Arbeitnehmer – als Fußballfan vom Platz gestellt

In Wolfsburger VW-Werk wird heute die Spätschicht ausfallen, damit die Fußballfans das Spiel der Deutschen Nationalmannschaft live mitverfolgen können.

Arbeitnehmer – als Fußballfan vom Platz gestellt

Aber bei weitem nicht jeder Arbeitgeber ist von dem Fußballturnier in Brasilien so begeistert, dass er die Arbeitszeit dem Spielplan angepasst hat. Dann heißt es für die Mitarbeiter pflichtgemäß arbeiten. Ein Arbeitnehmer, dem es wichtiger ist, das Fußballspiel zu verfolgen, spielt mit seinem Arbeitsplatz.

Allgemein wird das Fernsehen am Arbeitsplatz als eine Ablenkung angesehen, die sich negativ auf die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers auswirkt und damit gegen die Arbeitspflicht verstößt. Die Verfolgung des Fußballspiels per Radio kann dagegen je nach Arbeitsplatz tolleriert werden, wenn neben dem Radiohören ein Weiterarbeiten möglich ist. So hat das Bundesarbeitsgericht1 bereits in einem Beschluss von 1986 unter bestimmten Bedingungen ein Radio am Arbeitsplatz erlaubt. Leiden die Kollegen unter dem „Lärm“ oder wird an dem speziellen Arbeitsplatz absolute Ruhe benötigt, kann ein laufenden Radio den Unmut des Arbeitgebers nach sich ziehen. Der Arbeitnehmer muss im günstigsten Fall mit dem symbolischen Zeigefinger des Chefs rechnen – darf sich aber auch nicht über eine formelle Abmahnung wundern. Bleibt es nicht bei einem einmaligen Vorfall, sondern jedes Fußballspiel der Deutschen Mannschaft wird trotz Verbot vom Arbeitgeber am Arbeitsplatz verfolgt, kann es sogar zu einer Kündigung kommen. Denn einen immer wiederkehrenden Verstoß gegen die Arbeitspflicht muss der Arbeitgeber nicht hinnehmen. Kommen in dem Zusammenhang noch andere nicht zu tollerierende Verhaltensweisen hinzu, wie lautes Torgegröle, Alkoholgenuss, ein mit Deutschland-Farben und Fahnen plakatierter Arbeitsplatz und unangemessene Arbeitskleidung (Trikot der Nationalmannschaft), hat sich der Arbeitnehmer selbst vom Platz gestellt und eine Kündigung ist unvermeidbar.

Ist aber noch mit dem Arbeitgeber zu reden, sollte man in dieser Situation die Möglichkeit eines Aufhebungsvertrages ins Gespräch bringen. Wenn die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses nicht mehr zu umgehen ist, bietet ein Aufhebungsvertrag sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber Vorteile: Eine Einigung erspart lange und nervenaufreibende Streitigkeiten vor Gericht und beiden Seiten finanzielle Vorteile. Denn dem Arbeitgeber ist an einer schnellen Regelung gelegen und der Arbeitnehmer erhält meist noch eine Abfindung.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Wirkung eines Aufhebungsvertrages im Lebenslauf anstelle einer Kündigung. Die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses in gegenseitigem Einvernehmen klingt bei einer zukünftigen Bewerbung auf einen neuen Arbeitsplatz auf jeden Fall positiver.

Da im Aufhebungsvertrag das Datum des Ausscheidens frei wählbar ist, kann der Arbeitgeber damit die Kündigungsfrist vermeiden. Darüber hinaus umgeht er mit dem Aufhebungsvertrag den kompletten Kündigungsschutz. Aber gerade diese Argumente sollten den Arbeitnehmer zu einer genauen Prüfung des Aufhebungsvertrages veranlassen.

  1. BAG, Beschluss vom 14.01.1986 – 1 ABR 75/83 []