Arbeit­ge­ber­ei­gen­schaft der ver­fass­ten Stu­den­ten­schaft einer Hoch­schu­le

Nicht der Hoch­schul­trä­ger (hier: Frei­staat Sach­sen), son­dern die ver­fass­te Stu­den­ten­schaft einer Hoch­schu­le kann Arbeit­ge­ber der beschäf­tig­ten geschäfts­füh­ren­den Mit­glie­der ihrer Ver­tre­tungs­or­ga­ne sein (hier: Spre­cher und Finanz­re­fe­ren­ten des Stu­den­ten­rats).

Arbeit­ge­ber­ei­gen­schaft der ver­fass­ten Stu­den­ten­schaft einer Hoch­schu­le

Als Arbeit­ge­ber im sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Sin­ne ist regel­mä­ßig der­je­ni­ge anzu­se­hen, zu dem ein ande­rer – der Beschäf­tig­te – in einem per­sön­li­chen Abhän­gig­keits­ver­hält­nis steht. Nach § 7 Abs 1 Satz 1 SGB IV 1 ist Beschäf­ti­gung die "nicht­selb­stän­di­ge Arbeit, ins­be­son­de­re in einem Arbeits­ver­hält­nis". "Anhalts­punk­te für eine Beschäf­ti­gung sind eine Tätig­keit nach Wei­sun­gen und eine Ein­glie­de­rung in die Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on des Wei­sungs­ge­bers" (§ 7 Abs 1 Satz 2 SGB IV). Eine – nicht auf Arbeits­ver­hält­nis­se in einem engen arbeits­recht­li­chen Sin­ne beschränk­te – Beschäf­ti­gung setzt nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Senats vor­aus, dass der Beschäf­tig­te von sei­nem "Arbeit­ge­ber" per­sön­lich abhän­gig ist. Bei einer Beschäf­ti­gung in einem frem­den Betrieb ist dies der Fall, wenn der Beschäf­tig­te in den Betrieb ein­ge­glie­dert ist und dabei einem Zeit, Dau­er, Ort und Art der Aus­füh­rung umfas­sen­den Wei­sungs­recht des Arbeit­ge­bers unter­liegt. Die­se Wei­sungs­ge­bun­den­heit kann – vor­nehm­lich bei Diens­ten höhe­rer Art – ein­ge­schränkt und zur "funk­ti­ons­ge­recht die­nen­den Teil­ha­be am Arbeits­pro­zess" ver­fei­nert sein. Ob jemand im Ver­hält­nis zu einem ande­ren (= dem Arbeit­ge­ber) abhän­gig beschäf­tigt ist, rich­tet sich aus­ge­hend von den genann­ten Umstän­den nach dem Gesamt­bild der Arbeits­leis­tung 2. Dabei steht es der Annah­me einer Beschäf­ti­gung durch einen Arbeit­ge­ber nicht ent­ge­gen, dass der Betrof­fe­ne in der Rechts­stel­lung als Organ oder als Mit­glied des Organs einer juris­ti­schen Per­son des öffent­li­chen Rechts ent­gelt­lich Ver­wal­tungs­auf­ga­ben wahr­nimmt, wenn die­se Auf­ga­ben nur dem all­ge­mei­nen Erwerbs­le­ben zugäng­lich sind 3.

Arbeit­ge­ber ist bei alle­dem mit­hin stets der­je­ni­ge, dem der Anspruch auf die vom Beschäf­tig­ten nach Maß­ga­be des Wei­sungs­rechts geschul­de­te Arbeits­leis­tung zusteht und der dem Beschäf­tig­ten dafür als Gegen­leis­tung zur Ent­gelt­zah­lung ver­pflich­tet ist 4. Soweit rechts­fä­hi­ge Ver­ei­ni­gun­gen und Insti­tu­tio­nen Trä­ger eige­ner Rech­te und Pflich­ten sind, kommt regel­mä­ßig die­sen selbst auch im juris­ti­schen Sin­ne die Arbeit­ge­ber­ei­gen­schaft zu, und zwar auch dann, wenn Inter­es­sen­gleich­heit zwi­schen der Ver­ei­ni­gung und den sie tra­gen­den Per­so­nen besteht. Ähn­li­ches gilt für Per­so­nen­ver­ei­ni­gun­gen und Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten des Pri­vat­rechts als sol­che im Ver­hält­nis zu den ein­zel­nen Per­so­nen, aus denen die­se Ver­ei­ni­gun­gen gebil­det wer­den 5. Für den Fall, dass meh­re­re Rechts­sub­jek­te als Arbeit­ge­ber eines Beschäf­tig­ten in Betracht kom­men, ent­hält das Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht zT – vor­lie­gend aller­dings nicht ein­schlä­gi­ge – Son­der­re­ge­lun­gen, etwa für den Bereich der Arbeit­neh­mer­über­las­sung (vgl näher § 28e Abs 2 bis Abs 3a SGB IV).

Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen und unter Zugrun­de­le­gung der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts ist hier nicht der Frei­staat Sach­sen als Hoch­schul­trä­ger Arbeit­ge­ber des Spre­chers bzw Finanz­re­fe­ren­ten der Stu­den­ten­schaft, son­dern die mit eige­ner Teil­rechts­fä­hig­keit aus­ge­stat­te­te Stu­den­ten­schaft, die gegen­über den Per­so­nen ver­selbst­stän­digt ist, aus denen sie gebil­det wird (= Stu­die­ren­de). Dem­zu­fol­ge schul­det die Gesamt­so­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge nicht der Hoch­schul­trä­ger nach § 28e Abs 1 Satz 1 SGB IV.

Auch wenn der Spre­cher und der Finanz­re­fe­rent der Stu­den­ten­schaft nach dem Gesamt­bild in einer frem­den Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on dem all­ge­mei­nen Erwerbs­le­ben zugäng­li­che Ver­wal­tungs­auf­ga­ben wahr­nah­men und dafür – unter gänz­li­cher bzw teil­wei­ser Frei­stel­lung vom Stu­di­um zum Zwe­cke der Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben in ihrer stu­den­ti­schen Gre­mi­en­ar­beit – Ent­gelt in Form einer pau­scha­len, den tat­säch­li­chen Auf­wand über­stei­gen­den Auf­wands­ent­schä­di­gung erhiel­ten, war eine Arbeit­ge­ber­ei­gen­schaft des zu Bei­trags­zah­lun­gen her­an­ge­zo­ge­nen Hoch­schul­trä­gers in recht­mä­ßi­ger Wei­se ver­neint.

So hat das LSG ange­nom­men, dass Spre­cher und Finanz­re­fe­ren­ten für die lau­fen­de all­ge­mei­ne bzw finanz­wirt­schaft­li­che Ver­wal­tung nach Maß­ga­be der Beschlüs­se und Wei­sun­gen des Ver­tre­tungs­or­gans "Stu­den­ten­rat" zustän­dig waren und ihre Arbeits­kraft in der Wei­se ein­setz­ten, dass sie als Organ­mit­glie­der fak­tisch in per­sön­li­cher Abhän­gig­keit Ver­wal­tungs­auf­ga­ben des Stu­den­ten­rats erle­dig­ten. Aus den Umstän­den durf­te geschlos­sen wer­den, dass die Betrof­fe­nen die wesent­li­chen Kri­te­ri­en für eine Beschäf­ti­gung erfüll­ten, indem sie wei­sungs­ge­bun­den in den Geschäfts­ab­lauf des Stu­den­ten­rats ein­ge­bun­den waren und – ähn­lich dem Geschäfts­füh­rer einer juris­ti­schen Per­son des Pri­vat­rechts – auf der Grund­la­ge von nähe­ren Fest­le­gun­gen für den Stu­den­ten­rat han­del­ten bzw ihn ver­tra­ten. Sie waren nach den Fest­stel­lun­gen des LSG in allen grund­le­gen­den Fra­gen an Wei­sun­gen des Stu­den­ten­rats gebun­den, ohne selbst allein und maß­geb­lich den Wil­len der Bei­gela­de­nen zu 20. zu bestim­men.

Das LSG hat dar­über hin­aus unter detail­lier­ter Her­an­zie­hung des Hoch­schul­rechts des kla­gen­den Frei­staats Sach­sen und des für die Stu­den­ten­schaft gel­ten­den Sat­zungs­rechts dar­auf abge­stellt, dass die Bei­gela­de­nen zu 7. bis 15. spe­zi­ell als Organ­mit­glie­der des Stu­den­ten­rats der Stu­den­ten­schaft in einer beson­de­ren Funk­ti­on tätig wur­den und nicht – wie sons­ti­ges Hoch­schul­per­so­nal iS des SächsHG – im Diens­te des kla­gen­den Frei­staats als dem lan­des­recht­lich maß­geb­li­chen Trä­ger der Hoch­schu­le stan­den.

