Annah­me­ver­zugs­lohn – und die zwi­schen­zei­ti­ge Arbeits­un­fä­hig­keit

Nach § 615 Satz 1 BGB hat der Arbeit­ge­ber die ver­ein­bar­te Ver­gü­tung fort­zu­zah­len, wenn er mit der Annah­me der Diens­te in Ver­zug gerät. Die Vor­aus­set­zun­gen des Annah­me­ver­zu­ges rich­ten sich nach den §§ 293 ff. BGB. Ist für die vom Gläu­bi­ger vor­zu­neh­men­de Hand­lung eine Zeit nach dem Kalen­der bestimmt, bedarf es nach § 296 BGB kei­nes Ange­bots des Arbeit­neh­mers, wenn der Arbeit­ge­ber die Hand­lung nicht recht­zei­tig vor­nimmt.

Annah­me­ver­zugs­lohn – und die zwi­schen­zei­ti­ge Arbeits­un­fä­hig­keit

Die Ver­zugs­lohn­fol­gen gemäß § 615 BGB tre­ten nach einer unwirk­sa­men Arbeit­ge­ber­kün­di­gung unab­hän­gig davon ein, ob der arbeits­un­fä­hig erkrank­te Arbeit­neh­mer sei­ne wie­der­ge­won­ne­ne Arbeits­fä­hig­keit dem Arbeit­ge­ber anzeigt.

Nach Aus­spruch einer unwirk­sa­men frist­lo­sen wie ordent­li­chen Kün­di­gung ist ein sol­ches Ange­bot gemäß § 296 Satz 1 BGB grund­sätz­lich ent­behr­lich 1.

Viel­mehr obliegt es dem Arbeit­ge­ber als Gläu­bi­ger der geschul­de­ten Arbeits­leis­tung, dem Arbeit­neh­mer die Leis­tungs­er­brin­gung zu ermög­li­chen, sprich, für den Arbeit­neh­mer einen funk­ti­ons­fä­hi­gen Arbeits­platz bereit zu hal­ten.

Mit Aus­spruch der frist­lo­sen Kün­di­gung bzw. nach Ablauf der ordent­li­chen Kün­di­gungs­frist ent­zieht der Arbeit­ge­ber dem Arbeit­neh­mer aber regel­mä­ßig einen der­ar­ti­gen Arbeits­platz und bringt zum Aus­druck, dass er den Arbeit­neh­mer gera­de nicht beschäf­ti­gen will. Er kommt damit sei­ner gebo­te­nen Oblie­gen­heits­pflicht, für den Arbeit­neh­mer einen Arbeits­platz bereit zu hal­ten, nicht nach, so dass er bei Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung in Annah­me­ver­zug gerät, ohne dass es eines tat­säch­li­chen oder auch nur wört­li­chen Ange­bots der Arbeits­leis­tung durch den Arbeit­neh­mer bedarf 2.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig ‑Hol­stein, Urteil vom 6. Okto­ber 2015 – 5 Sa 176/​15

  1. BAG, Urteil vom 18.09.2008 – 2 AZR 1060/​06; BAG, Urteil vom 24.11.1990 – 2 AZR 591/​89; BAG, Urteil vom 19.01.1999 – 9 AZR 679/​97[]
  2. BAG, Urteil vom 19.01.1999 – 9 AZR 679/​97[]