Annah­me­ver­zugs­lohn – und das Arbeits­an­ge­bot

Im unstrei­tig bestehen­den Arbeits­ver­hält­nis muss der Arbeit­neh­mer sei­ne Arbeits­leis­tung grund­sätz­lich nach § 294 BGB tat­säch­lich anbie­ten 1.

Annah­me­ver­zugs­lohn – und das Arbeits­an­ge­bot

Ein wört­li­ches Ange­bot (§ 295 BGB) genügt, wenn der Arbeit­ge­ber erklärt hat, er wer­de die Leis­tung nicht anneh­men oder er sei nicht ver­pflich­tet, den Arbeit­neh­mer in einem die tat­säch­li­che Her­an­zie­hung über­stei­gen­den Umfang zu beschäf­ti­gen 2.

Der Klä­ger kommt im Rah­men einer Zah­lungs­kla­ge sei­ner Dar­le­gungs­last nach, wenn er vor­trägt, er habe die Arbeit­ge­be­rin bei der übli­cher­wei­se zu Beginn des Monats erfol­gen­den Schicht­pla­ner­stel­lung stets dar­auf hin­ge­wie­sen, dass er bereit und in der Lage sei, sei­ner arbeits­ver­trag­li­chen Pflicht zur Leis­tung von monat­lich 173 Stun­den nach­zu­kom­men.

Dabei ist davon aus­zu­ge­hen, dass die arbeits­ver­trag­lich ver­ein­bar­te Wochen­ar­beits­zeit von 40 Stun­den rech­ne­risch einer monat­li­chen Arbeits­zeit von (abge­run­det) 173 Stun­den ent­spricht 3.

Die­ses Ange­bot ist in die­sem Fall auch nicht des­halb unbe­acht­lich, weil der Klä­ger arbeits­ver­trag­lich eine regel­mä­ßi­ge wöchent­li­che und kei­ne monat­li­che Arbeits­zeit geschul­det hät­te. Die Beklag­te hat die Arbeits­zeit nach dem inso­weit unbe­strit­te­nen Vor­brin­gen des Klä­gers monat­lich ein­ge­teilt. Sie kann sich des­halb nach Treu und Glau­ben nicht dar­auf beru­fen, der Klä­ger habe sei­ne Arbeits­leis­tung in abwei­chen­der Art und Wei­se ange­bo­ten 4.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 12. Juni 2019 – 4 AZR 363/​18

  1. BAG 25.02.2015 – 1 AZR 642/​13, Rn. 41, BAGE 151, 35[]
  2. BAG 5.07.2017 – 4 AZR 831/​16, Rn. 37; 18.11.2015 – 5 AZR 814/​14, Rn. 50[]
  3. vgl. zur Berech­nung BAG 25.06.2014 – 5 AZR 556/​13, Rn. 22[]
  4. vgl. BAG 28.06.2017 – 5 AZR 263/​16, Rn. 28[]