Anpas­sung der Betriebs­ren­te – und das sofor­ti­ge Aner­kennt­nis des Arbeit­ge­bers

Der Ver­sor­gungs­emp­fän­ger hat bei einem Streit dar­über, ob und ggf. in wel­chem Umfang lau­fen­de Leis­tun­gen der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung nach § 16 BetrAVG anzu­pas­sen sind, hin­sicht­lich der vom Arbeit­ge­ber zu erbrin­gen­den künf­ti­gen Leis­tun­gen ein Titu­lie­rungs­in­ter­es­se für die vol­le geschul­de­te Betriebs­ren­te.

Anpas­sung der Betriebs­ren­te – und das sofor­ti­ge Aner­kennt­nis des Arbeit­ge­bers

Nimmt der Ver­sor­gungs­emp­fän­ger den Arbeit­ge­ber, der die Betriebs­ren­te zum jewei­li­gen Anpas­sungs­stich­tag anpasst und die sich aus sei­ner Anpas­sungs­ent­schei­dung erge­ben­de Betriebs­ren­te an den Ver­sor­gungs­emp­fän­ger aus­zahlt, mit einer Kla­ge auf künf­ti­ge Leis­tun­gen in Höhe der vol­len geschul­de­ten Betriebs­ren­te in Anspruch und erkennt der Arbeit­ge­ber den Anspruch in der von ihm errech­ne­ten Höhe sofort an, trägt der Ver­sor­gungs­emp­fän­ger nach § 93 ZPO im Umfang des Aner­kennt­nis­ses jeden­falls dann die Kos­ten des Rechts­streits, wenn der gezahl­te und aner­kann­te Teil­be­trag nur gering­fü­gig hin­ter der ins­ge­samt geschul­de­ten Betriebs­ren­te zurück­bleibt.

Der Wert der Beschwer nach §§ 9, 5 ZPO und der Streit­wert nach § 42 Abs. 2 und Abs. 4 GKG sind nach der vol­len ein­ge­klag­ten Betriebs­ren­te zu berech­nen.

Der Ver­sor­gungs­emp­fän­ger hat ein Titu­lie­rungs­in­ter­es­se für die vol­le geschul­de­te Betriebs­ren­te. Hin­sicht­lich des strei­ti­gen Teils der Betriebs­ren­te war ein Titel schon des­we­gen erfor­der­lich, weil erst die­ser dem Klä­ger die Voll­stre­ckung ermög­licht. Ein Titu­lie­rungs­in­ter­es­se hat­te der Klä­ger aller­dings auch hin­sicht­lich des unstrei­ti­gen Teil­be­tra­ges. Dies folgt aus § 258 ZPO, wonach bei wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen auch wegen der erst nach Erlass des Urteils fäl­lig wer­den­den Leis­tun­gen Kla­ge auf künf­ti­ge Ent­rich­tung erho­ben wer­den kann 1. Nach § 258 ZPO sind wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen – hier­zu gehö­ren auch Betriebs­ren­ten­zah­lun­gen – schon vor Ein­tritt der Fäl­lig­keit des jewei­li­gen Teil­an­spruchs der Titu­lie­rung zugäng­lich. Dadurch wird es dem Gläu­bi­ger erspart, über jede Rate auf der Grund­la­ge sich stets wie­der­ho­len­den Vor­trags immer wie­der einen Titel erwir­ken zu müs­sen 2. Bei einer Kla­ge nach § 258 ZPO auf wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen, die von kei­ner Gegen­leis­tung abhän­gen, muss im Gegen­satz zu einer Kla­ge nach § 259 ZPO zudem nicht die Besorg­nis bestehen, dass der Schuld­ner sich der recht­zei­ti­gen Leis­tung ent­zie­hen wer­de 3.

Das Titu­lie­rungs­in­ter­es­se schließt die Anwen­dung des § 93 ZPO jedoch nicht aus. Passt der Arbeit­ge­ber die Betriebs­ren­te zum jewei­li­gen Anpas­sungs­stich­tag nach § 16 BetrAVG an und zahlt er die sich aus sei­ner Anpas­sungs­ent­schei­dung erge­ben­de Betriebs­ren­te an den Betriebs­rent­ner aus, ist jeden­falls dann, wenn – wie hier – der gezahl­te und aner­kann­te Teil­be­trag nur gering­fü­gig hin­ter der ins­ge­samt geschul­de­ten Betriebs­ren­te zurück­bleibt, die Anwen­dung von § 93 ZPO zu Guns­ten des Arbeit­ge­bers gebo­ten. Nur dann kann er sein Kos­ten­ri­si­ko, das aus dem mit der Kla­ge auf Zah­lung der vol­len Betriebs­ren­te ver­bun­de­nen höhe­ren Streit­wert resul­tiert, auf den Wert redu­zie­ren, der sich aus der strei­ti­gen For­de­rung ergibt. Ande­ren­falls müss­te er stets den gesam­ten vom Betriebs­rent­ner gefor­der­ten Betrag zah­len und aner­ken­nen, um der dro­hen­den Kos­ten­fol­ge des § 91 ZPO zu ent­ge­hen. Dem­ge­gen­über ist es dem Ver­sor­gungs­gläu­bi­ger zuzu­mu­ten, sich auf die Gel­tend­ma­chung der über die gezahl­te Betriebs­ren­te hin­aus­ge­hen­den strei­ti­gen Dif­fe­renz­be­trä­ge zu beschrän­ken. Die Gefahr, der Arbeit­ge­ber wer­de bei einer ent­spre­chen­den Titu­lie­rung nur den Dif­fe­renz­be­trag zah­len und sich im Übri­gen sei­ner Leis­tungs­pflicht ent­zie­hen, besteht in einem sol­chen Fall nicht.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 14. Febru­ar 2012 – 3 AZB 59/​11

  1. vgl. BAG 28.06.2011 – 3 AZR 137/​09, Rn. 16[]
  2. vgl. BGH 17.11.2006 – V ZR 71/​06NJW 2007, 294[]
  3. BAG 9.11.1999 – 3 AZR 361/​98 – zu A 2 der Grün­de, AP BetrAVG § 7 Nr. 96 = EzA BetrAVG § 7 Nr. 62[]