Das LSG hat sich dar­an ori­en­tiert, dass die Spre­cher und Finanz­re­fe­ren­ten ihre (im Ein­zel­nen näher in den Blick genom­me­nen) Auf­ga­ben der Geschäfts­füh­rung bzw der finanz­wirt­schaft­li­chen Ver­wal­tung des Stu­den­ten­rats wahr­nah­men und damit ihre Arbeits­kraft in ers­ter Linie dem Stu­den­ten­rat als Organ der Stu­den­ten­schaft zu Gute kam. Zu die­ser Ein­schät­zung ist das LSG nicht zuletzt des­halb gekom­men, weil die Stu­den­ten­schaft im Frei­staat Sach­sen eine eige­ne, hin­sicht­lich ihrer Ein­zel­hei­ten lan­des­recht­lich näher gere­gel­te von der Hoch­schu­le zu tren­nen­de (Teil-)Rechtsfähigkeit besit­ze. Die genann­ten Bei­gela­de­nen sei­en in allen grund­le­gen­den Fra­gen an die Wei­sun­gen des Stu­den­ten­rats gebun­den gewe­sen; sie hät­ten ihre Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen aus den eige­nen Mit­teln der lan­des­recht­lich als eige­nes Haf­tungs­sub­jekt aus­ge­stal­te­ten Stu­den­ten­schaft erhal­ten, die – durch das Hoch­schul­recht des Bun­des abge­deckt – zweck­ge­bun­den von den Stu­den­ten erho­ben wor­den sei­en; obwohl die Arbeits­leis­tung von Spre­chern und Finanz­re­fe­ren­ten des Stu­den­ten­rats letzt­lich auch der Hoch­schu­le zugu­te kom­me und es sich bei der Hoch­schu­le und ihrer Stu­den­ten­schaft nicht um recht­lich völ­lig von­ein­an­der getrenn­te juris­ti­sche Per­so­nen han­de­le, sei die Tätig­kei­ten der Betrof­fe­nen hier pri­mär dar­auf aus­ge­rich­tet gewe­sen, gera­de die eige­nen Inter­es­sen und Ver­wal­tungs­auf­ga­ben der Stu­den­ten­schaft wahr­zu­neh­men bzw zu erfül­len. Aus alle­dem hat das LSG her­ge­lei­tet, dass als rechts­fä­hi­ger öffent­lich­recht­li­cher Teil­kör­per­schaft inso­weit in ers­ter Linie der Stu­den­ten­schaft der Anspruch auf die Arbeits­leis­tung zuge­stan­den habe. Bestä­tigt gese­hen hat sich das LSG dadurch, dass das Lan­des­recht des Frei­staats Sach­sen kei­ne Bestim­mung ent­hal­te, die abwei­chen­de Vor­ga­ben über die Rechts­stel­lung der Organ­mit­glie­der der Stu­den­ten­schaft mache und die im Sin­ne der Auf­fas­sung des beklag­ten Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­gers auf ein zum Frei­staat bestehen­des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis hin­aus­lie­fe; immer­hin wür­den Spre­cher und Finanz­re­fe­ren­ten – anders als all­ge­mei­nes Hoch­schul­per­so­nal – durch den Stu­den­ten­rat gewählt, der sei­ne eige­ne Legi­ti­ma­ti­on wie­der­um aus Wahl­hand­lun­gen der Stu­die­ren­den ablei­te.

Die recht­li­che Wür­di­gung des LSG ver­stößt nicht gegen revi­si­bles Recht i.S. von § 162 SGG. Danach kann die Revi­si­on nur dar­auf gestützt wer­den, dass das ange­foch­te­ne Urteil auf der Ver­let­zung einer Vor­schrift des Bun­des­rechts oder einer sons­ti­gen im Bezirk des Beru­fungs­ge­richts gel­ten­den Vor­schrift beruht, deren Gel­tungs­be­reich sich über den Bezirk des Beru­fungs­ge­richts hin­aus erstreckt. Die Ein­wän­de der Beklag­ten gegen das LSG-Urteil füh­ren aus­ge­hend davon nicht zum Erfolg.

