Arbeit­neh­mer­sta­tus trotz Werk­ver­trags

Gegen­stand eines Werk­ver­trags kann sowohl die Her­stel­lung oder Ver­än­de­rung einer Sache als auch ein ande­rer durch Arbeit oder Dienst­leis­tung her­bei­zu­füh­ren­der Erfolg sein (§ 631 Abs. 2 BGB). Fehlt es an einem ver­trag­lich fest­ge­leg­ten abgrenz­ba­ren, dem Auf­trag­neh­mer als eige­ne Leis­tung zure­chen­ba­ren und abnah­me­fä­hi­gen Werk, kommt ein Werk­ver­trag kaum in Betracht, weil der "Auf­trag­ge­ber" dann durch wei­te­re Wei­sun­gen den Gegen­stand der vom "Auf­trag­neh­mer" zu erbrin­gen­den Leis­tung erst bestim­men und damit Arbeit und Ein­satz erst bin­dend orga­ni­sie­ren muss.

Arbeit­neh­mer­sta­tus trotz Werk­ver­trags

Durch einen Werk­ver­trag wird der Unter­neh­mer zur Her­stel­lung des ver­spro­che­nen Werks und der Bestel­ler zur Ent­rich­tung der ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung ver­pflich­tet (§ 631 Abs. 1 BGB). Gegen­stand eines Werk­ver­trags kann sowohl die Her­stel­lung oder Ver­än­de­rung einer Sache als auch ein ande­rer durch Arbeit oder Dienst­leis­tung her­bei­zu­füh­ren­der Erfolg sein (§ 631 Abs. 2 BGB). Für die Abgren­zung zum Dienst­ver­trag ist maß­ge­bend, ob ein bestimm­tes Arbeits­er­geb­nis bzw. ein bestimm­ter Arbeits­er­folg oder nur eine bestimm­te Dienst­leis­tung als sol­che geschul­det wird 1.

Ein Arbeits­ver­hält­nis unter­schei­det sich von dem Rechts­ver­hält­nis eines Werk­un­ter­neh­mers zudem maß­geb­lich durch den Grad der per­sön­li­chen Abhän­gig­keit 2. Arbeit­neh­mer ist, wer auf­grund eines pri­vat­recht­li­chen Ver­trags im Diens­te eines ande­ren zur Leis­tung wei­sungs­ge­bun­de­ner, fremd­be­stimm­ter Arbeit in per­sön­li­cher Abhän­gig­keit ver­pflich­tet ist 3. Das Wei­sungs­recht kann Inhalt, Durch­füh­rung, Zeit, Dau­er und Ort der Tätig­keit betref­fen. Arbeit­neh­mer ist der­je­ni­ge Mit­ar­bei­ter, der nicht im Wesent­li­chen frei sei­ne Tätig­keit gestal­ten und sei­ne Arbeits­zeit bestim­men kann (vgl. § 84 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 HGB) 4; der Grad der per­sön­li­chen Abhän­gig­keit hängt dabei auch von der Eigen­art der jewei­li­gen Tätig­keit ab. Dage­gen ist der Werk­un­ter­neh­mer selb­stän­dig. Er orga­ni­siert die für die Errei­chung eines wirt­schaft­li­chen Erfolgs not­wen­di­gen Hand­lun­gen nach eige­nen betrieb­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und ist für die Her­stel­lung des geschul­de­ten Werks gegen­über dem Bestel­ler ver­ant­wort­lich 5. Ob ein Werk­ver­trag, ein Dienst- oder ein Arbeits­ver­hält­nis besteht, zeigt der wirk­li­che Geschäfts­in­halt. Zwin­gen­de gesetz­li­che Rege­lun­gen für Arbeits­ver­hält­nis­se kön­nen nicht dadurch abbe­dun­gen wer­den, dass Par­tei­en ihrem Arbeits­ver­hält­nis eine ande­re Bezeich­nung geben; ein abhän­gig beschäf­tig­ter Arbeit­neh­mer wird nicht durch Auf­er­le­gung einer Erfolgs­ga­ran­tie zum Werk­un­ter­neh­mer 6.

