klä­rung 5, auf deren Inhalt sich der Betei­lig­te zu 5. zur Begrün­dung sei­ner Anhö­rungs­rü­ge eben­falls bezieht.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 29. Novem­ber 2016 – 10 ABR 68/​16 (F)

  1. BAG 27.07.2016 – 3 AZR 260/​16 (F), Rn. 4; 12.11.2010 – 9 AZR 595/​10 (F), Rn. 4; Zöller/​Vollkommer ZPO 31. Aufl. § 321a Rn. 14[]
  2. vgl. BGH 15.07.2010 – I ZR 160/​07, Rn. 2[]
  3. vgl. BVerfG 22.06.2011 – 1 BvR 2553/​10, Rn. 39[]
  4. vgl. Münch­Komm-ZPO/­Mu­sielak 5. Aufl. § 311 Rn. 6; Zöller/​Vollkommer aaO § 311 Rn. 5[]
  5. vgl. BAG 12.11.2010 – 9 AZR 595/​10 (F), Rn. 4; BSG 29.10.2015 – B 12 KR 11/​15 C, Rn. 4[]