Die Beklag­te rügt in ihrem Revi­si­ons­vor­brin­gen nicht die Ver­let­zung von Hoch­schul­recht des Bun­des durch das LSG. Eine sol­che Ver­let­zung ist auch für den Senat nicht in dem Sin­ne ersicht­lich, dass etwa das Hoch­schul­rah­men­recht des Bun­des zwin­gen­de Vor­ga­ben machen wür­de, die die Aus­le­gung des LSG zur feh­len­den Arbeit­ge­ber­ei­gen­schaft des kla­gen­den Frei­staats als rechts­feh­ler­haft erschei­nen las­sen.

Das Hoch­schul­rah­men­ge­setz des Bun­des 6, eröff­net den Bun­des­län­dern in § 41 Abs 1 die Mög­lich­keit, Stu­den­ten­schaf­ten zur Wahr­neh­mung hoch­schul­po­li­ti­scher, sozia­ler und kul­tu­rel­ler Belan­ge der Stu­die­ren­den, zur Pfle­ge der über­re­gio­na­len und inter­na­tio­na­len Stu­den­ten­be­zie­hun­gen sowie zur Wahr­neh­mung stu­den­ti­scher Belan­ge in Bezug auf die Auf­ga­ben der Hoch­schu­len zu bil­den. Wird eine sol­che (rechts­fä­hi­ge) Stu­den­ten­schaft gebil­det, so ver­wal­tet sie ihre Ange­le­gen­hei­ten im Rah­men der gesetz­li­chen Bestim­mun­gen selbst und kann von ihren Mit­glie­dern zur Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben Bei­trä­ge erhe­ben; die Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung der Stu­den­ten­schaft wird vom Lan­des­rech­nungs­hof geprüft; die Stu­den­ten­schaft unter­steht der Rechts­auf­sicht der Lei­tung der Hoch­schu­le und der zustän­di­gen Lan­des­be­hör­de (§ 41 Abs 2 Satz 1 bis 4 HRG) 7. Dar­über hin­aus­ge­hen­de Bin­dun­gen, ins­be­son­de­re zur orga­ni­sa­to­ri­schen Aus­ge­stal­tung des Innen­ver­hält­nis der Stu­den­ten­schaft oder zur dienst­recht­li­chen Stel­lung des Per­so­nals der Stu­den­ten­schaft, gibt das HRG den Bun­des­län­dern nicht vor 8. Der Frei­staat Sach­sen hat von die­ser Rege­lungs­mög­lich­keit nach den Fest­stel­lun­gen des LSG ent­spre­chend Gebrauch gemacht und der Stu­den­ten­schaft der Hoch­schu­len die­ses Bun­des­lan­des ermög­licht, ihre Ange­le­gen­hei­ten im Rah­men der Geset­ze selbst zu ver­wal­ten (§ 74 Abs 1 Satz 3 SächsHG). Das LSG ist vor die­sem Hin­ter­grund nach den lan­des­recht­li­chen Bestim­mun­gen von einem Rechts­ver­hält­nis sui gene­ris der Organ­mit­glie­der des Stu­den­ten­rats im Ver­hält­nis zur Stu­den­ten­schaft aus­ge­gan­gen und hat dabei die vom 01.03.1999 bis 8.01.2003 gel­ten­den ein­schlä­gi­gen Sat­zungs­be­stim­mun­gen der Stu­den­ten­schaft unter dem Blick­win­kel des Sozi­al­ver­si­che­rungs­rechts mit­ge­wür­digt. Die­se Wür­di­gung ist nicht zu bean­stan­den.

Soweit die Beklag­te mit ihrem Revi­si­ons­vor­brin­gen dem LSG ent­ge­gen­tritt, wen­det sie sich im Kern nur gegen die Aus­le­gung des Hoch­schul­rechts des Frei­staats Sach­sen durch das Beru­fungs­ge­richt. Die­se Aus­le­gung des LSG ist für das Bun­des­so­zi­al­ge­richt indes­sen bin­dend (§ 162 SGG).

