Arbeits­ge­richt­li­che Beschluss­ver­fah­ren und der neu gebil­de­te Betriebs­rat

Der auf­grund eines geän­der­ten Zuord­nungs­ta­rif­ver­trags neu gewähl­te Betriebs­rat tritt in einem arbeits­ge­richt­li­chen Beschluss­ver­fah­ren in die Ver­fah­rens­stel­lung des bis dahin betei­lig­ten Betriebs­rats ein.

Arbeits­ge­richt­li­che Beschluss­ver­fah­ren und der neu gebil­de­te Betriebs­rat

Endet auf­grund einer Neu­wahl das Amt eines Betriebs­rats, wird nach dem Prin­zip der Funk­ti­ons­nach­fol­ge und dem Grund­ge­dan­ken der Kon­ti­nui­tät betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen der neu gewähl­te Betriebs­rat Funk­ti­ons­nach­fol­ger sei­nes Vor­gän­gers und tritt in des­sen Betei­lig­ten­stel­lung in einem arbeits­ge­richt­li­chen Beschluss­ver­fah­ren ein [1]. Dies gilt sowohl im Fal­le der gesetz­li­chen als auch der nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG gewill­kür­ten Betriebs­ver­fas­sungs­struk­tu­ren. Eine Funk­ti­ons­nach­fol­ge fin­det grund­sätz­lich nicht nur bei einem unver­än­der­ten Betriebs­zu­schnitt, son­dern auch beim Über­gang von den gesetz­li­chen zu gewill­kür­ten Betriebs­ver­fas­sungs­struk­tu­ren, bei der Ände­rung eines Tarif­ver­trags nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG sowie bei der Rück­kehr zu den gesetz­li­chen Betriebs­ver­fas­sungs­struk­tu­ren statt. Sie liegt im Inter­es­se bei­der Betriebs­par­tei­en und ist wegen der Kon­ti­nui­tät der betrieb­li­chen Inter­es­sen­ver­tre­tung gebo­ten. Eben­so gel­ten grund­sätz­lich die für die jewei­li­gen betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Ein­hei­ten geschlos­se­nen Betriebs­ver­ein­ba­run­gen fort [2]. Ent­ste­hen auf­grund des Abschlus­ses, der Ände­rung oder der Been­di­gung eines Tarif­ver­trags nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG aus einer betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Ein­heit meh­re­re Ein­hei­ten, so wer­den meh­re­re Betriebs­rä­te Funk­ti­ons­nach­fol­ger des einen bis­he­ri­gen Betriebs­rats. Wer­den umge­kehrt meh­re­re eigen­stän­di­ge betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Ein­hei­ten zu einer Ein­heit zusam­men­ge­fasst, so wird der in die­ser Ein­heit neu gewähl­te Betriebs­rat Funk­ti­ons­nach­fol­ger der bis­he­ri­gen Betriebs­rä­te. Vor­aus­set­zung für eine Funk­ti­ons­nach­fol­ge ist aller­dings, dass die vor und nach der Ände­rung von den Betriebs­rä­ten jeweils reprä­sen­tier­ten orga­ni­sa­to­ri­schen Ein­hei­ten zuver­läs­sig von­ein­an­der abge­grenzt wer­den kön­nen. Die nach Abschluss, Ände­rung oder Ende eines Tarif­ver­trags nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG errich­te­ten Betriebs­rä­te tre­ten dann jeweils die Funk­ti­ons­nach­fol­ge der Betriebs­rä­te an, die die­se Ein­hei­ten zuvor reprä­sen­tiert haben [3].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 24. August 2011 – 7 ABR 8/​10

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung des BAG, vgl. zuletzt BAG 23.06.2010 – 7 ABR 3/​09, Rn. 11 mwN, AP SGB IX § 81 Nr. 17 = EzA BetrVG 2001 § 99 Ein­stel­lung Nr. 14; 8.12.2010 – 7 ABR 69/​09, Rn. 11 mwN, EzA ArbGG 1979 § 83a Nr. 9[]
  2. BAG 7.06.2011 – 1 ABR 110/​09, Rn. 14, DB 2011, 2498[]
  3. vgl. BAG 8.12.2010 – 7 ABR 69/​09, Rn. 11, aaO[]