Wel­ches Rechts­ver­hält­nis vor­liegt, ist anhand einer Gesamt­wür­di­gung aller maß­ge­ben­den Umstän­de des Ein­zel­falls zu ermit­teln, der objek­ti­ve Geschäfts­in­halt ist den aus­drück­lich getrof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen und der prak­ti­schen Durch­füh­rung des Ver­trags zu ent­neh­men. Wider­spre­chen sich Ver­ein­ba­rung und tat­säch­li­che Durch­füh­rung, ist Letz­te­re maß­ge­bend 7. Legen die Par­tei­en die zu erle­di­gen­de Auf­ga­be und den Umfang der Arbei­ten kon­kret fest, kann das für das Vor­lie­gen eines Werk­ver­trags spre­chen 1. Fehlt es an einem abgrenz­ba­ren, dem Auf­trag­neh­mer als eige­ne Leis­tung zure­chen­ba­ren und abnah­me­fä­hi­gen Werk, kommt ein Werk­ver­trag kaum in Betracht, weil der "Auf­trag­ge­ber" durch wei­te­re Wei­sun­gen den Gegen­stand der vom "Auf­trag­neh­mer" zu erbrin­gen­den Leis­tung erst bestim­men und damit Arbeit und Ein­satz erst bin­dend orga­ni­sie­ren muss 8. Rich­ten sich die vom Auf­trag­neh­mer zu erbrin­gen­den Leis­tun­gen nach dem jewei­li­gen Bedarf des Auf­trag­ge­bers, so kann auch dar­in ein Indiz gegen eine werk- und für eine arbeits­ver­trag­li­che Bezie­hung lie­gen, etwa wenn mit der Bestim­mung von Leis­tun­gen auch über Inhalt, Durch­füh­rung, Zeit, Dau­er und Ort der Tätig­keit ent­schie­den wird. Wesent­lich ist, inwie­fern Wei­sungs­rech­te aus­ge­übt wer­den und in wel­chem Maß der Auf­trag­neh­mer in einen bestel­ler­sei­tig orga­ni­sier­ten Pro­duk­ti­ons­pro­zess ein­ge­glie­dert ist. Zwar steht auch einem Werk­be­stel­ler gegen­über dem Werk­un­ter­neh­mer das Recht zu, Anwei­sun­gen für die Aus­füh­rung des Werks zu ertei­len (vgl. § 645 Abs. 1 Satz 1 BGB zu den Aus­wir­kun­gen auf die Ver­gü­tungs­ge­fahr). Davon abzu­gren­zen ist aber die Aus­übung von Wei­sungs­rech­ten bezüg­lich des Arbeits­vor­gangs und der Zeit­ein­tei­lung 9. Wei­sun­gen, die sich aus­schließ­lich auf das ver­ein­bar­te Werk bezie­hen, kön­nen im Rah­men eines Werk­ver­trags erteilt wer­den 10; wird die Tätig­keit aber durch den "Bestel­ler" geplant und orga­ni­siert und wird der "Werk­un­ter­neh­mer" in einen arbeits­tei­li­gen Pro­zess in einer Wei­se ein­ge­glie­dert, die eine eigen­ver­ant­wort­li­che Orga­ni­sa­ti­on der Erstel­lung des ver­ein­bar­ten "Werks" fak­tisch aus­schließt, liegt ein Arbeits­ver­hält­nis nahe.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2013 – 10 AZR 282/​12

  1. BGH 16.07.2002 – X ZR 27/​01, zu II 1 der Grün­de, BGHZ 151, 330[][]
  2. BGH 25.06.2002 – X ZR 83/​00, zu I 2 b aa der Grün­de[]
  3. BAG 15.02.2012 – 10 AZR 301/​10, Rn. 13; 14.03.2007 – 5 AZR 499/​06, Rn. 13 mwN[]
  4. BAG 29.08.2012 – 10 AZR 499/​11, Rn. 15; 15.02.2012 – 10 AZR 301/​10, Rn. 13; 25.05.2005 – 5 AZR 347/​04, zu I der Grün­de mwN, BAGE 115, 1[]
  5. vgl. BAG 18.01.2012 – 7 AZR 723/​10, Rn. 27; 13.08.2008 – 7 AZR 269/​07, Rn. 14[]
  6. vgl. ErfK/​Preis 13. Aufl. § 611 BGB Rn. 13[]
  7. BAG 29.08.2012 – 10 AZR 499/​11, Rn. 15; 15.02.2012 – 10 AZR 301/​10, Rn. 13; 20.05.2009 – 5 AZR 31/​08, Rn.19 mwN[]
  8. vgl. BAG 9.11.1994 – 7 AZR 217/​94, zu III 2 b der Grün­de, BAGE 78, 252[]
  9. Kitt­ner/Zwan­zi­ger/­D­ei­nert-Dei­nert 7. Aufl. § 3 Rn. 137[]
  10. vgl. ErfK/​Preis § 611 BGB Rn. 14[]