Einen Ver­stoß gegen hoch­schul­recht­li­che Vor­schrif­ten des Bun­des­rechts rügt die Beklag­te nicht. Sie rügt auch nicht in zuläs­si­ger Wei­se, das das LSGUr­teil auf der Ver­let­zung einer sons­ti­gen im Bezirk des Beru­fungs­ge­richts gel­ten­den Vor­schrift beruht, deren Gel­tungs­be­reich sich über den Bezirk des Beru­fungs­ge­richts hin­aus erstreckt. So macht die Beklag­te nur gel­tend, dass die Per­so­nal­ver­wal­tung nicht zu dem der zu 20. bei­gela­de­nen Stu­den­ten­schaft zugäng­li­chen Bereich gehört habe und die Spre­cher und Finanz­re­fe­ren­ten ihre Funk­tio­nen inner­halb des Gesamt­or­ga­nis­mus der Hoch­schu­le wahr­näh­men, sodass sie Ange­stell­te der zu 19. bei­gela­de­nen Hoch­schu­le sei­en und damit im Dienst des Klä­gers stün­den. Sie beruft sich dabei ledig­lich dar­auf, die Rege­lun­gen des säch­si­schen Hoch­schul­rechts sei­en revi­si­bel, weil die über­wie­gen­de Anzahl der Bun­des­län­der auf­grund des HRG glei­cher­ma­ßen Rege­lun­gen zur Bil­dung von Stu­den­ten­rä­ten und zu deren kör­per­schafts­recht­li­cher Ein­ord­nung erlas­sen hät­ten; ver­gleich­ba­re Rege­lun­gen bestün­den zB im Bun­des­land Sach­sen­An­halt. Das genügt nicht den Anfor­de­run­gen an eine Rüge der Ver­let­zung von im Bezirk des Beru­fungs­ge­richts gel­ten­den Vor­schrif­ten, deren Gel­tungs­be­reich sich über den Bezirk des Beru­fungs­ge­richts hin­aus erstreckt.

Abge­se­hen davon, dass sei­tens der Beklag­ten inso­weit ledig­lich rudi­men­tär und pau­schal auf ver­meint­lich gleich­lau­ten­de Rege­lun­gen in ande­ren Bun­des­län­dern ver­wie­sen wird, reicht nach stän­di­ger Recht­spre­chung selbst eine inhalt­li­che Über­ein­stim­mung von lan­des­recht­li­chen Bestim­mun­gen aus meh­re­ren Bun­des­län­dern nicht aus, um Revi­si­bi­li­tät lan­des­recht­li­cher Rege­lun­gen her­bei­zu­füh­ren. Erfor­der­lich ist es inso­weit viel­mehr anhand gleich­lau­ten­der Nor­men dar­zu­le­gen, dass über­haupt eine inhalt­li­che Über­ein­stim­mung des grund­sätz­lich nicht revi­si­blen Rechts besteht sowie dass die­se Über­ein­stim­mung im Inter­es­se der Rechts­ver­ein­heit­li­chung bewusst und gewollt erfolg­te und nicht ledig­lich zufäl­lig ist 9. An sol­chen Dar­le­gun­gen fehlt es.

Die von der Beklag­ten aus­drück­lich (nur) gerüg­te Ver­let­zung von § 7 Abs 1 und § 28e SGB IV durch das LSG liegt eben­falls nicht vor. Wie bereits unter b)) näher dar­ge­legt, hat das LSG die bun­des­recht­li­chen Vor­ga­ben und Grund­sät­ze, nach denen die Beschäf­tig­ten­ei­gen­schaft iS von § 7 Abs 1 SGB IV zu bestim­men ist, und die­je­ni­gen, nach denen sich die Arbeit­ge­ber­ei­gen­schaft iS von § 28e SGB IV beur­teilt, zutref­fend her­an­ge­zo­gen. Das LSGUr­teil ver­stößt daher nicht gegen Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht.

