Arbeits­ver­trä­ge als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen

All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach ihrem objek­ti­ven Inhalt und typi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von ver­stän­di­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern unter Abwä­gung der Inter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wobei nicht die Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zugrun­de zu legen sind 1.

Arbeits­ver­trä­ge als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen

Ansatz­punkt für die nicht am Wil­len der jewei­li­gen Ver­trags­part­ner zu ori­en­tie­ren­de Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist in ers­ter Linie der Ver­trags­wort­laut. Ist die­ser nicht ein­deu­tig, kommt es für die Aus­le­gung ent­schei­dend dar­auf an, wie der Ver­trags­text aus Sicht der typi­scher­wei­se an Geschäf­ten die­ser Art betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se zu ver­ste­hen ist, wobei der Ver­trags­wil­le ver­stän­di­ger und red­li­cher Ver­trags­part­ner beach­tet wer­den muss 2.

Soweit auch der mit dem Ver­trag ver­folg­te Zweck ein­zu­be­zie­hen ist, kann das nur in Bezug auf typi­sche und von red­li­chen Geschäfts­part­nern ver­folg­te Zie­le gel­ten 3.

Umstän­de, die allein den kon­kre­ten Ver­trags­part­nern bekannt sind oder die den beson­de­ren Ein­zel­fall kenn­zeich­nen, dür­fen bei der Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen nicht her­an­ge­zo­gen wer­den. Das ergibt sich auch aus § 310 Abs. 3 Nr. 3 BGB, wonach die den Ver­trags­schluss beglei­ten­den Umstän­de nur bei der Prü­fung der unan­ge­mes­se­nen Benach­tei­li­gung nach § 307 Abs. 1 und Abs. 2 BGB zu berück­sich­ti­gen sind. Dies hat aller­dings nicht zur Fol­ge, dass jeg­li­che Begleit­um­stän­de für die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen unbe­deu­tend sind. Aus­ge­schlos­sen sind viel­mehr nur kon­kret-indi­vi­du­el­le Umstän­de. Zur Aus­le­gung her­an­zu­zie­hen sind hin­ge­gen auch sons­ti­ge Begleit­um­stän­de, die nicht aus­schließ­lich die kon­kre­te Ver­trags­ab­schluss­si­tua­ti­on betref­fen, son­dern den Abschluss einer jeden ver­gleich­ba­ren ver­trag­li­chen Abre­de beglei­ten 4.

Die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen durch das Beru­fungs­ge­richt unter­liegt einer unein­ge­schränk­ten revi­si­ons­recht­li­chen Nach­prü­fung 5.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 15. Febru­ar 2017 – 7 AZR 291/​15

  1. BAG 9.12 2015 – 7 AZR 68/​14, Rn. 13; 25.06.2015 – 6 AZR 383/​14, Rn. 25, BAGE 152, 82[]
  2. BAG 20.08.2014 – 10 AZR 453/​13, Rn. 25[]
  3. BAG 3.08.2016 – 10 AZR 710/​14, Rn. 16[]
  4. vgl. etwa BAG 15.11.2016 – 3 AZR 582/​15, Rn. 34[]
  5. BAG 9.12 2015 – 7 AZR 68/​14, Rn. 14; 25.06.2015 – 6 AZR 383/​14, Rn. 23, BAGE 152, 82; 8.12 2010 – 10 AZR 671/​09, Rn. 15, BAGE 136, 294[]