Anwen­dung grie­chi­scher Spar­ge­set­ze in Deutsch­land

Sind die aktu­el­len grie­chi­schen Spar­ge­set­ze sind auf die Leh­rer einer von der Repu­blik Grie­chen­land in Deutsch­land betrie­be­nen Volks­schu­le anwend­bar? Die­se Fra­ge hat jetzt das Bun­des­ar­beits­ge­richt dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt.

Anwen­dung grie­chi­scher Spar­ge­set­ze in Deutsch­land

Der Klä­ger ist grie­chi­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger und als Leh­rer an der von der beklag­ten Repu­blik Grie­chen­land getra­ge­nen Grie­chi­schen Volks­schu­le in Nürn­berg beschäf­tigt. Er for­dert wei­te­re Ver­gü­tung für den Zeit­raum Okto­ber 2010 bis Dezem­ber 2012 in Höhe von ins­ge­samt 20.262, 32 € sowie Lohn­ab­rech­nun­gen. Die strei­ti­gen Tei­le der lau­fen­den Ver­gü­tung und der Jah­res­son­der­zah­lun­gen hat die beklag­te Repu­blik unter Beru­fung auf die grie­chi­schen Geset­ze 3833/​2010 und 3845/​2010 von der zuvor in Anleh­nung an deut­sches Tarif­recht des öffent­li­chen Diens­tes geleis­te­ten Brut­to­ver­gü­tung in Höhe von 3.861, 94 € monat­lich abge­setzt.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Arbeits­ge­richt hat die Kla­ge als unzu­läs­sig abge­wie­sen, weil es die Zustän­dig­keit deut­scher Gerich­te ver­nein­te. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben [1]. Mit der Revi­si­on begehrt die beklag­te Repu­blik die Wie­der­her­stel­lung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung. Für das Bun­des­ar­beits­ge­richt ist es streit­ent­schei­dend, ob die grie­chi­schen Geset­ze 3833/​2010 und 3845/​2010 als soge­nann­te Ein­griffs­nor­men auf das in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu erfül­len­de und deut­schem Recht unter­lie­gen­de Arbeits­ver­hält­nis unmit­tel­bar oder mit­tel­bar Anwen­dung fin­den. Aus­gangs­fra­ge ist, ob das im Jahr 1996 begrün­de­te und jeden­falls bis Ende 2012 fort­be­stehen­de Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en dem Gel­tungs­be­reich der Rom I‑VO oder noch dem alten IPR Deutsch­lands (Art. 27 ff. EGBGB aF) unter­fällt. Soll­te Art. 9 Rom I‑VO Anwen­dung fin­den, sind Bedeu­tung und Trag­wei­te der Aus­nah­me­be­stim­mung des Abs. 3 klä­rungs­be­dürf­tig. Des Wei­te­ren bedarf es der Aus­le­gung des in Art. 4 Abs. 3 EUV ver­an­ker­ten Grund­sat­zes der loya­len Zusam­men­ar­beit der Mit­glied­staa­ten bei Anwen­dung von Ein­griffs­nor­men ande­rer Mit­glied­staa­ten.

Des­halb hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on fol­gen­de Fra­gen zur Aus­le­gung des Uni­ons­rechts vor­ge­legt:

  1. Fin­det die Rom I‑VO nach Art. 28 auf Arbeits­ver­hält­nis­se aus­schließ­lich dann Anwen­dung, wenn das Rechts­ver­hält­nis durch einen nach dem 16.12 2009 ver­ein­bar­ten Arbeits­ver­trag begrün­det wor­den ist, oder führt jeder spä­te­re Kon­sens der Ver­trags­par­tei­en, ihr Arbeits­ver­hält­nis ver­än­dert oder unver­än­dert fort­zu­set­zen, zur Anwend­bar­keit der Ver­ord­nung?
  2. Schließt Art. 9 Abs. 3 Rom I‑VO allein die direk­te Anwen­dung von Ein­griffs­nor­men eines Dritt­staats aus, in dem die durch den Ver­trag begrün­de­ten Ver­pflich­tun­gen nicht erfüllt wer­den sol­len oder erfüllt wor­den sind, oder auch die mit­tel­ba­re Berück­sich­ti­gung im Recht des Staa­tes, des­sen Recht der Ver­trag unter­liegt?
  3. Kommt dem in Art. 4 Abs. 3 EUV ver­an­ker­ten Grund­satz der loya­len Zusam­men­ar­beit recht­li­che Bedeu­tung für die Ent­schei­dung natio­na­ler Gerich­te zu, Ein­griffs­nor­men eines ande­ren Mit­glied­staats unmit­tel­bar oder mit­tel­bar anzu­wen­den?

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 25. Febru­ar 2015 – 5 AZR 962/​13 (A)

  1. LAG Nürn­berg, Urteil vom 25.09.2013 – 2 Sa 253/​12[]