Das gilt auch, soweit die Beklag­te bean­stan­det, der Klä­ger habe Auf­ga­ben zT von der zen­tra­len Hoch­schul­ver­wal­tung wahr­neh­men las­sen, sich nicht gegen den anders­lau­ten­den Haf­tungs­be­scheid des Finanz­amts gewandt und der Stu­den­ten­schaft sei von den Finanz­be­hör­den kei­ne eige­ne Steu­er­num­mer erteilt wor­den. Die Kom­pli­ziert­heit von Per­so­nal­recht, rein tech­ni­sche Gesichts­punk­te oder der Umstand, dass mit der Arbeit­ge­ber­stel­lung zusam­men­hän­gen­de Auf­ga­ben extern oder zen­tral wahr­ge­nom­men wer­den, sind kei­ne geeig­ne­ten Kri­te­ri­en für die zuver­läs­si­ge Bestim­mung der Arbeit­ge­ber­ei­gen­schaft iS von § 28e Abs 1 Satz 1 SGB IV. Unbe­scha­det des­sen besteht hin­sicht­lich die­ser Eigen­schaft über blo­ße Indi­zwir­kun­gen hin­aus ohne­hin kei­ne sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Bin­dung – etwa im Sin­ne einer Tat­be­stands­wir­kung – an die Ent­schei­dung einer Finanz­be­hör­de dar­über, wen die­se als Arbeit­ge­ber für Lohn­steu­er­zah­lun­gen in Anspruch genom­men hat. Abge­se­hen davon hat selbst bereits der BFH ent­schie­den, dass eine ver­fass­te Stu­den­ten­schaft Arbeit­ge­ber ihrer Geschäfts­füh­rungs­or­ga­ne sein kann 10.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 27. Juli 2011 – B 12 KR 10/​09 R

  1. hier mWv 1.01.1999 anzu­wen­den idF des Geset­zes vom 20.12.1999, BGBl I 2000, 2[]
  2. stRspr, vgl zB zuletzt BSG SozR 42400 § 7 Nr 6 RdNr 14 mwN; BSG SozR 32400 § 7 Nr 19 S 69 f, Nr 13 S 31 f und Nr 4 S 13, jeweils mwN; BSGE 78, 34, 36 = SozR 32940 § 2 Nr 5 S 26 f mwN; zur ver­fas­sungs­recht­li­chen Unbe­denk­lich­keit des § 7 SGB IV: BVerfG SozR 32400 § 7 Nr 11[]
  3. vgl BSG SozR 42400 § 7 Nr 6 – Ehren­amt­li­cher Bür­ger­meis­ter einer Gemein­de mit Anspruch auf eine steu­er­pflich­ti­ge Auf­wands­ent­schä­di­gung[]
  4. vgl schon BSGE 18, 190, 196 f = SozR Nr 1 zu § 245 RVO; BSG SozR Nr 1 zu § 380 RVO mwN[]
  5. vgl zum Gan­zen zB Wer­ner in Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB IV, 2. Aufl 2011, § 28e RdNr 38 f; fer­ner BSGE 18, 190 = SozR Nr 1 zu § 245 RVO ; BSG SozR 32400 § 7 Nr 20 ; BSG SozR Nr 1 zu § 380 RVO und BSGE 55, 3, 5 = SozR 5486 Art 4 § 2 Nr 3 []
  6. HRG hier – bezo­gen auf den strei­ti­gen Zeit­raum der Jah­re 2000 bis 2002 anzu­wen­den idF der Neu­be­kannt­ma­chung vom 19.01.1999, BGBl I 18 und der für die­se Jah­re maß­geb­li­chen Fol­ge­fas­sun­gen, aller­dings für die Zeit ab 15.08.2002 unter Berück­sich­ti­gung der Ent­schei­dung des BVerfG vom 26.01.2005 – 2 BvF 1/​03, BVerfGE 112, 226[]
  7. vgl zum Gan­zen näher Reich, HRG, 10. Aufl 2007, § 41 RdNr 1 ff[]
  8. vgl zu den nach dem Hoch­schul­recht des Bun­des gel­ten­den Bin­dun­gen näher Reich, aaO, § 41 RdNr 4 ff[]
  9. vgl zB zuletzt BSG SozR 42500 § 112 Nr 6 RdNr 16 mwN; BSG SozR 45921 Art 1 Nr 1 RdNr 5; BSG SozR 35920 § 1 Nr 1 S 2 mwN; BSGE 50, 121 = SozR 4100 § 117 Nr 3; Leit­he­rer in: MeyerLadewig/​Keller/​Leitherer, SGG, 9. Aufl 2008, § 162 RdNr 5a und 5b mwN; Krasney/​Udsching, Hand­buch des sozi­al­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens, 5. Aufl 2008, Kap IX RdNr 298 mwN[]
  10. BSG, Urteil vom 22.07.2008 – VI R 51/​05BFHE 222, 438, betref­fend eine Hoch­schu­le in Hes­sen[]